Frankfurt (moz) Frankfurt (MOZ) Seit gestern macht der Zug der Erinnerung auf dem Frankfurter Bahnhof Station. Die rollende Gedenkstätte erinnert an die Schicksale von Kindern, die während des Zweiten Weltkriegs mit Zügen der Deutschen Reichsbahn in Konzentrationslager deportiert worden sind. Auch die Biographien Frankfurter Kinder werden vorgestellt. Bürgermeisterin Katja Wolle (SPD) mahnte bei der Ausstellungseröffnung: „Nie wieder wegschauen! Dann muss man sich später auch nicht fragen, wie hat etwas geschehen können.“ Ein Vertreter der jüdischen Gemeinde sprach auf dem Bahnsteig das Totengebet Kaddisch.
Stilles Gedenken: Mit einer Nelke ehrt Jakob Molchadskiy von der Jüdischen Gemeinde ein Mädchen, das von den Nazis ermordet wurde.
Die kleine Ruti aus Krakau ist in Auschwitz gestorben. Bis zuletzt hatte ihre Tante gehofft, doch bei den ersehnten Ausreisepapieren fanden sich keine Dokumente für das Mädchen. „Ruti klammerte sich an mich und fühlte, dass ich sie fallen lassen musste“, hat die Tante berichtet.
Dokumentiert ist das Schicksal der Ruti Halbe in einem der drei Waggons des Zuges der Erinnerung. Ein Verein lässt ihn gegen das Vergessen durchs Land fahren, gestern morgen kam er aus dem polnischen Cybinka in Frankfurt an. In Frankfurt habe es anders als anderswo keinerlei Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit der Bahn gegeben, berichtete Bürgermeisterin Katja Wolle. Dass die Kooperation mit der Bundesbahn dennoch schwierig ist, belegt eine Notiz in der Ausstellung, derzufolge der Verein für die Nutzung des Schienennetzes zahlen muss.
Daran, dass die Deportation von Menschen in den Tod während des Nationalsozialismus ein Geschäft war, erinnerte Hans-Rüdiger Minow vom Verein Zug der Erinnerung. „An einem Gleis wie diesem“ seien die Züge damals eingefahren. „An anderen Gleisen herrschte normaler Zugverkehr.“
Von Normalität sprach auch Jakob Molchadskiy als Vertreter der Jüdischen Gemeinde. Kinder wie die Geschwister Rita und Albert Fellert hätten in Frankfurt mit deutschen Kindern gespielt, Kindergärten besucht – und sind dann deportiert worden. Es sei wichtig, an diese Schicksale zu erinnern, mahnte Janek Lassau vom Verein Utopia, der in Frankfurt als Kooperationspartner des Zug-Vereins auftritt. Der Zug dokumentiere, dass die Shoah „vor der Haustür angefangen habe“. Utopia hat auch ein Begleitprogramm zur Ausstellung organisiert. Heute spricht Gerhard Hoffmann ab 19 Uhr im Audimaxgebäude der Viadrina (Raum 02) zum Thema „Machtübergabe an die Nationalsozialisten“.
zug-der-erinnerung.eu. Die Ausstellung ist heute und morgen von 8.30 bis 19.30 Uhr geöffnet.

Meist kommentierte Artikel
29.08.2010 18:46 Nachrichten
Sarrazin legt nach
15.06.10 20:15 LR Fürstenwalde
Beim 4. Kind soll ein Tragetuch genügen
23.07.10 08:01 LR Frankfurt (Oder)
Polen kaufen gern in Frankfurt ein
05.07.10 19:27 Berlin/Brandenburg
Frankfurt verliert Polizeipräsidium
19.04.10 21:06 LR Uckermark
„Korfu“ in Schutt und Asche