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Mandy Timm 16.12.2011 19:50 Uhr - Aktualisiert 16.12.2011 19:52 Uhr
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Hoffnung für altes Zuckerfabrik-Areal

Steintoch (MOZ) Nach Jahrzehnten des Stillstandes gibt es offenbar doch noch Hoffnung für das einstige Zuckerfabrik-Gelände in Voßberg. Die Altus GmbH stellte im jüngsten Gemeinderat ihr Vorhaben vor, auf 22 Hektar eine Photovoltaik-Anlage aufbauen zu wollen. Vorher sollen sämtliche Bauten sowie die Gelände-Mauer zurück gebaut werden.

  Verkommt seit Jahrzehnten: Jetzt soll auf dem einstigen Zuckerfabrikgelände in Voßberg ein Solarpark enstehen. © Johann Müller

Seit Jahrzehnten kämpft Ortsvorsteherin Erika Krause dafür, dass der Schandfleck „Zuckerfabrik“ in ihrem Dorf verschwindet. Unzählige Telefonate hat sie geführt, Briefe verfasst, an vermeintliche Eigentümer, Verwalter, Behörden. Obwohl die Ergebnisse oft nur unbefriedigend blieben, hoffte sie bis heute, dass sich etwas auf oder mit der Fabrik tut. Jetzt scheint sich ihr Wunsch zu erfüllen.

Alexander Quenzel von der Altus GmbH stellte in der jüngsten Letschiner Gemeindevertretersitzung ihr Projekt vor, auf dem Gelände der einstigen Zuckerfabrik einen Solarpark zu errichten. Das Vorhaben klingt vielversprechend. 22 Hektar umfasst das Areal, das in bis zu 50 Meter langen Reihen, mit sogenannten Solar-Tischen bestückt werden soll. Die gewonnene Leistung beträgt bis zu 953 kWh. Damit könnten bis zu 2200 Haushalte à vier Personen versorgt werden. Darüber hinaus würden laut Quenzel rund 5900 Tonnen CO2 im Jahr eingespart. Interessant war für die Gemeindevertreter vor allem, dass sämtliche Gebäude und leerstehenden Hallen auf dem Gelände einschließlich des Schornsteins sowie der einsturzgefährdeten Mauer verschwinden sollen. Die Gebäude, so Quenzel, würden eine Verschattung erzeugen. Darüber hinaus kündigt er an, dass sämtlicher Müll sowie die Reifenberge, die seit Jahrzehnten auf dem Areal lagern, und eingefallene Trümmerhaufen noch in diesem Jahr entsorgt werden sollen. „Der Eigentümer ist aufgefordert, zu handeln“, sagte Quenzel. „Sollte er es nicht tun, wird auf seine Kosten entsorgt.“ Die Altus-GmbH hat die insgesamt vier Flurstücke, aus denen sich das Gelände zusammensetzt, gepachtet.

Der Zeitplan des Investors ist unterdessen eng gestrickt. Hintergrund ist die Einspeisevergütung des Bundes, die sich jährlich ändert. Noch in diesem Jahr soll der Bebauungsplan aufgestellt werden. Spätestens im Juni 2012 muss der Satzungsbeschluss des sogenannten B-Planes vorliegen, einen Monat später die Baugenehmigung. Im September soll die Umsetzung des Vorhabens beginnen. Und bereits im Dezember 2012 soll der Solarpark in Betrieb gehen.

Die Gemeindevertreter machten während ihrer Beratung den Weg frei für das Vorhaben. Sie stimmten für die Änderung des Flächennutzungsplanes und Aufstellung des Bebauungsplanes - einstimmig. Das Ergebnis macht deutlich, dass jeder froh darüber ist, dass der Schandfleck, zu dem das einstige Zuckerfabrik-Gelände verkommen ist, endlich verschwindet.

1862 gab es erste Pläne, eine Zuckerfabrik im Amt Wollup zu errichten. Bereits ein Jahr später begann der Bau. 1912 ließ die Zuckerfabrik ein Abzweiggleis der Oderbruchbahn vom Amt Wollup aus bis zur Fabrik legen. Bis 1945 erfolgten weitere technische und technologische Entwicklungen. Am 16. August 1963 wurde in der HOG „Einigkeit“ in Letschin die 100 Jahrfeier begangen. Nach der politischen Wende liefen die Maschinen noch bis April 1991. Das rheinländische Zuckerunternehmen Pfeifer & Langner hatte den Betrieb sowie einen weiteren in Thöringswerder bei Wriezen übernommen. Die Voßberger Firma wurde abgewickelt, der Bahnanschluss eingestellt. Anschließend zog die Oderbruch-Recycling- und Verarbeitungs GmbH auf das Gelände und verarbeitete Kunststoff aus dem dualen System. Ein Brand vernichtete 1994 einen Großteil der Fabrik. 100 Tonnen Kunststoff-Ballen standen in Flammen. Die Feuerwehr war tagelang im Einsatz. Die Umweltbehörde ließ den Betrieb schließen. Ein neuer Käufer sprengte mehrere Gebäudeteile, brachte alte Reifen und Müll auf das Gelände. Seitdem lagert er dort.

Der Schornstein auf dem Areal sollte schon einmal gesprengt werden. Damals machte der Nabu dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung, weil angeblich Falken in oder an der Esse nisteten.

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