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Janet Neiser 16.02.2012 07:55 Uhr
Red. Eisenhüttenstadt, eisenhuettenstadt-red@moz.de

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Sparplan gefährdet DOK-Zentrum

Eisenhüttenstadt (MOZ) Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR ist weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt. Doch die geplante Streichung des jährlichen städtischen Zuschusses von 76 700 Euro könnte das Aus für das Haus bedeuten. Mitte des Jahres werden die ersten Kündigungen geschrieben.

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Unsichere Zukunft: Im DOK-Zentrum wird eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die Stadt streicht Gelder.

© MOZ/Gerrit Freitag

„Das ist für unser Haus nach 19 Jahren ein herber Schlag“, sagt Andreas Ludwig, Leiter des DOK-Zentrums, im Fachausschuss für Kultur. Die Lage sei dramatisch, wenn die Zuwendungsgeber nicht zueinanderfinden würden. Sogar das Wort „Schließung“ nimmt er in den Mund. Denn das Dokumentationszentrum wird per Vertrag finanziell vom Land, dem Kreis Oder-Spree und der Stadt unterstützt. Bislang ist die Bereitschaft zur Förderung jedes Jahr erneuert worden. Nun schert die Stadt aus, will ihren kompletten Zuschuss von 76 700 Euro - das sind etwa 28 Prozent der Gesamtsumme - streichen und versetzt damit dem Vertrag und der Finanzierungsgrundlage einen K.-o.-Schlag. Das Land, was den größten Zuschuss gewährt, stehe der Einrichtung unverändert positiv gegenüber, aber es werde den wegfallenden Anteil nicht kompensieren, erklärt Ludwig.

Was den Landkreis angeht, der jährlich 55000 Euro gibt, da sagt Ilona Weser, Dezernentin für Bildung, Gesundheit und Soziales: „Wenn die Stadt nicht mehr zahlt, dann gibt es die dreiseitige Vereinbarung nicht mehr.“ Somit würde auch der Kreis die bisherigen Zahlungen einstellen. Dann müsse es Gespräche geben, so die Dezernentin, die sich Zuschüsse über die Kulturförderung des Kreises vorstellen könnte. Eine Runde mit allen drei Zuschussgebern soll es laut Ludwig auf Einladung der Stadt im März geben.

Für ihn ist klar: Die bislang geplante Streichung ab 2013 reißt eine Lücke. Die ersten Kündigungen werden wahrscheinlich zum 30. Juni erfolgen. Derzeit arbeiten in dem Haus vier Festangestellte. Und all das, obwohl am 25. Februar die neue Dauerausstellung „Alltag: DDR“ eröffnet wird. Land und Bund haben einen hohen sechsstelligen Betrag investiert - in ein völlig neues, modernes Konzept, das vor allem auch junge Besucher ansprechen soll. Gestalterisch und technisch hat das DOK-Zentrum hiermit eine neue Ebene erreicht. Als der Zuwendungsbescheid 2009 kam, ahnte niemand, dass das Haus in eine „finanzielle Schieflage“ - wie Jürgen Peschel vom Vorstand des Förder- und Trägervereins des Dokumentationszentrums die aktuelle Situation bezeichnet - geraten würde. „Es war nicht absehbar, dass uns ein Partner abspringt“, sagt Ludwig, der die Bewilligung der Ausstellung durch Bund und Land auch als „Auszeichnung“ sieht. Er spricht von einer „positiven Außenwirkung“ des DOK-Zentrums, die man aufrechterhalten sollte. Was ihm an den Sparplänen vor allem bitter aufstößt: „In keiner anderen Einrichtung wird der komplette Barzuschuss gestrichen. Da fühlen wir uns ungerecht behandelt.“ Hinzu kommt: Die Kommunalaufsicht machte der Stadt die Auflage: Den Zuschussbedarf der Ausgaben für freiwillige Aufgaben auf das Niveau von 2006 zu senken. „Bei uns ist der Zuschuss aber seit 1998 gleich“, so Ludwig. Hier werde zu Lasten einer Einrichtung gespart. „Ich würde mich freuen, wenn von Stadtverordneten die Initiative käme, darüber neu zu diskutieren.“

Marina Marquardt (CDU) äußert sich bereits im Ausschuss: Ihrer Meinung nach sei man angesichts der miesen Haushaltslage in der Pflicht, zu sparen. „Das wird alle treffen.“ Zudem habe das DOK-Zentrum eine „verflucht schlechte Ausgangslage“, um Tagestouristen von weither anzulocken. „Wir müssen darüber diskutieren, wo die Prioritäten liegen“, sagt Holger Wachsmann (SPD). Man sollte sich in Sachen Sparen alles angucken, nicht nur die freiwilligen Aufgaben. Wachsmann zeigt sich beeindruckt davon, dass das DOK-Zentrum laut Ludwig zehn Prozent des Jahresetats aus Eigeneinnahmen bestreitet. Das könne man von anderen Einrichtungen nicht sagen, so der SPD-Stadtverordnete. Auch Friedrich Schmidt (Linke) kommt in dem Ausschuss zu dem Schluss: „Man müsste sich da noch mal Gedanken machen, denn die politische Entscheidung liegt bei uns.“ Eine 100-prozentige Streichung habe er jedenfalls noch nicht erlebt.

Die Einsparung des Zuschusses für das DOK-Zentrum wurde im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK) von den Stadtverordneten im September 2011 bereits mehrheitlich beschlossen - mit den Stimmen der Linken und einem Ja aus der Bürgervereinigung. Der Landkreis hat das HSK danach abgelehnt.

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