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Kandidaten im Kreuzverhör der Bürger

Auf dem Podium von links: Oliver Scholz (CDU - unterstützt vom Bürgerbündnis), Heinrich Jüttner (parteilos), Thomas Fischer (Grüne), MOZ-Redaktionsleiter Uwe Stemmler, Karin Müller (parteilos - für SPD) und Erich Lorenzen (Linke).
Auf dem Podium von links: Oliver Scholz (CDU - unterstützt vom Bürgerbündnis), Heinrich Jüttner (parteilos), Thomas Fischer (Grüne), MOZ-Redaktionsleiter Uwe Stemmler, Karin Müller (parteilos - für SPD) und Erich Lorenzen (Linke). © Foto: moz
Joachim Eggers / 17.04.2012, 20:21 Uhr
Schöneiche (MOZ) Wer ist demnächst in Schöneiche Bürgermeister? Beim Kandidaten-Forum der MOZ am Montagabend in der Kulturgießerei stellten sich fünf Bewerber den Bürgern. In vielen Fragen, das zeigte sich, unterscheiden sich die Positionen eher in Nuancen - aber immer wieder scherte doch jemand aus.

Beispiel weiterführende Schule: Erich Lorenzen, der Kandidat der Schöneicher Linken, bekannte offen: "Ich bin gegen Privatschulen." Nach Lage der Dinge besteht eine Chance auf eine weiterführende Schule aber nur mit einem privaten Träger oder auf Kosten der Gemeinde. Ein privater Träger, die Evangelische Schulstiftung, hat voriges Jahr ihre Bemühungen eingestellt. Oliver Scholz, der vom Bürgerbündnis unterstützte Kandidat aus Rahnsdorf mit CDU-Parteibuch, sagte, es werde seine erste Amtshandlung sein, genau zu prüfen, ob das Projekt mit der Evangelischen Schulstiftung nicht doch möglich sei. Der dürfe man nicht den Schwarzen Peter zuschieben - was niemand getan hatte. Thomas Fischer von den Grünen, Karin Müller, die für die SPD antritt, und Amtsinhaber Heinrich Jüttner (parteilos)hatten, jeder ein Stückchen, das komplexe Geflecht der Schwierigkeiten dargestellt, an der das Projekt gescheitert ist. Jüttner sagte, die Beschlüsse seien alle da und könnten jederzeit aus der Schublade geholt werden. Lorenzen bekannte sich dazu, im Fall seiner Wahl auch die Beschlüsse umzusetzen, die er selbst nicht gutheißt.

Weitgehende Einigkeit herrschte unter den fünf Bewerbern in Sachen Rathaus-Neubau, nach dem der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Werner Lisowski, gefragt hatte: Der Neubau sei einfach fällig, meinten vier Kandidaten. Nur Scholz setzte einen anderen Akzent: "Wer kann sagen, was das Rathaus kosten soll? Wenn die Frage beantwortet ist, kann man auch sagen, was reinkommen soll." Die Finanzierung sei gesichert, erwiderte Jüttner. "Ein modernes Rathaus ist jetzt einfach dran", sagte Karin Müller.

Lisowski wollte von jedem Bewerber auch wissen, warum die Senioren genau ihn oder sie wählen sollten. "Weil ich der beste Kandidat bin", sagte Lorenzen und hatte die Lacher auf seiner Seite. Karin Müller sagte, sie könne "Sorgen erfühlen und erfragen", Jüttner brüstete sich damit, dass er die Schöneicher ab dem 90. jedes Jahr zum Geburtstag besuche. Es sei "faszinierend, mit denen zu sprechen, die nicht laut und organisiert sind". Scholz sagte, es gebe kaum klassische Seniorenpolitik, letztere könne auch in einem Radweg bestehen. Er träume allerdings von einer Senioren-Residenz auf dem Areal des ehemaligen Schlosses.

Einzelfragen gingen vor allem an Fischer und Scholz. Von dem Grünen Kandidaten wollte Peter Kath wissen, wie er seine Vorstellung von einer Gemeinde, die keine Energiezufuhr von außen braucht, finanzieren wolle. Fischer sprach von langsamen Schritten zum Ziel, von Erdwärme und Energiestammtischen, von Verträgen über Energieeinsparungen. Von Scholz wollte Kath wissen, was er beruflich tue. Scholz ist im Herbst aus dem Berliner Abgeordnetenhaus ausgeschieden. Er habe jetzt ein Immobilien-Unternehmen, mit dem er aber nur in Rahnsdorf tätig sei, sagte er. Alt-Pfarrer Helmut Grätz fragte den Christdemokraten nach seiner Unabhängigkeit und der Finanzierung seines Wahlkampfs - der CDU-Mann hat die meisten großen Plakate gehängt. Scholz sagte, er werde keine Order aus dem Konrad-Adenauer-Haus annehmen. Er bekomme finanzielle Unterstützung einzelner aus dem Bürgerbündnis; den Löwenanteil der Kosten trage er selbst. "Meine Frau und meine Tochter haben das abgenickt."

Oliver Hilt fragte nach der persönlichen Kompetenz der Bewerber - es gelte ja auch ein großes Team, die Verwaltung, zu führen. Jüttner verwies auf seine 16 Jahre im Amt und seine vorherige Berufserfahrung in der Wohnungswirtschaft, Scholz auf seine Zeit als Baustadtrat in Köpenick, wo es ihm gelungen sei, vielen Mitarbeitern zu vermitteln, dass die Verwaltung für den Bürger da sei. Fischer berichtete von Erfahrungen in einem Taxi-Betrieb. Lorenzen sagte: "Ich war mal zuständig für mehr als 80 Leute." Karin Müller räumte ein, sie habe keine Erfahrung mit Personalführung in diesem Ausmaß. "Man sagt mir aber eine natürliche Autorität nach."

