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Klaus-Peter Rudolph 19.02.2012 18:08 Uhr - Aktualisiert 19.02.12 21:45 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Völlig losgelöst und mit Ehen auf Probe

Melchow/Werneuchen (MOZ) Der Karneval zieht auch im Niederbarnim immer größere Kreise. Neben der Hochburg Werneuchen hat sich seit 2008 nun auch Melchow fest bei den Jecken etabliert. Am Wochenende gab es beiderorts viel zu erleben.

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Alles ist möglich: Werneuchener Narren weckten die Sehnsucht nach Sommer, Sonnenschein und Badesaison.

© Klaus-Peter Rudolph

Wenn ein knapp 900-Seelen-Dorf ein zweistündiges Programm mit fast 50 Mitwirkenden auf die Bühne bringt, dann ist das schon bemerkenswert. Wenn dieses Programm dazu noch durch ausgefeilte Technik, fantastische Requisiten und Kostüme, Brillanz aller Darsteller und vor allem durch Originalität besticht, dann steht eigentlich fest, dass diese ganz besondere Veranstaltung nur in Melchow stattfinden kann.

Dabei gibt es den verantwortlichen Melchower Carnevalsverein unter Leitung von Marko Schmidt erst seit November 2008. "Damals war unser Bürgerheim fertiggestellt worden", erinnert sich der heute 31-Jährige. "Und da wollten wir natürlich auch etwas beitragen, um hier Leben hinein zu bringen."

Schnell hatten die Melchower Jecken erkannt, dass Brandenburger anders ticken als Rheinländer. Und so haben sie sich Jahr für Jahr Themen ausgedacht, die die Bürger wirklich interessieren, um diese dann in karnevalistisch überspitzter Form darzustellen. Kein unendlich dreifaches "Melchow Hellau" mit Elferrat - dafür anspruchsvolle Darbietungen mit immer neuen Überraschungen.

In diesem Jahr stand die Karnevalsveranstaltung vor ausverkauftem Saal unter dem Motto: "Völlig losgelöst". Dahinter verbarg sich eine Geschichte, die mit Hilfe einer Zeitmaschine erzählt wurde. Angefangen in der Urzeit, als das "Rad der Gemeinde" (ein großes Steinrad) die Sitzung rund ums Lagerfeuer illustrierte. Überzeugungsarbeit wurde da mit Hilfe von Keulen und Schlägen geleistet. Die Themen allerdings waren schon sehr neuzeitlich, denn die lange Geschichte um den Wiederaufbau des Melchower Kirchturms wurde bereits im Felldress diskutiert.

Die Zeitmaschine reiste dann auch in die Zukunft, wo im Jahr 2074 noch immer kein Abschluss der Kirchturm-Bauarbeiten in Sicht war. Dafür gibt es dann aber Homeshopping in der Hologramm-Version. Der Berater für günstige Immobilienkredite oder Ferienreisen heißt Christian Wulff. "Den Text dafür mussten wir noch kurzfristig umschreiben", erzählt Carnevals-Vereinschef Schmidt. "Die aktuellen Ereignisse hatten uns überholt."

Ballett im Schwarzlicht und Schattenspiele ergänzten das originelle Programm um optisch und technisch anspruchsvolle Ideen, die bei den Zuschauern voll ins Schwarze trafen. Der Karnevalsverein zog alle Register und erntete den verdienten Applaus.

Die Vorbereitungen zu dem Programm am Sonnabend hatten schon im Sommer begonnen, wie Schmidt erzählt. Dabei wurde wieder einmal der Beweis angetreten, dass die Gemeinde fest zusammenhält und dass hier wirklich die Potenziale eines ganzen Dorfes ausgeschöpft werden. Eine solche Gemeinschaft verdient Unterstützung. Das sollten auch die Verantwortlichen bedenken, die über die Verteilung von Fördermitteln im ländlichen Raum befinden.

Zur gleichen Zeit traten am Sonnabendabend die Narren in Werneuchen an. Die jetzt 17-jährige Geschichte des 1. Karnevalsclubs Werneuchen ist eine sehr erfolgreiche. Wahrscheinlich habe die hiesigen Jecken es geschafft, ihre Stadt in der Feldmark zur Karnevalshochburg im Niederbarnim zu machen. Jedenfalls reichte in diesem Jahr eine Elferratssitzung nicht mehr aus. Und so wurde sie kurzerhand zweimal durchgeführt. "Wir hatten einfach zu viele Kartenbestellungen", sagt Präsidentin Nadine Gebauer.

Die "17" war in diesem Jahr die alles dominierende Zahl. Die erste 17. Prunksitzung fand am 17. Februar in der "Bühne 17" statt. Die Wiederholung folgte tags darauf.

Ein Jahr lang dauert inzwischen die Vorbereitung für das Hauptereignis der Werneuchener Narren. Beteiligt sind rund 25 Erwachsene und zehn junge Leute, die als "Große Funken" und "Kleine Fünckchen" mit karnevalstypischem Gardetanz begeisterten. Trainiert werden sie von der Präsidentin und Finanzministerin Claudia Dietrich, die auch als Moderatorin durch das Programm führte. Die Prunksitzung wurde ein buntes zweistündiges Medley aus Musik, Tanz, Slapstick und Kabarettistischem, bei dem alle Gäste voll auf ihre Kosten kamen.

Zum Schluss eröffnete das Prinzenpaar, ihre Hoheiten Monika II. und Thomas II., den Tanzabend für die Gäste und Liebesministerin Karin Sowada rief die Kussfreiheit aus. Doch Feierabend war für den Karnevalsclub noch lange nicht. Zwei Häscher fingen Jecken, die sich karnevalistisch unkorrekt verhalten hatten und sperrten diese ins eigens eingerichtete Gefängnis. Mit 50 Cent und einem Kuss mussten sich die Sünder freikaufen. In einem Karnevals-Standesamt konnten außerdem Verliebte eine Probeehe schließen, die bis zum Aschermittwoch gültig ist.

Unter den Gästen wurde auch Werneuchens Bürgermeister Burkhard Horn erkannt. Er hatte sich als Ölscheich verkleidet. Ob er eine geldsprudelnde Quelle für seine finanziell klamme Stadt entdeckt hat, war aber während der Prunksitzung nicht zu erfahren.

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