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Diebe der Bronzeplastiken „Schimpansenkinder“ und „Wildschwein“ verurteilt / Geld- statt Freiheitsstrafen

"Wir hatten alle die Hosen voll"

Wieder aufgestellt: Das "Wildschwein" ist jetzt in der Lindenallee zu finden.
Wieder aufgestellt: Das "Wildschwein" ist jetzt in der Lindenallee zu finden. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Janet Neiser / 07.02.2012, 21:05 Uhr - Aktualisiert 07.02.2012, 21:07
Eisenhüttenstadt (MOZ) Schwein gehabt. Das kann nicht nur die Stadt sagen, weil die gestohlenen Plastiken „Wildschwein“ und „Schimpansenkinder“ wieder aufgetaucht sind. Auch die fünf Diebe, die gestern im Amtsgericht Eisenhüttenstadt verurteilt wurden, kommen wegen besonderer Umstände ohne Freiheitsstrafe davon.

„Es tut mir leid. Ich schäme mich wie verrückt“, beteuert Gerd S.*Auch Sven S. erklärt: „Ich bereue es zutiefst.“ Wenige Minuten vorher ist er der Erste der fünf Angeklagten, der die Straftat,wegen der sie am Dienstag im Amtsgericht sitzen, als „dumme Sache“ und „total sinnlosen Akt“ bezeichnet.

Dieser sinnlose Akt erschüttert Anfang 2011 Tausende Eisenhüttenstädter. Sie können nicht verstehen, dass Diebe die beliebten Bronzefiguren „Schimpansenkinder“ und „Wildschwein“ vom Rosenhügel und von der Insel gestohlen haben. Einen guten Monat später werden diese in einer Garage an der Beeskower Straße wiedergefunden - mit einigen Blessuren. Auch die heute 24- bis 27-jährigen Täter aus Eisenhüttenstadt können kurz darauf geschnappt werden und sind schnell geständig. Nun also sitzen sie vor Gericht und warten nervös auf ihre Strafe.

Richter Peter Wolff möchte noch einmal wissen, was sich am 10. Februar 2011 abgespielt hat. „Wie es an dem Abend genau war, weiß ich nicht mehr“, sagt Steffen K. Auf jeden Fall haben er und die anderen sich im „Schluckspecht“ an der Holzwolle getroffen, auf ein „Feierabendbier“. Wer auf die Idee gekommen ist, zunächst die „Schimpansenkinder“ zu stehlen, das weiß nun keiner der Angeklagten mehr. Laut Staatsanwältin wollten die Männer mit den Metallarbeiten im Schrotthandel ein wenig Geld verdienen. Mit dem Mazda, den sich Sven S. von seinen Eltern geliehen hatte, geht es irgendwann nach 22 Uhr zum Rosenhügel - ohne jegliches Werkzeug. Deshalb rütteln die fünf jungen Männer an den Bronzeaffen, die sie selbst noch aus der Kindheit kennen. „Als Erstes ist ein Arm abgebrochen“, erzählt Gerd S. Doch sie rütteln weiter. Irgendwann gibt auch die Verankerung nach, die laut Richter Peter Wolff bereits etwas angerostet war. „Das ging ziemlich schnell, zwei Minuten vielleicht“, schätzt einer der Angeklagten. Mit vereinten Kräften schleppen sie ihr Diebesgut zum Auto und bringen es in eine Garage. Die gehört zwar einem Außenstehenden, aber die fünf besitzen einen Schlüssel, weil sie dort immer ihr Angelzeug abstellen.

Dann machen sie sich erneut auf den Weg - diesmal zur Insel, angeblich nur, um sich das „Wildschwein“ anzusehen, nicht um es zu stehlen. Doch als sich alle dagegen lehnen, um eine Zigarette zu rauchen, habe es einen Knacks gegeben und das Schwein stand schief. „Beim Versuch es gerade zu rücken, ist es umgefallen“, sagt Gerd S. Um keine Spuren zu hinterlassen, nehmen sie auch diese etwa 100 Kilogramm schwere Plastik mit und bringen sie in die Garage.

„Es war noch nicht mal ein Tag vergangen, da haben wir es zutiefst bereut“, sagt Sven S. und Gerd S. beteuert: „Wir hatten alle die Hosen voll.“ An einen Verkauf denkt zu diesem Zeitpunkt niemand mehr - auch wegen der Berichterstattung in den Medien über die Diebstähle. All das setzt die Männer zusätzlich unter Druck, vereitelt nach eigenen Angaben auch einen in der Angst gefassten Notplan. Denn auf einmal wollten sie die Plastiken nur noch loswerden und beispielsweise an den Kiesgruben abladen - an einer möglichst „öffentlichen Stelle“.

Letztlich beendet ein anonymer Anruf bei der Polizei das Versteckspiel. Nach ihrem Geständnis suchen die Täter auch den Kontakt zur Stadt. Nicht nur, um sich zu entschuldigen, sondern auch um Schadenswiedergutmachung zu betreiben. Denn die Reparatur der mittlerweile in der Lindenallee aufgestellten Plastiken hat etwa 5000 Euro gekostet. Die stottern die fünf Täter - die teilweise noch in der Ausbildung stecken, einer ist arbeitslos - nun in Raten ab. Die ersten 1250 Euro sind überwiesen.

Dies und die gezeigte Reue rechnen sowohl die Staatsanwältin als auch der Richter beim Urteil allen hoch an. Denn normalerweise sieht der Gesetzgeber für Diebstahl in besonders schwerem Fall eine Mindestfreiheitsstrafe von drei Monaten vor, betont Peter Wolff. Nur in besonderen Fällen lässt sich das Gericht stattdessen ausschließlich auf Geldstrafen ein. 90 Tagessätze sind hierbei ein Muss. Drei der Angeklagten müssen 90 Mal 15 bis 30 Euro zahlen - je nach Verdienst. Zwei bereits mehrfach vorbestrafte Täter werden zu 110 bzw. 150 Tagessätzen à 50 bzw. 15 Euro verurteilt.

* Die Namen aller Täter wurden verändert.

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