Frankfurt (Oder) (MOZ) Was können Eltern tun, wenn das eigene Kind plötzlich den Holocaust leugnet und gegen Ausländer hetzt? Ein Verein berät Familien in Brandenburg und Berlin, deren Angehörige in die Neonazi-Szene geraten sind.
Suche nach Rat: In E-Mails an den Verein "Gegen Vergessen - für Demokratie" schildern Eltern - hier in einem Beispielfall - die Probleme mit Kindern, die zu Rechtsextremen geworden sind.
Hilflos und verzweifelt wirken viele Eltern, die Martin Ziegenhagen kontaktieren. Manche trifft es besonders heftig. So eine Mutter aus Sachsen, deren Sohn das Wohnzimmer mit Hakenkreuzen beschmierte und die Einrichtung verwüstete. In einem anderen Fall verliebte sich eine Tochter in einen bekannten Rechtsextremen, sie änderte sich radikal.
„Das sind Erfahrungen, die das Leben auf den Kopf stellen“, sagt Ziegenhagen, Leiter der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus. Das Abdriften der Jugendlichen in die braune Szene werde vom Umfeld oft zu spät wahrgenommen. Der Experte bekommt täglich Anfragen aus ganz Deutschland, meist von Menschen, die auf dem Land leben.
Rechtsextreme seien auch in manchen brandenburgischen Dörfern schon etabliert. „Sie erfüllen die Suche der Jugendlichen nach Anerkennung und Zuwendung, nutzen deren labile Phase aus“, erklärt der Mitarbeiter des Berliner Vereins „Gegen Vergessen - Für Demokratie“. Neonazis würden mit „Action“ die Kinder in ihr Milieu locken.
Aber auch in Vereinen, Beratungsstellen und Elternbeiräten würden Rechtsextreme sich etablieren. „Sie bieten ehrenamtliches Engagement an und füllen damit Lücken“, sagt Ziegenhagen. „Rechte profitieren vom alltäglichen Rassismus, ohne gesellschaftlichen Rückhalt könnten sie nicht agieren“, ergänzt seine Kollegin Liane Czeremin.
Die Zahl der Neonazis hat sich in der Mark laut Verfassungsschützern in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Mittlerweile zählt die Behörde 380 Rechtsextreme, die verstärkt als „kleine Zellen“ agieren und die sozialen Netzwerke im Internet nutzen. Als herausragend gilt in der Szene das moderne Online-Projekt „Spreelichter“ aus der Lausitz, das verstärkt Jugendliche ködern will.
Die Eltern würden den Wandel ihrer Zöglinge zu Neonazis zwar bemerken, fühlten sich mit dem Problem aber oft alleingelassen, meint Ziegenhagen. Ämter und Kommunen seien nicht immer hilfreich beim Kampf gegen braune Umtriebe, da sie Imageschäden für ihre Orte befürchteten. Dieses „Wegsehen“ sei fatal - auch für die Betroffenen.
In einem Chat der Beratungsstelle, der von Experten moderiert wird, können sich Angehörige austauschen. Gegenseitig sprechen sie sich Mut zu, so entstehe eine „unglaubliche Gruppendynamik“. Zwar gibt es in vielen Städten professionelle Beratungsstellen, aber viele Betroffene wollen lieber anonym bleiben. Dies erfüllt die Plattform, auf der es rund 50 moderierte Chats gibt. „Viele Eltern plagen Scham- und Schuldgefühle“, erklärt der Diplompädagoge. Daher geht es zuerst um eine psychologische Stabilisierung der Betroffenen. Dann setzt die Beratung an, die in schweren Fällen mitunter zwei Jahre dauert.
Nach Auffassung des Projektleiters gilt es vor allem, den familiären Zusammenhalt zu stärken, um Jugendlichen aus den Fängen von Neonazi-Gruppen zu befreien. „Der Schlüssel ist Kommunikation, man darf den Kontakt nie abreißen lassen und Gegenargumente bieten“, betont Ziegenhagen. In mehreren Fällen sei so der Ausstieg gelungen.
Er nennt ein Beispiel, bei dem es anders lief: Ein Schüler wandte sich an den Verein, da sich sein Vater einer Neonazi-Kameradschaft anschloss. „Es war ein harter Weg, am Ende jedoch sagte sich der Mann von der Szene los. Der Sohn zeigte große Stärke.“ Auch für Ziegenhagen war es ein Erfolg.
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Neueste Kommentare
17.05.2012 00:22:28 patrick wegner
lärmschutzunsinn
17.05.2012 00:00:47 G.W.
Oh.....mit leichten Handfeuerwaffen....
17.05.2012 00:00:19 Segel setzen!
@ Sepp
17.05.2012 00:00:13 Segel setzen!
@ Sepp
16.05.2012 23:42:52 G.W.
Die Katzenberger