Biesenthal (MOZ) Rund 150 Teilnehmer einer Kundgebung haben sich am Samstag vor dem Gelände des ehemaligen Asylbewerberheims in Biesenthal versammelt. Dort sollte nach Angaben der Initiative "Bunt statt braun" eine von Rechtsextremen geplante Sonnenwendfeier stattfinden.
Thomas Janoschka ist zufrieden. "Klar könnten es immer noch mehr Leute sein, aber es sind viele gekommen. Das ist toll", freut sich das Mitglied der Initiative "Bunt statt braun", die zur Kundgebung aufgerufen hatte.
Diese Initiative war in der Zeit entstanden, als die NPD auf dem Gelände des ehemaligen Asylbewerberheims ein Schulungszentrum errichten wollte. "Damals passierte viel in Biesenthal. Politische Kräfte und viele Bürger haben sich engagiert", so Janoschka. Die Initiative rief zu mehreren Aktionen auf, mit denen sie demonstrierte, dass die Mehrheit der Biesenthaler keine rechtsextremen Tendenzen toleriert.
Auch am Sonnabend hatten sich trotz kalter Temperaturen zahlreiche Biesenthaler, Bernauer, aber auch Mitglieder linker Jugendorganisationen aus anderen Landkreisen vor dem Eingang zu dem Gelände zusammengefunden. Plakate mit Aufschriften wie "Ich bin Deutscher. Meine Heimat ist die Erde" wurden aufgestellt. Aus einem Transporter ertönte Musik, einige tanzten, um sich aufzuwärmen.
Von den Rechtsextremisten war nichts zu sehen. Das Gelände des ehemaligen Asylbewerberheims gehört mittlerweile einer GmbH, die der NPD das Areal zur Verfügung stellt. "Zusammenkünfte gab es hier schon öfter, die finden aber meist so statt, dass wir da nichts von mitbekommen", erklärte Biesenthals Bürgermeister André Stahl, der die Kundgebung ebenfalls besuchte. Die Idee eines NPD-Schulungszentrum sei aber verhindert worden. "Mittlerweile ist das Gelände im Flächennutzungsplan als Grünland ausgewiesen worden. Hier darf nichts mehr gebaut werden", erklärte André Stahl.
Im September sei der Email-Verkehr der NPD gehackt worden, berichtet Thomas Janoschka. "Da hat man einige Nachrichten von NPD-Funktionären gefunden, in denen immer von der Sonnenwendfeier hier in Biesenthal die Rede war. Deshalb haben wir uns entschlossen, hier eine Kundgebung zu machen."
Dass die Rechtsextremen nicht erschienen, könne mehrere Gründe haben, so Thomas Janoschka. "Entweder sie treffen sich statt dessen an einem Ausweichort in Finowfurt, oder sie haben die Veranstaltung abgesagt. Dafür könnte ein Grund sein, dass sie eine Konfrontation mit uns vermeiden wollten."
Gegen 16.30 Uhr löste sich die Veranstaltung auf. Sebastian Walter, Kreisvorsitzender der Barnimer Linken, die sich am Aufruf beteiligt hatte, zog ein positives Fazit. "Es war schon ein deutliches Zeichen, dass innerhalb so kurzer Zeit so viele Menschen auf die Straße gegangen sind, um zu zeigen, dass wir solche rechtsextremen Feiern in Biesenthal nicht wollen und die Mehrzahl der Menschen hier für eine tolerante Gesellschaft ist."
Gerüchten zufolge sollen sich die NPD-Anhänger auf einem Gelände in Finowfurt getroffen haben. "Dann gehen wir beim nächsten Mal eben da hin und protestieren", kündigte Walter an.
Die Polizei war mit dem Ablauf der angemeldeten Kundgebung ebenfalls zufrieden. "Es blieb alles ruhig", so Olaf Tausch von der Polizeidirektion Barnim.
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