Hans-Joachim Bertram wollte wissen, was die Bewerber tun wollten, damit die Schöneicher nach der Eröffnung des Flughafens Schönefeld im Ort wohnen bleiben könnten. Scholz sagte, er wolle dafür eintreten, dass Lärmschutz vor Wirtschaftlichkeit stehe. Jüttner wiegelte ab: es gebe kein Horrorszenario, weil die Landeanflüge nach Tegel wegfallen. Fischer sagte, Schönefeld dürfte kein Drehkreuz werden. Karin Müller sprach sich dafür aus, gegebenenfalls auch rechtliche Schritte einzuleiten mit Geld der Gemeinde. Lorenzen sagte, dass er schon im Jahr 2000 auf Fehler des Planfeststellungsverfahrens hingewiesen habe.

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dagmar n. 19.04.2012 - 00:20:57

anfrage an herrn eggers

Warum soll sich der Herr Jüttner, damit brüsten, dass er als amtierender Bürgermeister, die über 90jg. zum Geburtstag besucht. Es sei faszinierend mit denen zu sprechen, die nicht laut und organisiert sind, so von Ihnen zitiert … und… warum soll er sich damit brüsten? Warum soll das unter prahlen, aufschneiden, Eindruck schinden, auf den Putz hauen, sich rühmen, darauf übermäßig stolz sein, bramarbasieren, maßlos übertreiben… fallen? Außerdem wertet es die Alten ab, Jüttner ist von denen fasziniert, wie uncool!

Karoline M. 18.04.2012 - 17:02:32

Danke für den Kommentar!

Bekanntlich ist es sehr schwer, "objektiv" zu berichten, trotzdem behaupte ich, der Kommentar gibt wesentlich deutlicher als der moz-Bericht wieder, was am Montag in der Kulturgiesserei zu erleben war. Vielen Dank dafür!

S. v. Rabenau 18.04.2012 - 13:16:14

Kommentarkorrektur

es sind natürlich 2 Frauen und 4 Männer, ich wollte sie wirklich nicht halbieren! (obwohl das die Wahl vereinfachen würde!)

S. v. Rabenau 18.04.2012 - 12:36:44

Glückliches Schöneiche!

Wie oft hat man es schon in Kommunen, dass jemand bereit ist, den Grüß-August und Prügelempfänger der Einwohner in Personalunion zu geben. In Schöneiche sind es sogar 6, zwei Männer und eine Frau. Eine Frau hat man nicht zur Vorstellungsgala eingeladen, was insofern schade ist, dass sie sich nicht selbst blamieren durfte und nun den Außenseiterbonus in Anspruch nehmen kann. Alle anderen waren da und unterschiedlich, was sich durch die Art der Fragen nicht allzusehr verdeutlichte. Gelernt habe ich, dass durch grüne Energiestammstische heiße Luft gemacht wird, die man dann zur Kraft-Wärme-Kopplung nutzt. Nun, solange man am Stammtisch bleibt. Der ganz Linke will keine konfessionelle Schule, wenn keine kommt, wird Schöneiche auch nicht untergehen, die weniger Linke will sie durchaus, es wurde leider nicht sehr deutlich gesagt, dass es ja schon eine weiterführende Schule gab, die lieben Eltern ihre Wunderkinder aber nach Westberlin in namhafte Gymnasien schickten, obwohl gerade die seinerzeit die lautesten waren im Schulverlangen! Und keiner sagt, welche der weiterführenden Schulen, die inzwischen in Rüdersdorf, Woltersdorf und Erkner entstanden, dafür geschlossen werden soll, wenn Schöneiche eine eigene haben will. Offensiv demonstrierte ein Mehrfach-Ex (Baustadtrat und Senatsabgeordneter, jeweils ex-), dass er trotzdem wieder eine führende Rolle haben möchte und schloß sich ständig der Meinung einiger Ex-Größen der Orts-CDU und eines Bürgerbündnisses an, dass ihm zuliebe unlängst eine Zeitung herausgab, die einem Ortsblatt äußerlich sehr ähnlich sieht, aber eben doch ein Plagiat ist und Beiträge enthält, deren Verfasser nicht alle glücklich sind, sie darin zu finden. Der Amtsinhaber - und gleichzeitig der einzige, der im Ort zur Zeit nicht an einer Laterne auf Halbmast hängt, ist zwar relativ empfindlich - aber stark in geltender Rechtsanwendung, man darf ihn wiederwählen, auch wenn der Moderator mit Mühe verhinderte, dass ein Häuptling Deutscher Grundstücksnutzer wie schon in besagter Plagiatszeitung deutlich machen wollte, wie sehr er in den letzten 16 Jahren unter der Herrschaft geltenden Rechts, des Amtsinhabers und der Demokratie gelitten hat, wer Lust auf demagogisches im Schnitzler-Stil mag, studiere den Artikel. Der Besuch war gut, der Stil der Veranstaltung und die Durchführung auch, von den Fragen konnte man das nicht immer behaupten, zumal einige Frager mehr Lust auf Selbstdarstellung statt Wissensdurst hatten. Damit konnte der Veranstalter aber gekonnt umgehen, was ich hiermit dankbar und lobend erwähne. Nun bleibt die Wahl abzuwarten, die hoffentlich gleich klar ausgeht.

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