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Janet Neiser 23.02.2012 21:45 Uhr
Red. Eisenhüttenstadt, eisenhuettenstadt-red@moz.de

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Zeitreise durch die DDR-Geschichte

Eisenhüttenstadt (MOZ) "Alltag: DDR" heißt die neue Dauerausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, die morgen eröffnet wird. Gestern fand unter dem großem Interesse von regionalen und überregionalen Medienvertretern ein erster Rundgang durch das Haus statt.

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Das war einmal: Henrik Hanuscheck schaut sich in der neuen Dauerausstellung des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR eine alte Telefonzelle an. Wer in der Zelle steht, hört sogar einen alten Trabi vorbeiknattern.

© MOZ/Gerrit Freitag

"Sehr interessant - ich werde das Haus in Dänemark empfehlen", hat eine Besucherin aus Kopenhagen ins Gästebuch des DOK-Zentrums geschrieben - allerdings schon vor einigen Wochen. Wenn sie wüsste, wie die neue, völlig überarbeitete Dauerausstellung zum Alltag in der DDR jetzt aussieht, würde sie wahrscheinlich noch mehr lobende Worte finden. Denn das, was hier für eine Dreiviertelmillion Euro, die Land und Bund gegeben haben, gezeigt wird, dürfte vor allem auch viele junge Besucher überzeugen.

Da muss niemand mehr ermüdend lange Erklärungen in Vitrinen und an Ausstellungsgegenständen lesen. Da wirkt nichts mehr verstaubt, auch wenn es sich um 50 Jahre alte Dokumente oder Spiele handelt. Zudem gibt es Computerbildschirme, die auf einen Fingerdruck reagieren. Da wird ein halbes Jahrhundert Geschichte in vielen Facetten kurz und bündig erklärt und irgendwie greifbar - individueller, leichter erfahrbar. In zehn Ausstellungsräumen, die sich unter anderem mit Eisenhüttenstadt, Familie, Arbeit, Konsum, Bildung und Kommunikation beschäftigen, ist so viel zu entdecken, das man wahrscheinlich Wochen braucht, um alles zu verinnerlichen: Das geht von einer Toilettenpapierrolle für 50 Pfennig über "Action"-Haarspray und einen Mietvertrag aus Frankfurt (Oder) bis hin zur Telefonzelle, zum Kofferradio und zu Überwachungsfotos der Staatssicherheit. Alles, was man sieht, gehörte zum Alltag. Denn "Alltag ist ohne Politik nicht vorstellbar", sagt Andreas Ludwig, Leiter des Dokumentationszentrums. "Und Politik muss sich dem Alltag stellen."

Aber nicht nur die Augen tauchen in den DDR-Alltag ein, sondern auch die Ohren. Mal scheint ein Trabi durchs Haus zu knattern, mal wird man zum Demonstrationsteilnehmer. Der Besucher ist mittendrin und wenn er will, kann er sich zu 33 der insgesamt 650 ausgestellten Objekte sogar jeweils eine längere Geschichte anhören. Erstmals setzt das DOK-Zentrum nämlich sogenannte Audioguides ein.

Vor allem auch auf die jüngeren Besucher zielt Andreas Ludwig verstärkt ab. Die alte Ausstellung "Leben in der DDR" habe vor allem die "Generation der Miterlebenden" angesprochen, erklärt er. Da seien die eigenen Erfahrungen der Besucher die Kommunikationsbasis gewesen. Doch mittlerweile habe ein Besucherwandel stattgefunden. Nun müssen auch Menschen angesprochen werden, die die DDR gar nicht mehr selbst erlebt haben. "Da fehlen die Erfahrungen als Kommunikations-grundlage", sagt Ludwig. Und genau das wurde bei der neuen Ausstellung bedacht.

Zur morgigen Eröffnung der Schau um 14 Uhr wird unter anderem Sabine Kunst, Landes-Kulturministerin, im DOK-Zentrum erwartet. Nachdem sie und der Museumsleiter ein Grußwort gesprochen haben, können die Besucher die zehn Räume in Besitz nehmen. "Gegen 16 Uhr gibt es dann noch eine Lesung mit Katja Lange-Müller", verrät Andreas Ludwig. "Sie kommt extra für uns aus Rom." Die Schriftstellerin ist die Tochter von DDR-Politikerin und Politbüro-Kandidatin Inge Lange, hatte aber laut Ulrike Poppe, der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in Brandenburg, auch gute Kontakte zur Opposition. Es sei eine gute Wahl, dass Katja Lange-Müller zur Eröffnung kommt, findet Ulrike Poppe. Sie könne in ihrer ironischen Art gut beschreiben, was die DDR war.

Eröffnung "Alltag: DDR", Sa, 14 Uhr, Erich-Weinert-Allee 3

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