to_top_picture
Anmelden
Anmelden

Montag, 26. Juni 2017
ABO-ButtonePaper-ButtonKONTAKT-Button


Sie haben 8 von 10 Gratis-Artikeln gelesen.
x
Registrieren Sie sich jetzt und lesen Sie im Monat bis zu 20 Artikel kostenlos.
Jetzt kostenlos registrieren
Bereits registriert? Bitte anmelden

Maria Neuendorff 25.05.2012 19:35 Uhr

artikel-ansicht/dg/0/

Strandbad Müggelsee wird 100

Berlin (MOZ) "Rivera des Ostens" wurde das Strandbad Müggelsee einst genannt. Der historische Ort der Badefreuden wird am Sonnabend 100 Jahre alt. Doch so richtig zum Feiern ist niemand zumute. Denn die Zukunft des Betriebes ist immer noch ungewiss.

artikel-ansicht/dg/0/1/1022514/
 

ARCHIV - Dutzende Nudisten sonnen sich am Müggelsee in Ostberlin (Archivfoto vom Mai 1986). Viele DDR-Bürger fühlten sich wenigstens im Urlaub an einem der zahlreichen FKK-Strände von der Ostsee bis zum Thüringer Wald ganz frei. Das frühere Paradies der o

© picture-alliance/ ZB

Die Sonnentage ziehen noch am späten Nachmittag Badefreunde an den Müggelsee. Der Eintritt in das Idyll mit angeschlossenen Nacktbadedünen ist frei. Noch ist das Wasser ungemütlich kalt. Die meisten Besucher bleiben im Sand liegen, Bierflasche in der Hand, und schauen den Beachvolleyballern zu oder beobachten die Segelschiffe auf der glitzernden, von Wald eingerahmten Wasseroberfläche.

Seit Jahrhunderten liegt der mondäne See am Rande Berlins so ruhig da. Am 26. Mai 1912 wurden hier die ersten Holzumkleiden und Getränke-Pavillons einweiht. Doch das große Jubiläum wird an diesem Sonnabend nicht begangen. "Wir planen eine kleine Feier am 23. Juni mit Sportveranstaltungen, Bananenreiten und einer Tombola für einen Kinderspielplatz", sagt Gion Voges. Er ist Vorsitzender des Vereins "Bürger für Rahnsdorf", der sich seit Jahren für den Erhalt des historischen Bades einsetzt.

Die einstigen Spielplätze wurden schon kurz nach der Wende abgerissen. Kleinkinder buddeln seitdem nur noch auf einem kleinen Sandabschnitt, der direkt ins Wasser führt. Gleich daneben besteht das Ufer aus einer 250 Meter langen Betonkante. Sie ist mit rotweißem Band abgesperrt. Zu viele Unfälle hat es in den vergangenen Jahren hier schon gegeben. Die geborstenen Platten müssen dringend saniert werden, ebenso wie die maroden Umkleiden, die ehemalige Großgaststätte und das rosafarbene Sauna-Gebäude.

Laut Bezirk sind 8,5 Millionen Euro notwendig, um alles auf Vordermann zu bringen. Acht Ingenieur- und Architektenbüros haben schon vor zwei Jahren Konzepte ausgearbeitet. Bis Januar gab es auch einen Investor, der Geld in die Hand nehmen wollte. "Doch nachdem er anderthalb Jahre verscheißert wurde, hat er nun kalte Füße bekommen", sagt Voges.

Die Rede ist von Sven Kühne aus Schöneiche (Oder-Spree). Im Mai 2011 bekam seine Firma "Kühne Pool & Wellness AG" vom Bezirksamt Treptow-Köpenick den Zuschlag. "Wir hatten so viele Ideen, waren extrem motiviert", sagt der Vorstandschef enttäuscht. Denn die fünf Veranstaltungen, mit denen er unter anderem die geplante neue Lounge und den Biergarten im Strandbad einweihen wollte, musste er absagen. "Es gab vom Bezirksamt immer mündliche Zusagen, die schriftlichen Genehmigungen blieben aber aus."

Nachdem Kühne nach eigenen Angaben über 100 000 Euro in den Sand gesetzt hatte, stellte sich plötzlich heraus, dass das Strandbad Müggelsee für eine kommerzielle Nutzung erst EU-weit ausgeschrieben werden muss. "Wir hatten Leute eingestellt, Vorverträge mit Veranstaltern unterzeichnet und schon Karten für die Silvesterparty verkauft, das war einfach nur peinlich", ärgert sich der Investor.

Dem Verfall jetzt weiter zusehen zu müssen, tue ihm auch persönlich weh. Schon als Kind fuhr Kühne mit dem Fahrrad die 15 Minuten von Schöneiche in das Bad. "Für die gesamte Region ist es ein ganz besonderer Ort."

Auch der neue Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) würde das Kleinod gerne wieder in altem Glanz erstrahlen sehen. Das 1927 durch einen Brand zerstörte Interieur wurde 1929 durch den bekannten Architekten Martin Wagner wiedererrichtet, quasi als Pendant zum berühmten Strandbad Wannsee, das ebenfalls von ihm stammt. "Es gibt strenge Auflagen für Investoren, die nicht verhandelbar sind", erklärt der Politiker, der im vergangenen Dezember die Akten zum Strandbad in einem Schuhkarton von seinen Vorgängern übergeben bekommen hat. Da das Bad in einem Wasserschutzgebiet liegt, seien Großveranstaltungen problematisch. Denn die Brunnen zur Trinkwassergewinnung für die Berliner lägen gleich nebenan. Zudem sei ein Teil des Bades eine gewidmete Sportfläche, die nicht kommerziell genutzt werden dürfe, erläutert Igel. "Wir sind aber dabei, diese zu entwidmen." Das gesamte Gelände gehöre eigentlich den Berliner Forsten. "Mit denen sind wird aber in Verhandlungen."

Die verschiedenen Problemfelder müssten für einen Investor in der neuen Ausschreibung unbedingt transparent gemacht werden, meint Igel und gesteht damit indirekt Fehler seiner Vorgänger ein. Man hoffe, dass die neue Ausschreibung noch in diesem Jahr fertig werde. Auch das Bezirksamt habe ein großes Interesse, zügig einen Pächter für die Immobilien zu finden.

Denn mit den Zinsen aus dem Erbaurechtsvertrag will das Bezirksamt den Strand weiter bewirtschaften und den freien Eintritt weiter gewährleisten. Seit die Berliner Bäderbetriebe das Bad 2005 wegen Unwirtschaftlichkeit aufgaben, bleibt der Bezirk auf den Kosten sitzen. An sieben Tagen in der Woche läuft bis Sonnenuntergang eine Art Notbetrieb auf dem 121 000 Quadratmeter großen Gelände, auf das zu DDR-Zeiten an warmen Tagen rund 25 000 Menschen strömten.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Artikel kommentieren   Lesezeichen setzen   Nachricht an die Redaktion   Druckversion

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel
MOZ

Ort, PLZ oder Redaktion