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Zuschuss soll ab 2013 nicht mehr gezahlt werden / Gespräche mit Landesministerium in Potsdam

Kreis will aus Dok-Zentrum aussteigen

Stefan Lötsch / 25.05.2012, 18:11 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Der Landkreis will ab 2013 aus der Dreierfinanzierung des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt aussteigen. Auch die Stadt hat angekündigt, ihren Anteil von 76000 Euro nicht mehr zahlen zu wollen. Derweil gibt es Gespräche mit dem zuständigen Landesministerium.

Im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung schien es noch so, als sei die Radikalvariante der Stadt, den Zuschuss in Höhe von 76000 Euro an das Dokumentationszentrum Alltagskultur komplett zu streichen, erst einmal wieder vom Tisch. Zumindest soll für Eisenhüttenstadt eine Kulturstättenkonzeption erstellt werden, in der es neben der inhaltlichen Ausrichtung auch um die finanzielle Ausstattung von Dok-Zentrum, Friedrich-Wolf-Theater und städtischem Museum gehen soll.

Kaum war eine Säule der Dreierfinanzierung des Dok-Zentrums ein wenig stabilisiert, droht nun die zweite Säule, der Zuschuss des Landkreises, komplett wegzubrechen. Am Mittwoch schrieb Landrat Manfred Zalenga einen Brief an Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Die Linke), dessen Kernaussage ist: Der Landkreis wird sich aus der Finanzierung für das Dokumentationszentrum Alltagskultur ab 2013 zurückziehen. In sieben Punkten begründet Zalenga die Entscheidung. "Das Dokumentationszentrum ist im Kulturleben der Stadt und des Landkreises nicht wahrnehmbar, bei Kulturveranstaltungen im Landkreis sind der Leiter und der Trägerverein nicht anwesend", heißt es zum Beispiel unter Punkt 4. Zuvor hatte er schon darauf hingewiesen, dass es nicht Aufgabe des Landkreises sei, eine wissenschaftliche und weit über die Landesgrenze hinaus bedeutende Einrichtung zu finanzieren. Aufgabe des Landkreises sei vielmehr die Förderung der Kommunen. Von ihnen kommt auch durch Umlage der größte Teil der Finanzeinnahmen des Landkreises.

Kritisiert wird auch in dem Brief, dass kaum Schüler die Einrichtung besuchen und es kein Interesse am Netzwerk Kulturtourismus im Landkreis gibt. Landrat Manfred Zalenga war am Freitag für Nachfragen nicht zu erreichen. Im Dokumentationszentrum will man sich zu den neuen Entwicklungen, von denen die Mitarbeiter und auch der Trägerverein offensichtlich völlig überrascht wurden, nicht öffentlich äußern.

Bürgermeisterin Dagmar Püschel hatte den Brief von Manfred Zalenga und seinen Inhalt bei der Stadtverordnetenversammlung erwähnt. Dort hatte sie, als einzigen Beitrag von ihr im Rahmen des Haushaltsdebatte, über ein Gespräch mit Wissenschaftsministerin Sabine Kunst informiert. Daran nahmen Vertreter der drei Finanziers - der Stadt, dem Landkreis und dem Land, die jeweils 76000 Euro beisteuern - teil. Angeregt hatte das Gespräch die Stadt, um auszuloten, ob es ein anderes Finanzierungsmodell gibt, falls der Anteil der Stadt wegfällt. Der Vorschlag der Stadt sei von der Ministerin aufgenommen worden. Positiv habe Sabine Kunst bewertet, dass die Stadt sich zumindest insoweit an der Finanzierung beteiligen will, als sie die Mieten übernimmt. Das Land habe sich zu seinem Finanzanteil bekannt. "Es steht dazu", sagte Dagmar Püschel. Allerdings soll es eine andere inhaltliche Ausrichtung geben. Bis Ende Juni werde dazu ein Konzept erarbeitet. Die Ministerin, so Dagmar Püschel, sprach sich auch dafür aus, die Digitalisierung der Depot-Gegenstände voranzutreiben. Man benötige dann kein "Riesengebäude", sondern können das Depot so gering wie möglich halten.

Derweil hatte der Hauptausschuss auf Antrag von Holger Wachsmann beschlossen, dass dem Dok-Zentrum auch 2013 der Zuschuss der Stadt noch gewährt werden soll. In der Stadtverordnetenversammlung war das Haushaltssicherungskonzept, in dem die Einsparung aufgelistet wurde, genauso wie der Haushalt der Stadt mehrheitlich abgelehnt worden.

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rosalinde 29.05.2012 - 21:57:17

@marco habeck

Immer noch besser als alles dicht machen.Und welchen Hüttenstädter interessiert der wissenschaftliche Gedanke??? schließlich sind die meisten Besucher Touristen und nicht ständig die gleichen Einwohner, die gehen doch höchstens alle 5 Jahre mal hin. Damit kann man das nicht finanzieren.

Marco Habeck 26.05.2012 - 13:56:07

meinen Sie wirklich?

Waren Sie mal dort? In Berlin ? Dort wird die DDR für Touristen zur schau gestellt und vermarktet. Das wäre so als ob man im KZ eine Betriebsfeier abhalten würde. Genau so geht es da zu. Öffentlich zur schau gestellt. Um die Geschichte oder auch zum Nachdenken darüber regen solche Ausstellungen nicht an. Schon gar nicht wenn man gegen Geld seine Betriebsfeier dort abhalten kann im Nachgestellten Sozialismus. Der Wahrung der Geschichte ist eine öffentlich Aufgabe und kann nie Marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten unterordnet werden. Dann kommt genau das heraus wie es Millionen von Touristen in Berlin vorgeführt wird. Einmal DDR schauen für 10€ .

bert 26.05.2012 - 11:45:12

Ideen statt hole Worte

da ja die Bürgermeisterin anscheinend unfähig ist diese Problematik, wie so viele andere zu bewältigen, hier ein Vorschlag. Verkauf des gesamten Fundus an das gleichartige Museum in Berlin.Verkaufsbedingung=2-3Ausstellungen im Jahr in Hütte zu verschiedenen Themen.Da braucht man keine Zuschüsse,kein Personal und keine Miete.Und dem Zweck etwas zu zeigen ist durch die Veranstaltungen genüge getan. Einfach, genial und bringt noch Geld für des hohlen Stadtsack durch Verkaufserlöse.

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