Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Provokateur kehrt zurück

Erinnerung ans Wende-Chaos: Reinhard Zabka alias Richard von Gigantikow mit seinem Bild "Stasipoli" Foto: MOZ/Dietmar Horn
Erinnerung ans Wende-Chaos: Reinhard Zabka alias Richard von Gigantikow mit seinem Bild "Stasipoli" Foto: MOZ/Dietmar Horn © Foto:
Henning Kraudzun / 25.08.2009, 17:22 Uhr
Frankfurt (Oder) () Von einem "Spektakel" spricht Reinhard Zabka, wenn er sich an seine Ausstellung im Frühjahr 1989 in der Galerie Junge Kunst erinnert. "Das Publikum stürmte die Galerie", erinnert sich der heute im Prignitz-Dorf Gantikow lebende Installationskünstler, der dort ein "Lügenmuseum" betreibt. Zusammen mit dem befreundeten Künstler Albrecht Hillemann habe er "mit einem höheren Blödsinn" die Grenzen der Zensur ausgelotet, wollte provozieren.

Die Schau von Zabka ist auch Armin Hauer noch in bester Erinnerung. "Er wollte diese Ausstellung unbedingt", berichtet der Kurator. Und der dadaistische Querdenker Zabka hatte Erfolg. "200 Menschen kamen zur Eröffnung, wir mussten wegen Überfüllung schließen." Dies gab es dort zuvor noch nie. 9000 Besucher wurden während der Laufzeit gezählt - ebenfalls ein Rekord.

Armin Hauer - damals noch junger Mitarbeiter der Galerie - verwirrten die bewegten, zitatreichen Objekte und die Inszenierung der Vernissage. "Da wurden Anleitungen für Waschmaschinen und Beschwerden an die Wohnungswirtschaft zitiert", erzählt er. Ein Clown, eine männliche Putzfrau und ein Förster mischten sich unter das Publikum. Die Schau sei für das Publikum ein "verführerischer Schock" gewesen, erinnert sich Hauer. Die zuständige Behörde im Rat des Bezirkes hatte bei der Abnahme der Ausstellung indes nichts zu bemängeln. Auch ein Perpetuum Mobile, an dem Hundeköpfe neben Lenin-Abbildern auf Medaillons geklebt waren, wurde nicht kritisiert - eine Provokation, die eigentlich die Staatsmacht auf den Plan hätten rufen müssen. "Aber es ging gut", so Hauer.

"Es gab damals tatsächlich Agitationsläden, in denen Plakate von Marx und Lenin neben denen von Hunden im Schaufenster hingen", meint der 59-jährige Zabka, der in den 80er-Jahren in Berlin eine inoffizielle Ateliergalerie betrieb. Besucher brachte er ins Grübeln: "Was haben Hunde mit Lenin zu tun?", fragte ein Rostocker. Auch andere Objekte wie ein "Rednerpult mit Selbstschussanlage" ließen Interpretationsspielraum.

Am kommenden Sonnabend, bei der Rückkehr des Künstlers 20 Jahre nach seiner ersten Ausstellung in Frankfurt (Oder), wird es auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Chaos der Wendezeit im Jahr 1989 geben. In einem Labyrinth aus Holzabfällen werden die Besucher in St. Marien in einen "geschichtlichen Umbruch mit offenem Ausgang" zurückversetzt, wie Zabka erklärt. Ein Gang ist mit Objekten, Collagen und Zeitdokumenten bestückt. Elf weitere Künstler, darunter Erika Stürmer-Alex, beteiligen sich an der begehbaren Installation.

Für den jungen Viadrina-Absolventen Bastian Bielig ist es eines der ersten großen Kunstprojekte. "Es ist ein großes Experiment für alle", sagt der von Reinhard Zabka auserkorene Produktionsleiter. " Frankfurter sollen im Labyrinth ins Gespräch kommen", hofft Bielig. Manche Zeitzeugen von damals warten gespannt auf eine Neuauflage. "Ich habe die Ausstellung von Zabka 1989 gesehen. Ich hätte nie gedacht, dass es zu einem Wiedersehen kommt", sagt Martin Schieck, stellvertretender Vereinsvorsitzender des Förderverein des Museums Viadrina.

Das "Labyrinth der Wende" wird mit einer Performance am Sonnabend um 19 Uhr in der Frankfurter Marienkirche eröffnet. Die Schau findet im Rahmen von Kulturland Brandenburg statt. Sie ist bis 9. November zu sehen.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG