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Oliver Schwers 05.01.2012 17:49 Uhr
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Inzucht auf der Koppel

Frauenhagen (MOZ) Das Drama auf einer Koppel in Frauenhagen nimmt kein Ende. Wieder lagen tote Pferde und ein Kalb auf der Weide herum. Der betreffende Bauer verstößt regelmäßig gegen das festgelegte Tierhalteverbot. Gegen die neue Eigentümerin des Hofes wurde Strafanzeige erstattet. Die Krähen werden dick und satt.

  Bauer S. aus Frauenhagen beim Schneiden von Pferdemähnen am 3.1.2011. © privat

Wenn sie lange genug über den Wiesen am Bahndamm von Frauenhagen kreisen, finden sie schnell einen Kadaver zum Zerfleischen. Seit den jüngsten Todesfällen von Kühen und Pferden auf den heruntergefressenen Wiesen (MOZ berichtete) hat das Tiersterben nicht nachgelassen. Bauer Maik Manke aus Golm, der als Nachbar das Drama mit ansehen muss, ist schockiert: "In den vergangenen drei Wochen gab es mindestens fünf tote Tiere. Ein Fohlen starb nach der Geburt, eins kam tot zur Welt und zwei Pferde sind ersoffen.

Gestern lag ein angefressenes totes Rind auf der Koppel." Weit über 200 Rinder und Pferde suchen auf der Weide nach Futter. Bei vielen Tieren ist der Zustand äußerst bedenklich. Einige sind abgemagert, andere weisen deutliche Fehlstellungen der Gliedmaßen auf. Beim Versuch, an Wasser zu gelangen, stehen Rinder tief im Uferschlamm von Gräben oder der angrenzenden Sernitz. Wer abrutscht, stirbt. "Ein Pferd stand stundenlang bis zum Hals im kalten Wasser eines Grabens", berichtet der Augenzeuge Manke.

"Als ein Helfer kam, warf der ihm einfach einen Strick um den Hals und zog es am Traktor hinter sich heraus. Erst nach einer Dreiviertelstunde konnte es dann aus eigener Kraft wieder aufstehen." Inzwischen schlagen Tierschützer Alarm. "Die Unterbringung ist katastrophal", so das Urteil von Heinz Zimmermann vom Verein Umwelt- und Tierhilfe Terra Mater. "Bei Frost überleben viele Tiere nicht. Es ist außerdem nicht tragbar, dass Rinder und Pferde samt Fohlen zusammenstehen.

Die Rinder bekommen von dem ohnehin wenigen Futter zu wenig ab." Außerdem würden Pferde auch Stroh benötigen. Vom Hunger getrieben, erklommen viele Tiere regelmäßig den angrenzenden Bahndamm der Stettiner Eisenbahnlinie. Regelmäßig mussten Lokführer die Notbremse ziehen. Aufgrund derartiger Gefahren für Menschen hat das Gericht dem Bauern ein Tierhalteverbot und eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Daraufhin übernahm eine Landwirtin aus der Prignitz den Hof. Geändert hat sich nichts.

"Der Frauenhagener Bauer schert sich einen Teufel um das Tierhalteverbot", berichtet Nachbar Maik Manke. "Gerade erst hat er Pferde mit Gewalt in einen Fangstand für Rinder getrieben und ihnen dort Mähnen und Schweife beschnitten. Unregelmäßig füttert er Silageballen mit dem Traktor. Netze und Folien bleiben dabei einfach liegen, sodass die Rinder das Zeug mitfressen."

In der Kreisverwaltung befasst sich Landrat Dietmar Schulze persönlich mit dem Ärger auf der Frauenhagener Koppel. Sein Amtsarzt ist regelmäßig vor Ort. Aufgebrachte Bürger geben immer wieder Hinweise. "Der Amtsarzt muss hier viel mehr Flagge zeigen", verlangt Dr. Jörg Styrie vom Bundesverband Tierschutz. Heute soll es eine weitere Krisensitzung in Prenzlau geben. Der Verband hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin gegen die neue Eigentümerin des Betriebes gestellt. "Weil sie ihrer Aufsichts- und Versorgungspflicht nicht nachkommt", so Styrie. Der Verein Terra Mater hat sich jetzt bereit erklärt, auf eigene Kosten Futter zu liefern und die getrennte Unterbringung der Tiere zu beschleunigen.

"Aber nur, wenn dort endlich vernünftige Bedingungen durchgesetzt werden", sagt Heinz Zimmermann. "Stattdessen wird dort weiter Inzucht betrieben. Der Amtstierarzt hat die Pflicht, auf das Tierhalteverbot zu reagieren." Alle Versuche der MOZ, mit dem Bauern oder der neuen Eigentümerin Kontakt aufzunehmen, um eine Stellungnahme zu erhalten, schlugen bislang fehl.

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