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02.03.2012 19:23 Uhr

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Stiftung Warentest nimmt Medikamente unter die Lupe

Berlin (dapd) Jeder Deutsche schluckt jährlich 250 Tabletten - zumindest statistisch gesehen. Denn im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Stiftung Warentest in Deutschland 1,53 Milliarden Medikamentenpackungen verkauft. Das sind 20 Packungen pro Person.

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Jeder Deutsche schluckt jährlich 250 Tabletten - zumindest statistisch gesehen.

© dapd

"Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser Tabletten fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker oder noch besser die Stiftung Warentest", diesen Vorschlag unterbreitet Gutachter Gerd Glaeske am Freitag in Berlin schmunzelnd. Denn die Stiftung testet bereits seit 1985 nicht mehr nur Waschmaschinen und Kühlschränke, sondern auch Medikamente.

Seither erscheinen regelmäßige Beiträge in der Zeitschrift "Test". Das "Handbuch der Medikamente" mit rund 7.000 Medikamenten ist im vergangenen Jahr in der achten Auflage erschienen. Damit verfolgt die Stiftung das Ziel, mehr Transparenz zu schaffen und den Einfluss der Pharmaindustrie ein wenig zu schwächen.

Das gelingt mal mehr, mal weniger. Und manchmal dauert es sehr lange, bis die Erfolge einsetzen. Ein Beispiel hierfür ist das Schmerzmittel Togal. Bereits beim ersten Medikamententest 1986 wurde das Medikament als "wenig geeignet" beurteilt, da es eine Lithium- und eine Chininverbindung enthalte, die in einem Schmerzmittel nichts zu suchen hätten, so das Urteil der Experten.

Nach der Veröffentlichung verklagte das Unternehmen die Stiftung. Jedoch ohne Erfolg. Dennoch wurde das Mittel weiter angeboten. Erst Anfang 2011 wurde es vom Markt genommen, obwohl sich an seiner schlechten Bewertung bis zum Schluss nichts verändert hatte. "Das war ein langer Kampf", sagt Glaeske. Doch der Einfluss der Pharmaindustrie sei nicht zu unterschätzen. Der Verbraucher allein könne nichts bewirken. Aber Experten und Verbraucher zusammen schon.

Die Beurteilungen der Stiftung brächten "eine Marktbereinigung" mit sich, erklärt Lektorin Christiane Hefendehl. Das zeige sich an der steigenden Zahl der "geeignet"-Beurteilungen. In der neuesten Auflage aus dem Jahr 2010 haben 64 Prozent der Medikamente dieses Urteil bekommen. In der ersten Auflage waren es 45 Prozent. Dennoch gibt es immer noch acht Prozent, die mit dem schlechtesten Urteil "wenig geeignet" bewertet werden.

Doch was fängt der Verbraucher mit diesem Urteil an? "Das spiegelt unsere Einschätzung wider", sagt Johanna Lederer, eine andere Lektorin. Letztendlich sei es jedoch ein zugelassenes Medikament. Ein "wenig geeignet" könne auch dadurch zustande kommen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht stimme. Das heißt, das Medikament bringe zwar keinen Schaden, doch auch keinen oder kaum Nutzen. "Dafür muss man kein Geld ausgeben", sagt Bettina Sauer aus dem Team Gesundheit.

Die Urteile der Stiftung brächten für den Verbraucher zudem den Vorteil, dass die Industrie schnell reagiert. "Sehr schnell", betont Hefendehl. Allerdings fallen die Reaktionen nicht immer so aus, wie sich das die Stiftung vorstellt. Beim Läusemittel "Goldgeist Forte" sei das Produkt nach einem schlechten Urteil einfach umbenannt worden. Durch einen weiteren Trick sei der schädliche Stoff nicht mehr unter den Wirkstoffen aufgetaucht und die Stiftung habe ein neues Urteil fällen müssen.

Auch bei anderen Medikamenten zeigten die Urteile nur bedingt Wirkung. Das liegt an der enorm guten Werbung sowie an Mund-zu-Mund-Propaganda. Das gilt vor allem für sogenannte Kombipräparate wie zum Beispiel Grippostad C oder Wick Medinait. Diese Medikamente bringen schnell Linderung. Doch sie sind nicht unbedenklich und werden von der Stiftung schon lange als "wenig geeignet" eingestuft.

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