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Brandstifter zündelt erstmals in Treppenhäusern bewohnter Gebäude / 24 Menschen in Bahnhofstraße evakuiert

Feuerteufel gefährdet Menschenleben

Steffen Göttmann und Jens Sell / 31.01.2012, 06:05 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Der unbekannte Feuerteufel hält weiter die Stadt in Atem. Gestern brennt es in Bad Freienwalde dreimal. Erstmals sind in der Bahnhofstraße Menschenleben in Gefahr, werden Retter und Bewohner durch Rauchgas verletzt.

Montagmorgen in der Kurstadt: Wieder hat es am Wochenende gebrannt. In der Nacht zum Sonnabend steckt der Feuerteufel einen Kellerraum der Stephanus-Werkstätten in der Beethovenstraße in Brand. In der Nacht zum Montag brennt in der Nähe des Bahnhofs ein Schuppen.

Als drei Revierpolizisten am Montagmorgen nach Eberswalde fahren, sehen sie zufällig im Rückspiegel die dicke Rauchwolke aus einem Haus in der Bahnhofstraße quellen. Sofort wenden sie den Streifenwagen und eilen zum Brandort. Kinder schreien im Hausflur, der völlig verqualmt ist. Sie versuchen zunächst, mit einem Feuerlöscher den Brand zu ersticken, kümmern sich um die Kinder und holen die Bewohner aus der unteren Etage, während die Feuerwehr heraneilt.

Um 7.30 Uhr geht der Alarm bei der Feuerwehr ein, sagt Einsatzleiter Marco Knoll. Als die Freienwalder Feuerwehr mit 18 Frauen und Männern sowie sieben aus Altranft in sechs Fahrzeugen den Einsatzort erreicht, ist zunächst unklar, wo es brennt. Der dichter Qualm nimmt den Feuerwehrleuten die Sicht.

Später wird der Arzt bei den drei Repos, aber auch bei Bewohnern des Hauses Rauchgasvergiftungen diagnostizieren. Das sind Verletzungen, die leicht unterschätzt werden, aber tödlich verlaufen können. Vor allem das Kohlenmonoxid ist lebensgefährlich. Der Brand, so stellt sich heraus, ist zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss an einem Schuhschrank auf dem Hausflur gelegt worden. Das Feuer greift auch auf die Eingangstüren der Wohnungen über. Die Bewohner der oberen Etage haben keine Chance, über das verqualmte Treppenhaus ins Freie zu gelangen. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr riskiert Revierpolizist André Braun seine Gesundheit, indem er das Feuer bekämpft.

Als die Feuerwehrmänner mit ihrer ganzen Technik eintreffen, sind die Bewohner der oberen Etagen verzweifelt. Die Einsatzkräfte bauen ein Sprungkissen auf dem Gehweg der Bahnhofstraße auf, doch keiner der Bewohner springt hinunter. Schließlich birgt die Feuerwehr 13 Hausbewohner mit dem Korb der Drehleiter und setzt sie vorsichtig und wohlbehalten auf dem Gehweg ab. Insgesamt müssen 24 Hausbewohner, darunter 14 Kinder, vorübergehend evakuiert werden. Auch elf Bewohner werden mit dem Verdacht auf Rauchgasvergiftungen in die Krankenhäuser Wriezen und Eberswalde gebracht. Als Feuerwehrleute den Brandherd entdecken, ist das Feuer schnell gelöscht. Die Gefahr bereitet allein der dichte Qualm.

Für die Feuerwehrleute ist es am Montagmorgen schon der zweite Einsatz, doch sie ahnen nicht, dass es nicht der letzte ist. Kurz nach halb zwölf gellt wieder die Sirene, piepen die Alarmmelder: Wohnhausbrand in der Uchtenhagenstraße 21. Wieder, wie auch in der Bahnhofstraße und vorvergangene Woche am Markt, hat der Brand seinen Ausgangspunkt im Treppenhaus. "Natürlich Brandstiftung, das entzündet sich doch nicht von alleine", sagt ein Polizist lakonisch. Offensichtlich, so lässt sich die Spurenlage deuten, hat der Feuerteufel, auf der Kellertreppe stehend, die Holztreppe über sich angesteckt. Wieder ist es vor allem die Rauchentwicklung, die den Anschlag so gefährlich macht. Der Restaurantbetreiber von der gegenüberliegenden Straßenseite ("La Fontana") hat sofort richtig reagiert: Er löscht das Feuer, noch bevor die Feuerwehrfahrzeuge eintreffen. Ein C-Rohr wird sicherheitshalber ins Haus gelegt. das starke Gebläse pustet die Rauchgase durch das Treppenhaus zu den geöffneten Fenstern hinaus.

Als Christian Höfs das Gebläse um 11.50 Uhr abschaltet, ist der Brand gründlich gelöscht und das Treppenhaus weitgehend rauchfrei. Die meisten Feuerwehrautos und -leute kommen bei diesem Brand nicht zum Einsatz. Doch die Sorge wächst: Offensichtlich verliert der Brandstifter jetzt die Selbstkontrolle. Denn bereits um 4.06 Uhr in der Montagfrüh alarmiert die Leitstelle die Freienwalder wegen eines Brandes in der Straße Am Bahnhof. Ein großer Schuppen, in dem Brennholz für mehrere Mietparteien eines benachbarten Hauses gelagert wird, ist in Brand geraten. Auch dieser Brand wird schnell unter Kontrolle gebracht.

Unter den Einsatzkräften ist man sich nicht sicher, ob es sich immer um denselben Feuerteufel handelt oder Trittbrettfahrer Polizei und Feuerwehr narren wollen. So hat am Sonnabendvormittag ein Beton-Papierkorb am Markt gebrannt. Und am Sonntagmorgen, gegen halb sieben, kokelten Brandstifter zwei Mülltonnen und zwei Altpapiertonnen in der Königstraße an, unmittelbar neben dem Polizeirevier.

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Anwohner 1980 31.01.2012 - 21:28:41

Guten Abend.

Das Problem ist ja nur, das in diesem Fall es ja wirklich jeder sein kann. Und dann passiert es ja meistens zu so einer Zeit, wo die meisten Leute schlafen. Falls das überhaupt noch möglich ist in Ruhe zu schlafen. Bei jedem Geräusch ist man schon wach und guckt ob alles in Ordnung ist. Hoffentlich ist das bald vorbei, bevor es wirklich noch Tote gibt. Aber auch wenn solche Leute dann geschnappt werden, was passiert dann mit Ihnen? Machen noch ein auf schlechte Kindheit und bei guter Führung werden sie nach ein paar Jahren "resozialisiert" !! Wo sind wir denn hier ???

E. Gleiter 31.01.2012 - 12:09:22

Zwei Augen

Hat die Stadt nur 10 Einwohner? Wenn alle Bad Freienwalder mobilisiert wären, dann könnte solch ein Bourn Out Brandstifter nicht mehr unbehelligt agieren. Also Augen auf, der Nachbar kann ebenso alles sehen!

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