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Ellen Werner 07.02.2012 19:39 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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"Freiraum" statt Leerstand

Eberswalde (MOZ) Kreative Geister sind in vielen Städten beliebte Zwischennutzer. Leben ist besser als Leerstand, der Gedanke könnte sich auch in Eberswalde durchsetzen. Ein leerstehendes Haus, eine unbewohnte Etage oder ein freies Zimmer sucht hier die Freiraum-Initiative - für ein selbstverwaltetes Kulturzentrum.

  Freiraum: Eine Hausparty in der Kantstraße wird für einen Abend zur selbstverwalteten Kulturmeile. © MOZ/Ellen Werner

Auf dem Herd steht ein Riesenpott. Chili con Carne, vegetarisch, zur Selbstbedienung. Ein paar Leute stehen schon um den Tisch herum. Die Wohnungstür bleibt offen. Gegen zehn füllt sich das Haus. Was aussieht wie eine Studentenparty, die sich in die Küche verlagert hat, ist für einen Abend die Vokü, die Volksküche. Und während im vierten Obergeschoss das gemeinsam gekochte Essen verschenkt wird, kann man sich ein paar Treppen tiefer in der Tausch- und Geschenkeecke an gebrauchten Sachen bedienen, im Filmraum vor der Leinwand sitzen, in einer temporären Cocktailbar mit zwei Dancefloors tanzen oder in der Chillout-Lounge abhängen.

Die Party läuft von Freitagabend bis zum Samstagmorgen und auf allen Etagen. Die Bewohner, vielfach in Wohngemeinschaften, haben sich mit der Freiraum-Initiative zusammengetan. Wenige Stunden später ist der "Freiraum für einen Abend" in der Kantstraße wieder ein ganz normales Wohnhaus. "Wir wollten mal zeigen, was alles möglich ist, wenn Leute sich frei organisieren", erklärt Rebekka, Studentin an der Eberswalder Hochschule. Die Party sei zwar etwas studentenlastig ausgefallen. Das Hauptziel von "Freiraum" sei aber, alle Eberswalder einzubinden.

"Wir stoßen mit dieser Initiative überall auf offene Ohren und Arme", sagt Anton Stengler, der sich als Dowan vorstellt. Initiativen gibt es in der Stadt genug, wissen die Freiraum-Leute. Namen wie Urban Gardening, Transitionstowns oder Comunity Supported Agricuture fallen - allesamt Gruppen, die die Stadt zu einem besseren Ort machen wollen, heißt es. Viele haben sich im Umfeld der Hochschule gefunden, ganz ähnlich der Freiraum-Initiative. "Das ist ein wichtiger Punkt", bekräftigt Dowan: "Das sind alles Sachen, die Leute schon machen." Nur seien die Akteure bisher darauf angewiesen, sich in Cafés, Kneipen, Privaträumen zu treffen. "Der Grundgedanke ist, dass wir vernetzen wollen."

Den gab es schon länger. Seit Juni hat sich eine feste Gruppe von derzeit sechs Eberswaldern gefunden. War ursprünglich die Idee vor allem, eine gemeinsame Infrastruktur für die verschiedenen Gruppen zu schaffen, kam in der Runde schnell auch der Gedanke an das kulturelle Potenzial auf. Schenkladen, Theater, Ausstellungen, Lesungen, Workshops, kleinere Konzerte und Filmabende stellt sich die Freiraum-Initiative für das selbstverwaltete Kulturzentrum als langfristiges Ziel vor.

Während die Ideen für einen langen Atem reichen könnten, fehlt der eigentliche Freiraum aber noch. Nach Kooperationspartnern halten die sechs jedoch Ausschau. Vorgesprochen haben sie etwa im gerade erst eröffneten Kontaktbüro in der Eisenbahnstraße. Wie vier weitere Kommunen in Deutschland nimmt Eberswalde am Forschungsprogramm "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" teil. Mit 200 000 Euro vom Bund als Anschubfinanzierung geht es um eine Neubelebung des Straßenzuges. Rainer Kattanek vom Wirtschafts-Interessen-Ring, der das Vorhaben koordiniert, kann sich vorstellen, dass der Ring auch die Freiraum-Initiative unterstützt. "Ich finde es hochinteressant, was sie da vorhaben", sagt er.

Kattanek sieht die Offensive aber auch im Gesamtgefüge. "Es ist erfreulich und erstaunlich, wie viele Initiativen wir überhaupt in der Stadt haben", sagt er. Sie zusammenbringen zu wollen, sei durchaus berechtigt. Denkbar sei die Möglichkeit der Zwischennutzung leerstehender Räume.

Konkreter wird es für die Freiraum-Leute frühestens im April. In den Semesterferien ruht die Initiative. Danach geht es weiter - mit einem Briefkasten für weitere Freiraum-Ideen.

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