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Katrin Röper 28.01.2012 07:49 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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"Für mich ist alles Eberswalde"

Eberswalde (MOZ) Eberswalde ist eine Stadt mit Vergangenheit und Zukunft. Hier leben Menschen mit Tatkraft und Visionen. In der Serie "Nachdenken über Eberswalde" äußern sie ihre Vorstellungen über ihre Heimatstadt. Heute: Architektin Katja Dörner (34), im Gespräch mit Katrin Röper.

  Barrierefreiheit im Blick: Planerin Katja Dörner steht vor dem Museum in der Adler-Apotheke, dessen Anbau sie entworfen hat. © MOZ/Thomas Burckhardt

Frau Dörner, was verbindet Sie mit Eberswalde?

Katja Dörner: Ich bin in Eberswalde geboren und aufgewachsen. Mein Abitur habe ich am Finower Gymnasium gemacht. Danach habe ich an der Fachhochschule Eberswalde ein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolviert. Weil ich aber noch Architektur studieren wollte, bin ich anschließend nach Hannover gezogen. 2004 war ich fertig mit meinem Architekturstudium und bin zurückgekehrt nach Eberswalde.

War die Sehnsucht so groß?

Ich habe mich in Hannover sehr wohl gefühlt. Aber für mich war es von Anfang an klar, dass ich hierher zurückkommen und das Unternehmen von meinem Vater übernehmen möchte, das Projektbüro Dörner & Partner.

Lag es nur am Büro oder ist es auch das Heimatgefühl?

Erstmal ist es natürlich das Heimatgefühl, ich bin hier aufgewachsen. Als ich in Hannover war, habe ich aber auch gesehen, dass in Eberswalde sehr viel passiert. Es hat ein richtiger Umbruch stattgefunden. Die Stadt hat sich entwickelt. Als ich zurückkam, wurde gerade das Paul-Wunderlich-Haus gebaut. Die Belebung der Innenstadt war auch ein wichtiger Schritt. Das alles hat eine große Rolle gespielt.

Sie arbeiten ja jetzt schon ein paar Jahre hier. Wo in der Stadt findet man Ihre Handschrift?

Beim Schulkomplex Karl-Sellheim in Westend habe ich zum Beispiel einen Verwaltungsneubau, einen Anbau an die Gymnastikhalle und die Oberschule konzipiert und gebaut. Die Wohnterrassen am Finowkanal und das Cafe Wildau am Werbellinsee sind ebenfalls von mir. Ein aktuelles Projekt ist der Anbau an der Adler-Apotheke. Der wird derzeit kontrovers diskutiert.

Wie weit sind Sie hier?

Wir haben den Entwurf für den Anbau geplant und als nächstes werden wir den Bauantrag einreichen. Voraussichtlich im Mai oder im Juni ist Spatenstich. Wenn alles klappt sind wir im Mai 2013 fertig. Solche Aussagen können aber immer nur unter Vorbehalt getroffen werden, man weiß nie was noch kommt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der Apotheke?

Wir haben in Zusammenarbeit mit der Stadt Eberswalde eine Machbarkeitsstudie bezüglich der Barrierefreiheit erstellt. Die Stadt hat sich dieses Thema ja sehr auf die Fahne geschrieben. Diese Studie hat sich in der Planung weiterentwickelt und soll nun so umgesetzt werden.

Ist das Thema Barrierefreiheit in Eberswalde nicht eher ein Hindernis bei der Planung?

Nein, ganz im Gegenteil. Das finde ich persönlich sogar sehr gut. Ich habe nach dem Studium noch eine Zusatzausbildung als barrierefreie Planerin gemacht. An der Fachhochschule Eberswalde durfte ich sogar ein Seminar über barrierefreies Bauen betreuen und habe dabei gute Beispiele in Eberswalde aufgeführt. Ich hoffe, dass wir das in diesem Jahr noch weiter ausbauen können. Deshalb finde ich es auch toll, dass die Stadt versucht, ganz viel in diese Richtung zu machen. Aus meiner Sicht gibt es da ganz große Fortschritte.

Was gefällt Ihnen architektonisch besonders gut in Eberswalde?

Wenn man die Stadt im Vergleich zu der Zeit vor zehn Jahren sieht, ist sie unheimlich schön geworden. Gerade der Innenstadtbereich. Durch den Bau des Kreishauses wurde sie erst richtig belebt. Die Gestaltung des Marktplatzes und das ganze Drumherum sind sehr gelungen. Ich finde auch die modernen Gebäude der Fachhochschule sehr schön, zum Beispiel den Klinkerbau und die Bibliothek. Als nächstes architektonisches Highlight kommt noch das Bürgerbildungszentrum in der Puschkinstraße dazu. Gespannt bin ich auch auf die Neubebauung in der Friedrich-Ebert-Strasse.

Gibt es Flecken, an denen Sie gerne etwas machen würden?

Wo ich noch Bedarf sehe, ist das Gebiet hinter der Rathauspassage. Dort ist jetzt ein großer Parkplatz und ich denke das hat noch ganz viel Potential, an die Innenstadt angebunden zu werden. Dann sehe ich auch Möglichkeiten in Finow. Wir haben noch sehr viele Brachflächen wie zum Beispiel das alte NVA-Gelände am Wasserturm. Da könnte ich mir schöne Häuser am Wasser oder in Wassernähe vorstellen. Townhäuser würden hier sehr gut passen. Die sind in Berlin im Moment sehr angesagt und werden dort äußerst gut verkauft. Das könnte ich mir für Eberswalde auch vorstellen.

Was könnte man denn städtebaulich tun, um Menschen nach Eberswalde zu locken?

Ein großes Potential bieten die Pendler. Das sind so viele Leute, die jeden Morgen vom Bahnhof in die Innenstadt ziehen. Dieser Weg ist unheimlich wichtig. Der sollte Besuchern und Pendlern das Gefühl geben, dass Eberswalde so toll ist, dass sie sich auch vorstellen könnten, hier zu wohnen. Da hat die Stadt schon viel gemacht, aber wenn die Häuser noch schöner werden und noch ein bisschen mehr saniert werden, könnte es noch attraktiver aussehen. Der äußere Eindruck zählt.

Wie geht es Ihnen als Finowerin und Architektin, wenn Sie durch das Brandenburgische Viertel gehen?

Ich beobachte schon über viele Jahre hinweg den Zerfall. Einige sanierte Blöcke sind sehr belebt, zum Beispiel am Waldrand. Wenn man aber weiter hinein fährt, wirkt es an manchen Stellen schon beängstigend. Die Entscheidung, Blöcke, die leer stehen zurückzubauen finde ich aus städtebaulicher Sicht richtig. Da kann die Natur wieder zum Tragen kommen und durch die Verkleinerung des Wohngebietes könnte dieser Stadtteil wieder an Attraktivität gewinnen.

Können Sie sich als Finowerin vorstellen, dass der Ortsteil wieder eigenständig wird?

Nein. Für mich ist es Eberswalde, ich sage auch gar nicht Finow. Ich bin Eberswalderin und Finow gehört dazu, es ist ein Stadtteil. Bei vielen Leuten sind Finow oder Westend noch wichtige Begriffe. Aber für mich ist das alles Eberswalde.

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