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Janet Neiser 20.05.2012 21:38 Uhr
Red. Eisenhüttenstadt, eisenhuettenstadt-red@moz.de

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"Das ist einfach unkaputtbar"

Eisenhüttenstadt (MOZ) Das Interesse war groß bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR am Sonnabend. Ein Jahr lang ist nun "Alles aus Plaste - Versprechen und Gebrauch in der DDR" zu sehen.

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Bunte Welt aus Plaste: Hannes (12, v.l.) und Manja Richter sowie Alexander und Antonia Heinecke schauen interessiert in die Ausstellungsvitrinen des Dokumentationszentrums.

© MOZ/Janet Neiser

"So einen Brotkorb wie den da nutzen wir sogar heute noch", sagt Monika Funk und zeigt auf das rote Plasteexemplar in der Glasvitrine. "Solange der noch gut ist, braucht man den doch nicht wegschmeißen", findet sie. Ihr Mann Klaus-Jürgen sieht das genauso und nickt. Das Ehepaar ist aus Frankfurt (Oder) nach Eisenhüttenstadt gekommen - extra für die Ausstellungseröffnung "Alles aus Plaste". Und kaum drehen sie sich um, entdecken beide wieder etwas Altbekanntes: das gute alte Dederon-Hemd aus Polyamidfasern. "Da gab es ja sogar Arbeitsbekleidung von", erinnert sich Klaus-Jürgen Funk. "Und da hat man mächtig geschwitzt drin."

Rita Hübinger schüttelt den Kopf beim Anblick der lachsfarbenen Modesünde: "Das ist die absolute Härte." Sie lehrt an der Europa-Universität Viadrina, kommt aber aus den Altbundesländern. Wirkt die bunte Plastewelt aus DDR-Zeiten da befremdlich für sie? "Bei vielen Dingen würde ich spontan sagen, die kommen mir bekannt vor", erklärt sie und nennt als Beispiel diese schwammähnlichen Topfreiniger, in deren Kunststoffnetz sich immer die ganzen Lebensmittelreste verfangen hatten.

Und tatsächlich ist Plaste kein DDR-Phänomen. "Die Verbreitung der Kunststoffe war Teil eines internationalen Plaste-Booms", sagt Katja Böhme bei der Eröffnung der Ausstellung. Sie hat sich im Rahmen einer Forschungsarbeit drei Jahre lang intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Dennoch gab es Besonderheiten in der DDR. Zum einen war man bei der Herstellung auf Langlebigkeit ausgerichtet, wodurch Produkte wie Eimer oft aufwendiger und mit mehr Material produziert wurden. Außerdem lautete das Motto von Walter Ulbricht, dem Ersten Sekretär des Zentralkomitees der SED: "Chemie gibt Brot, Wohlstand, Schönheit". Plaste sollte die Warenwelt revolutionieren - selbst wenn die DDR zur Herstellung immer wieder auf Braunkohle zurückgreifen musste. Und so verwundert es nicht, dass Plasterzeugnisse sich in nahezu allen Lebensbereichen wiederfanden - in der Küche, im Bad, beim Camping, im Kinderzimmer. Plaste war Ersatz für bestimmte Luxus-Artikel wie Kristall und wurde mehr und mehr zum Alltag. Bereits in den 1960ern sei die DDR nahezu plastifiziert gewesen, sagt Katja Böhme. 800 Betriebe, die Kunststoffe verarbeitet haben, gab es in der Republik, 15 davon werden in der neuen Sonderausstellung etwas genauer vorgestellt. Auch auf die einzelnen Plastesorten Bakelit, PVC, Meladur oder aber Polystyrol wird näher eingegangen - sodass ein Rundgang durch die prall gefüllten Vitrinen nicht nur eine Reise in die Vergangenheit ist, sondern auch eine Schulstunde.

Erika Schauer aus Berlin schaut sich jedenfalls interessiert in den Räumen des DOK-Zentrums um und immer wieder fokussieren ihre Augen zwischen all den Bechern, Tellern, Satteltaschen, Brotmaschinen und Trinkhalmen etwas Vertrautes. "Wir haben zu Hause auch noch so eine alte Waschschüssel, Campinggeschirr und Besteck mit Plastegriff. Das ist einfach unkaputtbar", schwört sie. "Eines muss man sagen, das hat sich bewährt", brubbelt ein älterer Herr und läuft weiter in Richtung eines urigen Dia-Projektors, der bis in die 1980er hinein produziert wurde und in so manchem Kinderzimmer gestanden haben dürfte.

Dennoch betont Andreas Ludwig, Leiter des DOK-Zentrums: "Wir haben drei Jahre zu einem Material gearbeitet, das nach und nach zerfällt. Genau das sei auch der Ausgangspunkt des vom Bund unterstützten Forschungsprojektes gewesen, bei dem man mit der Fachhochschule Köln zusammengearbeitet hat. Dort sei man froh über den riesigen Fundus des Eisenhüttenstädter Hauses gewesen, erklärt Ludwig. Von den rund 170 000 bisher zusammengetragenen Objekten sei immerhin rund ein Drittel aus Kunststoff.

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