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Das Hospiz Sonnentag entlastet Eltern wie Liana Drunk im Alltag mit schwer kranken Kindern

Kuschelzeit mit Jule

Ein Platz in der Mitte: Juliane mit Mutter Liana (l.), Hund Struppi und Angela Neumann
Ein Platz in der Mitte: Juliane mit Mutter Liana (l.), Hund Struppi und Angela Neumann © Foto: Heinz Köhler
Karin Sandow / 24.12.2011, 07:45 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Vor wenigen Tagen ist in Frankfurt das Hospiz Sonnentag der Björn-Schulz-Stiftung eröffnet worden - das erste im Land Brandenburg. Damit erfüllt sich die Hoffnung von Familien mit schwerst kranken Kindern auf Entlastung im Alltag. Auch die von Familie Drunk.

Juliane - Jule genannt - kuschelt gern. Und dazu hat sie an diesem Tag gleich dreifach Gelegenheit. Denn außer ihrer Mutter Liana und dem dreijährigen Yorkshire-Pekinesen-Mischling Struppi ist auch Angela Neumann, stellvertretende Pflegedienstleiterin im Hospiz Sonnentag, bei ihr. Die 15-Jährige leidet an Tuberöser Hirn-Sklerose, einer unheilbaren genetischen Erkrankung. Sie hat Tumore im ganzen Körper, im Kopf, im Herzen und in den Nieren. Von seiner geistigen Entwicklung her ist das Mädchen deshalb auf dem Stand einer Siebenjährigen. „Ich kann sie nicht allein lassen, weil ihr mitunter die merkwürdigsten Sachen einfallen“, erzählt die Mutter.

Vormittags ist Jule außer in den Ferien in der Hansaschule. Dorthin geht sie gern, vor allem seit der ebenfalls kranke und einige Jahre ältere Alexander aus der Nachbarschaft sie dort begleitet und beschützt. Aber wenn sie nach Hause kommt, muss immer jemand für sie da sein, und wenn es eben zum Kuscheln ist. „Wir malen, basteln oder singen oft oder schauen uns Märchenfilme an“, erzählt Liana Drunk. Doch die 43-Jährige ist selbst auf Hilfe angewiesen, denn sie sitzt seit zwei Jahren wegen Schlaganfall und Bandscheibenvorfall im Rollstuhl.

Ihr Mann, der bei der Hefekloß GmbH in Schichten arbeitet, ist ihr eine große Stütze, genauso wie mehrere Nachbarn. „Wir sind noch so etwas wie eine Hausgemeinschaft, sagt die Frankfurterin. Doch auch ihr Mann soll mal entlastet werden. Und schließlich möchte die Mutter hin und wieder Zeit für ihre beiden schon erwachsenen Kinder haben. „Die mussten schließlich, wie das in einer Familie mit einem kranken Kind oft ist, meist zurückstehen“, sagt die dreifache Mutter. Schon in der Vergangenheit konnte sie da oft auf die Familienhelfer der Björn-Schulz-Stiftung bauen. Die kommen ins Haus, gehen mit Jule mal ins Kino oder übernehmen andere Dinge. Mit dem Hospiz wird das noch einfacher. „Jule kann, wenn sie möchte, nach der Schule zu uns kommen und sogar Struppi mitbringen“, sagt Angela Neumann. Die 15-Jährige kennt das Haus und die Mitarbeiter schon, war zur Eröffnung da und hat dabei eine große, von ihrer Mutter gebastelte Benjamin-Blümchen-Figur mitgebracht, die nun eine der Wände schmückt.

Über mehrere Stunden können die schwer kranken Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Hospiz betreut und so ihre Angehörigen entlastet werden. Noch laufen letzte Vorbereitungen. Ab Januar können die acht Plätze im Haus an der Heilbronner Straße, in dem früher Kinder zur Welt kamen, genutzt werden. Doch wir sind auch jetzt schon für die Familien da, wenn sie uns brauchen“, erklärt Angela Neumann.

Familie Drunk wird davon gern Gebrauch machen. Vorerst aber freut sich die ganze Familie auf das Weihnachtsfest. Alle werden zusammen sein, gemeinsam erzählen, spielen und natürlich kuscheln. Was sie sich wünscht, weiß Jule gar nicht so genau. Einen Wunsch hat sie aber schon bei der großen Weihnachtsfeier für schwer kranke Kinder im Hotel Ritz in Berlin am Donnerstag erfüllt bekommen - einen Globus, damit sie wenigstens mit dem Finger um die ganze Welt reisen kann, sagt sie und zeigt ihr ansteckendes Lachen.

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