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Lea Sophie Lukas 04.07.2012 07:13 Uhr
Red. Fürstenwalde, fuerstenwalde-red@moz.de

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Wo der Kuckuck den Wecker ersetzt

Fürstenwalde (MOZ) Der Natur ganz nah sind zwölf Mädchen und Jungen, die mit dem Südclub ein Waldcamp im Stadtforst aufgeschlagen haben. Eine Woche lang leben sie ohne Strom und fließend Wasser, schärfen ihre Sinne für die Umwelt und sind sich einig: So viel Ferienspaß hatten sie selten.

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Mit Kraft und Fingerspitzengefühl: Leon Greschke (10) gefällt, dass im Waldcamp nur mit Naturmaterialien gebastelt wird. Südclub-Mitarbeiter Daniel Süß (25) hilft ihm beim Sägen.

© MOZ/Lea Sophie Lukas

Als ein Kuckuck am frühen Morgen nicht mehr aufhören will zu rufen, ist Madelaine Wittig irgendwann genervt. Nachts hat der Regen laut auf das Zeltdach der Zwölfjährigen geprasselt und ihr den Schlaf geraubt. Nach den Vögeln fangen auch noch die Frösche am Flussufer an zu lärmen. "Nächstes Jahr will ich auf jeden Fall wiederkommen", sagt Madelaine trotzdem. Vom Waldcamp des Südclub ist die Fürstenwalderin begeistert, auch wenn Ausschlafen hier fast unmöglich ist.

Wenn abends die Sonne wieder untergeht, wird es im Stadtforst schnell stockdunkel. Außer dem Mond und dem offenen Feuer, das in einer großen Schale brennen darf, gibt es kein Licht. Auf einer Wiese nahe der Großen Tränke haben zwölf Kinder und das Jugendclub-Team ihre Zelte aufgebaut. Ein mit Trinkwasser gefüllter Kanister dient als Zahnputz-Station, die Müggelspree als Badewanne, ein Erdloch als Toilette und der Wald als Wohn- und Spielzimmer.

"Es ist spannend zu sehen, wie sich Kinder, die sonst Stunden vor dem Computer sitzen, in der Natur verhalten. Hier murrt nie einer, weil ständig etwas passiert", sagt Matthias Bogdan, der den Südclub leitet und seit mehreren Jahren in den Sommerferien Waldcamps organisiert. "Nur wenn es Sturmwarnung gibt, packen wir zusammen und reisen früher ab. Sonne, Wind und Regen halten wir aus", sagt er. An den Kindern hat der 48-Jährige immer wieder beobachtet, dass sie an schlechtem Wetter sogar Spaß haben. "Da rücken alle zusammen, sitzen im Kreis unter der Zeltplane und spielen. Manchmal ist das verrück."

Nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Stadtforstes darf Matthias Bogdan immer wiederkommen und mitten im Wald übernachten. "Hier sind keine ausgelatschten Pfade, auf denen sich Touristen bewegen. Für die Kinder macht das den Reiz aus", sagt Förster Martin Müller, der ab und zu im Camp vorbei schaut. "Wir lassen das zu, weil hier ein Verantwortungsgefühl für den Wald und die Tiere entsteht. Was die Kinder anfassen dürfen, erleben und kennen, das schützen sie."

Madelaine war schon mehrfach im Waldcamp, genau wie ihre Schulfreundin Lara Pöschke. Sie lernen, ohne Feuerzeug und Streichhölzer ein Lagerfeuer zu entfachen, bewusst mit Wasser umzugehen und Abfall zu vermeiden. Angereist sind sie auf ihren Fahrrädern, eine Pflicht für alle, die dabei sein wollen. "Einmal sind wir bis nach Storkow gefahren, morgens hin und abends wieder zurück", erzählt Lara. Nach der 40-Kilometer-Tour taten der Zwölfjährigen alle Muskeln weh.

Aber selbst wenn sie den ganzen Tag auf der Lichtung verbringen und sich nur ab und zu im Fluss abkühlen, abends kriechen die Waldcamper immer erschöpft in ihre Zelte. "Eigentlich ist das hier die angenehmste Form der Jugendarbeit", sagt Matthias Bogdan, der zwar rund um die Uhr Verantwortung trägt, aber auch genau weiß: Sobald es dunkel ist, wird geschlafen. So lange, bis der Kuckuck den Wecker ersetzt.

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