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fadesiyan 11.07.2012 07:05 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Im Land der feinfühligen Pessimisten

(MOZ) Steffen Möller wird am Sonnabend zwischen 12 und 19 Uhr das Stadtfest-Programm des Kooperationszentrums an der Stadtbrücke moderieren. Der Kabarettist nennt sich einen "Betweener" - also einen, der dazwischen steht. Und so erreichte Frauke Adesiyan ihn auch auf der Fahrt von Berlin nach Warschau.

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© MOZ

Herr Möller, bei Ihren Programmen bringen Sie den Deutschen polnische Vokabeln bei. Was ist der wichtigste Satz?

Ich fange an mit: "Wie geht's?". Auf Polnisch heißt das: "Jak tam?". Polen antworten nicht "super", sondern: "Stara bieda", was wörtlich bedeutet: "Die alte Armut". Das habe ich auch der deutschen Fußballnationalmannschaft im Flieger von Frankfurt nach Danzig beigebracht. Im Gegensatz zum amerikanischen Keep Smiling herrscht bei den Polen nämlich ein sehr angenehmes Understatement. Pessimismus gehört zum guten Ton, nur unter der Bettdecke würde man den Optimisten rauslassen. Während wir hier reden, bin ich übrigens in Polen angekommen, ich gebe Ihnen mal kurz meine polnische Nummer, ja?

Jetzt also im polnischen Netz ...

... Ja, das ist das Leben eines Betweeners. Hier im Berlin-Warschau-Express fühle ich mich sowieso am wohlsten, das ist mein Vaterland.

In Ihren Büchern erklären Sie den Deutschen gern die Polen. Müssen Sie das anders herum auch machen?

Sehr oft sogar. Als kurzzeitig Berti Vogts als polnischer Trainer im Gespräch war, musste ich in einem seriösen Nachrichtensender Stellung dazu beziehen. Und wenn deutsche Winterreifen auf den Markt kommen, soll ich auch meinen Senf dazu ablassen.

Ist es leichter, den Polen die Deutschen zu erklären oder umgekehrt?

Mir persönlich fällt es leichter, den Deutschen die Polen zu erklären. Sein eigenes Land kennt man vermutlich nicht so gut. Hinzu kam bei mir, dass ich, die Nase voll hatte von Deutschland. Ich habe in Polen Dinge gefunden, die mir in Deutschland fehlen. Die emotionale Intelligenz zum Beispiel. Wir Deutschen sind ja Meister darin, unser Ding durchzuziehen, ohne nach rechts und links zu gucken. Die Polen haben hingegen die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle zu erkennen. Generell ist die Neugier größer. In meiner Berliner Wohnung kann ich nackt hinter dem Fenster stehen - kein Mensch guckt. Das geht in Warschau nicht.

Inwiefern hat sich Ihre Abneigung gegenüber Deutschland gemildert?

Ich habe auch die Nachteile Polens kennengelernt. Das ist das Schicksal als Auswanderer, man kennt zwei Realitäten und zimmert sich jeden Morgen ein idealen Konstrukt aus beide Ländern.

Gibt es noch immer das große Unverständnis zwischen Polen und Deutschen?

Nein, das hat man jetzt auch bei der EM gesehen. Viele Polen haben mir vor dem Spiel gegen Italien gesagt, dass sie für Deutschland sind.

Warum sind Sie nach Jahren in Polen zurückgekommen?

Das trifft die Sache nicht ganz, ich lebe in beiden Ländern gleichzeitig. Nach sechs Jahren, in denen ich in einer polnischen Telenovela den deutschen Kartoffelbauern gespielt habe, wollte ich aus der Schublade raus. Also habe ich angefangen, in Deutschland Kabarett zu machen. Viele Witze habe ich aus Polen importiert. Auch das ist ein Vorteil des Betweeners: Er kann seine Witze zwei Mal ausschlachten.

Vermissen Sie hier die Popularität, die Sie in Polen haben?

Zwei Tage lang ist es sehr schön, nicht erkannt zu werden. Aber am dritten Tag pocht die Eitelkeit an die Tür.

Wenn Sie am Sonnabend moderieren, wird das ein gewöhnlicher Auftritt?

Nein, wann hat man schon Publikum aus zwei Ländern? Ich werde zwischen den Sprachen hin- und herspringen, so wie es der Lokführer des Berlin-Warschau-Express' macht. Der hält den Zug kurz vor der Grenze an, um das System von Wechsel- auf Gleichstrom umzustellen. Am Sonnabend werde ich auch permanent den Hebel rumschmeißen. Moment, hier kommt der Kellner. (Auf Polnisch bestellt Möller einen Schokokuchen mit Sahne.) Haben Sie gehört, wie er "Kawka" zu mir gesagt hat?

Warum hat er das gemacht?

Weil er mich für den zweiten Kafka hält. Kleiner Scherz. Nein, "kawka" heißt Käffchen. Ich nehme aber lieber einen Tee.

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