to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Donnerstag, 17. August 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Martin Stralau 13.03.2012 19:47 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

artikel-ansicht/dg/0/

Sportmuseum spart Doping aus

Frankfurt (MOZ) Wer die Erfolgsgeschichte des Frankfurter Sports erfahren möchte, ist im Sportmuseum in der Slubicer Straße gut aufgehoben. Allerdings wird dort nur ein Teil der Geschichte erzählt. Über Doping - wesentlicher Bestandteil des DDR-Sportsystems - werden die Besucher nicht aufgeklärt.

artikel-ansicht/dg/0/1/1013167/
 

Blick ins Museums-Schaufenster: Wer hineingeht, kann seinen Blick erweitern, über Doping erfährt er aber nichts.

© FOTO Michael Benk

Von der Glorifizierung eines "fragwürdigen Sportsystems" ist ebenso die Rede wie von einer "Rechtfertigungsorgie des DDR-Spitzensport-Systems". In den vergangenen Wochen erreichten die MOZ Zuschriften sowie Kommentare aus dem Internet, in denen die fehlende Aufarbeitung des Themas Doping im Sportmuseum bemängelt wird. Ein Leser spricht in diesem Zusammenhang davon, dass das Museum eine Schande für die Stadt sei und fordert Frankfurter Politiker auf, sich gegen die dort präsentierte, einseitige Geschichtsdarstellung zu verwahren.

Tatsächlich findet sich unter all den Exponaten kein Hinweis auf die Problematik. Michael Olias, 1. Vorsitzender des Trägervereins des Museums, sieht darin aber kein Problem. "Das Museum ist Teil des Sports dieser Stadt. Eine Aufarbeitung des Themas, das eine gesamtgesellschaftliche Tragweite hat, kann nur extern erfolgen. Beispielsweise durch eine Kommission, die das objektiv bewertet. Das ist nicht unsere Aufgabe." Bisher habe man auf Museumsseite "keinen äußeren und inneren Druck gehabt, Doping zu thematisieren". Olias ist aber gesprächsbereit. "Wenn es viele Menschen gibt, für die diese Aufarbeitung wichtig ist, dann ist sie auch für uns relevant", betont er. Eine inhaltliche Aufarbeitung sei jedoch nur mit Hilfe von Sportlern, Trainern und Funktionären machbar. Olias: "Wir verschließen uns dem nicht."

Für Jens-Marcel Ullrich (SPD), Frankfurts Beigeordneter für Sport, wäre es "unverantwortlich, angesichts der räumlichen und personellen Ausstattung des Museums Geschichtsaufarbeitung zu betreiben. Das Haus ist dafür nicht geeignet." Zwar heiße es Sportmuseum, erhebe aber nicht den Anspruch, ein Museum zu sein. "Es ist eher eine Art Dokumentationsstätte, in der mit den Leihgaben vieler Menschen die Erfolge des Frankfurter Sports dargestellt werden. Für die Aufarbeitung des Themas Doping sind andere Stellen wie die Jahn-Behörde zuständig", sagt Ullrich.

Doch auch Sportmuseen können ihren Teil zur Aufklärung beitragen. "Doping gehört zu den Schattenseiten des Sports und genauso dazu wie Rekorde", betont Iris Gehrke vom Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln. Deswegen gebe es dazu einige Vitrinen in der Dauerausstellung des Hauses, auch eine Themenwand mit den Bestimmungen der Nationalen Anti-Doping-Agentur, mit denen sich Spitzensportler befassen müssen. "Wir zeigen Medikamente, die auf der Dopingliste stehen und würden auch einen Original-Blutbeutel von Fuentes präsentieren, wenn wir ihn bekämen", sagt Gehrke. Eufemiano Fuentes ist der mutmaßliche spanische Dopingarzt, der einige Profi-Radsportler betreut und zu dem auch Jan Ullrich Kontakt gehabt haben soll.

Auch das Leipziger Sportmuseum erachtet das Thema als wichtig. "Man kann Doping nicht totschweigen, weil es existiert. Daher muss man die Leute informieren. Für uns ist es ein Anlass, mit den Besuchern in Diskussion zu kommen", sagt Sprecherin Christine Becker. Bis Juni wollen die Leipziger das Thema in ihre Ausstellung integriert haben. So soll es eine Medienstation geben, an der sich die Besucher interaktiv über Doping informieren können.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion