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Ina Matthes 11.04.2012 19:17 Uhr - Aktualisiert 11.04.2012 19:52 Uhr

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Üben mit dem Tele-Trainer

Frankfurt (Oder) (MOZ) Heimtraining mit dem Rechner - darum ging es am Mittwoch auf einem Kongress am Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik IHP. Das Internet soll künftig Therapeuten auch zu Patienten auf dem Land bringen.

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Demonstration: Jan Schäffner vom IHP führt vor, wie sich die Bewegungen eines Patienten auf dem Laptop-Bildschirm darstellen lassen.

© MOZ

Ein Knopfdruck und der Physiotherapeut erscheint im Wohnzimmer - auf dem Fernsehbildschirm. Michael Schauer von der Meytec GmbH aus Werneuchen zeigt, wie die Tele-Rehabilitation der Zukunft funktionieren könnte. Ein Schlaganfallpatient übt das Greifen kleiner Holzstäbchen. Der Therapeut schaut im Hintergrund zu - wie bei einer Videokonferenz. Vier Patienten kann ein Physiotherapeut seinerseits auf dem Bildschirm zur gleichen Zeit im Blick haben, kontrollieren und korrigieren.

Wie Heimtraining für Patienten aussehen könnte, unter welchen Bedingungen es sinnvoll ist und wer den Tele-Therapeuten bezahlt, darüber diskutierten Ärzte, Wissenschaftler, Ingenieure und Gesundheitsmanager auf dem Symposium Tele-Rehabilitation, zu dem der Berlin-Brandenburger Landesverband der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin DGTelemed eingeladen hatte. "Wenn ein Schlaganfallpatient verordnete Übungen zu Hause machen und einen Therapeuten zuschalten kann, spart das Zeit, Kosten und bringt für den Patienten einen Gewinn an Lebensqualität", sagt Wolfgang Loos von der DGTelemed.

Loos will den elektronischen Heimtrainer als Ergänzung verstanden wissen. "Er ersetzt nicht den Besuch eines Therapeuten beim Patienten." Wogegen Johannes Schenkel von der Bundesärztekammer schon die generelle Gefahr sieht, das Telemedizin als Mittel zum Personalabbau benutzt werden könnte.

Telemedizin auch in der Rehabilitation neurologischer Erkrankungen einzusetzen, ist etwas Neues. Nützen könnte sie vor allem Schlaganfallpatienten, die oft Bewegungen völlig neu lernen müssen. Gezielte Übungen, weiß Thomas Winter, Chefarzt am Rehazentrum in Potsdam, können selbst Jahre nach einem Schlaganfall noch Verbesserungen bringen. Wichtig sei, dass sie in hoher Zahl wiederholt werden. Eine Tele-Reha hält Winter für sinnvoll "wenn die Leute zu Hause kontrolliert trainieren." Und wenn sie darüber hinaus regelmäßig einen "echten" Physiotherapeuten konsultieren.

Die elektronischen Heimtrainer gibt es auch noch nicht zu kaufen. Die Tele-Reha steckt im Forschungsstadium. Meytec hat seine Entwicklung als einen Vorschlag in ein internationales Forschungsprojekt "StrokeBack" eingebracht, an dem unter anderem das Frankfurter IHP und die Brandenburg Klinik Bernau mitarbeiten. Jan Schäffner vom IHP demonstrierte beim Kongress Funktionen eines solchen Reha-Trainers. Eine Konsole, wie sie für Videospiele benutzt wird, zeichnet Bewegungen des Patienten auf. Mit StrokeBack sollen künftig selbst kleine Bewegungen von Schlaganfallpatienten im Bild festgehalten werden. Die Daten wiederum nutzen Therapeuten, um die Wirksamkeit und Alltagstauglichkeit ihrer Übungen zu bewerten. Außerdem soll der elektronische Trainer so arbeiten, dass das Üben Spaß macht.

Wann die ersten dieser Systeme in Wohnzimmern stehen ist noch eine offene Frage, ebenso wie die Finanzierung der Tele-Reha. Um ihren Nutzen nachzuweisen - Voraussetzung für eine Akzeptanz durch die Kassen - sind teure Studien nötig. Wolfgang Loos von der Gesellschaft für Telemedizin ist optimistisch: Im Gegensatz zu früher seien Politiker heute viel aufgeschlossener dafür, Telemedizin in ländlichen Regionen zu fördern.

Betroffene wie Renate Meyer aus Müllrose hoffen auf solche Angebote. Renate Meyer ist mit ihrem behinderten Sohn Veit zum Kongress gekommen. Regelmäßig fährt sie mit ihm zu einem Spezialisten nach Cottbus. "Wir könnten zusätzlich zur Therapie zu Hause üben und hätten eine Sicherheit, dass sich dabei nicht so viele Fehler einschleichen."

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