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Offener Brief an Kreistagsabgeordnete

Freie Träger stehen vor Finanzdebakel

Jens Sell / 22.01.2012, 07:55 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Die Zuschüsse des Landkreises zur Jugendarbeit sollen im Haushalt 2012 von 67 auf 63 Prozent gesenkt werden. 30 freie Träger der Jugendhilfe haben dagegen einen offenen Brief an den Kreistag und die Verwaltung verfasst, den sie im Jugend-, Kultur-, Bildungs- und Bürgerzentrum OFFI verabschiedeten.

Die Vertreter von Vereinen aus dem gesamten Landkreis sprechen in ihrem Brief von einem Finanzdebakel: "Mit der Kürzung der Personalkostenzuschüsse zur Förderung von sozialpädagogischen Fachkräften in der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit um vier Prozent für 2012 setzt der Landkreis Märkisch-Oderland den Beschluss des Jugendhilfeausschusses eigenmächtig außer Kraft", prangern die freien Träger an.

Denn ob beim Kinderring Neuhardenberg, bei der Stiftung Sozialpädagogisches Institut (SPI) in Bad Freienwalde oder in der Jugendwerkstatt Hönow - wo qualifiziert und erfolgreich Jugend- und Jugendsozialarbeit gemacht werden soll, werden die entsprechenden Fachleute aus einem von Land, Landkreis und den jeweiligen Kommunen gemeinsam finanzierten Programm bezahlt.

Grundlage ist eines der ältesten und erfolgreichsten Personalkosten-Förderprogramme Brandenburgs überhaupt - das 610-Stellen-Programm, das seit 1995 läuft. Die Mittel des Landes und des Landkreises betragen bisher 67 Prozent. Die Kommunen, für die die Jugend- und Jugendsozialarbeit geleistet wird, steuern die Kofinanzierung bis 100 Prozent bei. Außerdem fließen Sachkosten, von den Kommunen meist als Mietfreiheit oder -zuschuss bzw. Betriebskosten für die genutzten Gebäude und Räume.

Der Leiter des OFFI Bad Freienwalde, Frank Fiedler, beziffert die Einbuße für die Träger bei 1500 Euro pro Stelle im Jahr. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages hat den vom Jugendamt erarbeiteten Jugendförderplan 2012 mit einer leichten Erhöhung von 11 000 Euro auf der Grundlage der real anfallenden Kosten beschlossen. laut Jugendamtsleiter Thomas Böduel beruht die in Aussicht stehende Kürzung auf einer Kreistagsvorlage, die der Fachbereich II, die Kämmerei, erarbeitet hat. Die Verwaltungsspitze senkt den Haushaltsansatz damit um 50 000 Euro.

Für die Unterzeichner des Schreibens an Kreistag und Verwaltung ist der Zeitpunkt von Mitte Dezember, als diese Vorlage bekannt wurde, besonders ärgerlich: "Wir haben die wichtigsten Verträge für 2012 längst unterschrieben, jetzt können wir auf die Kürzung nicht mehr kurzfristig reagieren", sagt Frank Fiedler. Träger und Kommunen könnten das Finanzloch nicht stopfen, weil sie selbst nicht über die finanziellen Spielräume verfügen.

"Wir müssen sagen, welche Leistungen dann nicht mehr erbracht werden können", sagt Karin Strohbach vom Erziehungshilfeverbund des AWO-Ortsvereins Strausberg. Denn, so heißt es in dem Schreiben, ein Teil der Arbeit müsse nun auf die Akquise von zusätzlichen Mitteln gelegt werden.

Die freien Träger hoffen auf eine Entscheidung des Kreistages für mehr Verlässlichkeit.

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