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Auf Schienen in den Tod

Stilles Gedenken: Mit einer Nelke ehrt Jakob Molchadskiy von der Jüdischen Gemeinde ein Mädchen, das von den Nazis ermordet wurde.
Stilles Gedenken: Mit einer Nelke ehrt Jakob Molchadskiy von der Jüdischen Gemeinde ein Mädchen, das von den Nazis ermordet wurde. © Foto: Michael Benk
Annette Herold / 05.05.2010, 20:33 Uhr - Aktualisiert 06.05.2010, 17:36
Frankfurt (In House) Die kleine Ruti aus Krakau ist in Auschwitz gestorben. Bis zuletzt hatte ihre Tante gehofft, doch bei den ersehnten Ausreisepapieren fanden sich keine Dokumente für das Mädchen. „Ruti klammerte sich an mich und fühlte, dass ich sie fallen lassen musste“, hat die Tante berichtet.

Dokumentiert ist das Schicksal der Ruti Halbe in einem der drei Waggons des Zuges der Erinnerung. Ein Verein lässt ihn gegen das Vergessen durchs Land fahren, gestern morgen kam er aus dem polnischen Cybinka in Frankfurt an. In Frankfurt habe es anders als anderswo keinerlei Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit der Bahn gegeben, berichtete Bürgermeisterin Katja Wolle. Dass die Kooperation mit der Bundesbahn dennoch schwierig ist, belegt eine Notiz in der Ausstellung, derzufolge der Verein für die Nutzung des Schienennetzes zahlen muss.

Daran, dass die Deportation von Menschen in den Tod während des Nationalsozialismus ein Geschäft war, erinnerte Hans-Rüdiger Minow vom Verein Zug der Erinnerung. „An einem Gleis wie diesem“ seien die Züge damals eingefahren. „An anderen Gleisen herrschte normaler Zugverkehr.“

Von Normalität sprach auch Jakob Molchadskiy als Vertreter der Jüdischen Gemeinde. Kinder wie die Geschwister Rita und Albert Fellert hätten in Frankfurt mit deutschen Kindern gespielt, Kindergärten besucht – und sind dann deportiert worden. Es sei wichtig, an diese Schicksale zu erinnern, mahnte Janek Lassau vom Verein Utopia, der in Frankfurt als Kooperationspartner des Zug-Vereins auftritt. Der Zug dokumentiere, dass die Shoah „vor der Haustür angefangen habe“. Utopia hat auch ein Begleitprogramm zur Ausstellung organisiert. Heute spricht Gerhard Hoffmann ab 
19 Uhr im Audimaxgebäude der Viadrina (Raum 02) zum Thema „Machtübergabe an die Nationalsozialisten“.

zug-der-erinnerung.eu. Die Ausstellung ist heute und morgen von 8.30 bis 19.30 Uhr geöffnet.

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