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Dietrich Schröder 14.06.2012 19:19 Uhr - Aktualisiert 14.06.2012 19:57 Uhr

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Urgroßvater gab die Zeitung heraus

Witnica (Vietz) (MOZ) Zahlreiche polnische Orte in der früheren Brandenburger Neumark erinnern heute wieder relativ unverkrampft an den deutschen Teil ihrer Vergangenheit. Daran, dass dies im Falle der Kleinstadt Witnica gelang, hat der hier geborene Ulrich Schroeter eine Aktie.

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© Heinz Köhler

Der Januar ist ein Schicksalsmonat für Ulrich Schroeter. Am 12. Januar des Jahres 1941 wurde er im damaligen Vietz an der Ostbahn geboren. "Dem einzigen Ort mit einem größeren Bahnhof zwischen Küstrin und Landsberg (dem heutigen Gorzów)", wie er sagt. Genau vier Jahre später musste seine Mutter Margarete mit ihm, seiner noch zwei Jahre jüngeren Schwester sowie ihrer eigenen Mutter und Schwiegermutter den Ort verlassen. "Die Russen hatten Vietz bereits eingenommen und General Shukow ließ zur Vorbereitung der Überquerung der Oder eine 25-Kilometer-Zone östlich des Stroms von der Zivilbevölkerung räumen", berichtet Schroeter. Als Oberst der Bundeswehr im Ruhestand versteht er den militärischen Sinn dieser Aktion gut.

Nach der endgültigen Vertreibung der deutschen Bevölkerung im Sommer 1945 landete die Familie (Schroeters Vater war bereits in Frankreich gefallen) in Schleswig-Holstein. Viele Jahrzehnte lang erfuhr der in der Neumark Geborene nur aus den Erinnerungen seiner Mutter, wie es in Vietz gewesen war.

"Dass mein Urgroßvater Paul hier als Verleger das Vietzer Tageblatt herausgab, war immer Teil dieser Geschichten", berichtet er. Auch, dass dieser Paul Schroeter eine imposante Persönlichkeit gewesen sein muss, die insgesamt 13 Kinder hatte.

Ausgerechnet an seinem 50. Geburtstag, dem 12. Januar 1991, sollte Schroeter in seinen Geburtsort zurückkehren. Das Schicksal hatte es so gewollt, dass er kurz nach der Wiedervereinigung als Bundeswehroberst nach Strausberg (Märkisch Oderland) versetzt wurde. "Und dann bemerkt doch der polnische Grenzposten bei der Kontrolle meines Ausweises: Oh, heute Geburtstag! und sagt: Darauf einen trinken". Der Deutsche nahm diesen freundlichen Empfang in der alten Heimat als gutes Omen. Und engagierte sich fortan mit anderen alten Vietzern für den Aufbau von Kontakten zu der nunmehr polnischen Bevölkerung.

Davon, dass man gemeinsam viel erreicht hat, wird dieses Wochenende künden. Da wird nämlich das 750-jährige Bestehen der Stadt als gemeinsames Ereignis gefeiert. Neben dem Volksfest gibt es schon am Sonnabend eine neue Ausstellung und ein Theaterstück zur Geschichte der Stadt. Zu drei Vorträgen, die Schroeter in diesem Jahr bereits über die Vergangenheit des Ortes und das Alltagsleben zwischen den Weltkriegen gehalten hat, kamen jeweils über 100 interessierte Polen.

Am Sonntag wird dann nach einer feierlichen Messe in der Kirche (die Restaurierung der Sauer-Orgel dort wurde auch von Polen und Deutschen finanziert) um 14 Uhr eine Ausstellung im neuen Feuerwehr- und Rettungszentrum eröffnet, die von Hobbyfotografen aus Lebus gestaltet wurde. Auch ein neues Buch, das der Heimatforscher Zbigniew Czarnuch über das einstige und heutige Leben in den Dörfern entlang der Warthe verfasst hat, wird dann vorgestellt.

An zahlreichen Stellen im Ort trifft man noch auf deutsche Zeugnisse. Unter anderem wurde auf dem Friedhof ein Lapidarium mit 120 erhaltenen Grabsteinen eingerichtet. Selbst an die einstige Synagoge erinnert eine zweisprachige Tafel. Und zum Glück steht auch noch das Haus, in dem das "Vietzer Tageblatt" seine Redaktion hatte. Natürlich hat Ulrich Schroeter längst ein paar alte Exemplare der Zeitung aufgetrieben, die ihn an seinen Vorfahren erinnern.

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