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Mithilfe eines Rettungssimulators lernen Barnimer Schüler, wie sie sich aus überschlagenen Autos retten können

Proben für den Ernstfall

Polizeihauptmeister Alexander Jasiczek von der Polizeiinspektion Barnim erklärt den Mechatronik-Auszubildenden Tommy Ewald und Christoph Halm (v.l.) vom Oberstufenzentrum II, was zu tun ist, wenn der Wagen bei einem Unfall auf dem Dach landet.
Polizeihauptmeister Alexander Jasiczek von der Polizeiinspektion Barnim erklärt den Mechatronik-Auszubildenden Tommy Ewald und Christoph Halm (v.l.) vom Oberstufenzentrum II, was zu tun ist, wenn der Wagen bei einem Unfall auf dem Dach landet. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Inga Dreyer / 15.05.2012, 08:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Bei einem Autounfall mit Überschlag zählt jede Minute. Deswegen zeigen Polizisten Barnimer Schülern, wie sie sich in einem solchen Fall verhalten müssen. In einem Rettungssimulator erfahren sie am eigenen Leib, welche Kräfte bei einem Überschlag wirken.

Langsam dreht sich das große silberne Auto wie ein Brathähnchen an der Stange. Die Mädchen im Auto kreischen, als ob sie gegrillt würden. Ein bisschen wie auf dem Rummelplatz, nur mit ernstem Hintergrund. Die Polizisten Werner Kremer und Alexander Jasiczek, die den Rettungssimulator steuern, stoppen das Auto, das seitlich zum Liegen kommt. "Jetzt versucht mal, die oberen Türen zu öffnen", ruft Polizeioberkommissar Kremer, der im Präventionsbereich der Barnimer Polizeiinspektion arbeitet. Ein paar Zentimeter öffnen sich die Türen, dann geben die Schülerinnen des Oberstufenzentrums II in Eberswalde auf. "Zwischen 30 bis 40 Kilogramm wiegt so eine Tür", erklärt Kremer.

Ungefähr 800 Schülern zeigen Kremer und sein Kollege Jasiczek innerhalb einer Woche, wie sie sich aus überschlagenen Fahrzeugen retten können. "Mindestens 20 von ihnen haben so einen Unfall schon einmal erlebt. Die haben beim Training gesagt, das hätten sie vorher wissen müssen", erzählt Polizeioberkommissar Kremer.

Als er eine Gruppe Mechatroniker aus dem 3. Lehrjahr fragt, wie viele von ihnen Auto fahren, melden sich fast alle. "Azubis müssen mobil sein. Viele von ihnen kommen von weiter weg", erklärt die Wirtschafts- und Sozialkundelehrerin Judith Hering.

Die Schüler können alle Varianten durchprobieren: wenn das Auto auf der Seite oder auf dem Dach liegt, wenn die Fensterscheiben noch drin oder schon rausgefallen sind.

Der Mechatroniker Malte Dietrich lernt, wie er seinen ohnmächtigen Mitschüler Patrick Sommer aus dem umgedrehten Auto herausholen kann. Weil er bei der Feuerwehr ist, interessieren den 19-Jährigen solche Simulationen besonders, erzählt er später. Kremer und Jasiczek leisten bei allen Rettungsmanövern Hilfestellung. Am wichtigsten sei, mit dem Oberarm das Genick zu schützen und sich mit Armen und Füßen abzustützen, um den Gurt zu entlasten. Dann könne man sich abschnallen, erklärt Kremer den Schülern. Er lässt sie raten, wie lange ein unverletzter Mensch kopfüber im Gurt hängen kann. "15 Minuten, dann wird der Durchschnittsmensch ohnmächtig. Das Herz schafft es nicht mehr, das Blut aus dem Hirn zu pumpen", verrät er.

Vor allem junge Leute hingen oft zu tief im Sitz, berichtet Kremer. "In der idealen Sitzposition liegt der Puls bei ausgestrecktem Arm auf dem Lenkrad", erklärt er. Der Gurt sollte direkt auf der Schulter liegen und zwischen Kopf und Fahrzeughimmel weder zu viel noch zu wenig Luft sein, damit man sich im Notfall abstützen könne.

"Vorher hätte ich mich einfach nur abgeschnallt. Jetzt weiß ich, wie ich mich abstützen muss", berichtet Jonas Thom, der eine Ausbildung zum Tischler macht und begeistert eine Runde nach der anderen dreht. "Es war schwer, die Tür aufzukriegen, aber das Abschnallen ging relativ einfach", erzählt der 19-jährige Christoph Halm. Es fände es gut, zu lernen, wie man sich in einer solchen Situation verhalten soll. "Ob man dann daran denkt, ist was anderes", gibt sein Mitschüler Benjamin Frank zu bedenken. "Wenn man das einmal probiert hat, erinnert man sich daran", ist sich Werner Kremer jedoch sicher.

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