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Mit der Zeitschrift "Prolog" versucht Anton Schwarzbach, die Prozesse hinter der Kunst sichtbar zu machen

Das Flüchtige festhalten

Anton Schwarzbach, Herausgeber des Magazins PROLOG
Anton Schwarzbach, Herausgeber des Magazins PROLOG © Foto: Christine Kisorsy
Stephanie Lubasch / 13.07.2012, 19:39 Uhr
Berlin (MOZ) Um "Geld" ist es schon gegangen. Um "Tier" und "Das Wirkliche". Die jüngste "Prolog"-Ausgabe wiederum versammelt Arbeiten, die Künstler zum Thema "Attitüde und stark schimmernde Gebilde" eingereicht haben. Eine Stütze soll das jeweilige Motto sein, möglichst offen, am Ende vielleicht auch selbst einen künstlerischen Prozess in Gang setzen: Wie modelliere ich es für mich? Oder: Über welche Brücke schaffe ich eine Verbindung zu meinem Werk?

Es sind Prozesse, die Anton Schwarzbach, Jahrgang 1975, faszinieren. "In Ausstellungen", sagt er, "sieht man immer nur die Ergebnisse." Als Künstler mache ihn das "nicht satt". Welchen Weg hat ein Kollege genommen, um ans Ziel zu kommen? Welche Skizzen hat er verworfen, welche weitergeführt? Was hat ihn bei der Arbeit bewegt? "Wir müssen wieder an die Prozesse kommen", beharrt Schwarzbach. Und hat dafür vor fünf Jahren den "Prolog" gegründet.

Das "Heft für Zeichnung und Text", das halbjährlich in einer Auflage von etwa 500Stück erscheint, soll ein Medium für all jene Künstler sein, die den Weg in die Öffentlichkeit suchen, den Austausch mit anderen. Und eine Möglichkeit, etwas zu dokumentieren, was gemeinhin flüchtig ist - Skizzen etwa, kurze Überlegungen, Textfragmente. Wahrnehmungen, für die sich sonst kein Platz findet - und aus denen sich aber vielleicht doch "etwas heben" lässt.

Das erste Heft, das Schwarzbach noch komplett in Eigenregie herausgegeben hat, "war ein Experiment - und für alle ganz ungewohnt". Während Literaten, Lyriker ganz selbstverständlich mit Texten umgehen, hätten bildende Künstler erst einmal vor dem Problem der Auswahl gestanden: Was schreibe ich? Und wie viel? Das Thema, das Schwarzbach mit der zweiten Ausgabe eingeführt hat, soll hierzu eine Handreichung sein.

Mittlerweile gibt es fast eine Art Autorenstamm, Künstler, die immer wieder dabei sind. Auch Schwarzbachs Lebensgefährtin Dorit Trebeljahr gehört seit der zweiten Ausgabe dazu, unterstützt ihn zudem mit einem wechselnden Team bei der Redaktion der einzelnen Ausgaben.

Jede ist mit einer Ausstellung in einer Berliner Galerie verbunden; die Aufrufe fürs nächste Heft laufen übers Internet und Mundpropaganda. Einreichungen kommen von Frauen und Männern gleichermaßen, aus Ost und West, Italien, Österreich, der Schweiz, Russland. Wer das Magazin nicht übers Internet ordert, kann es in Berliner Läden wie dem Bücherbogen am Savignyplatz und der Buchhandlung Walther König in Mitte erwerben, ebenso in der Galerie Inga Kondeyne.

Schwarzbach ist das wichtig. Natürlich weiß er, dass der "Prolog" nicht zuletzt aufgrund seiner geringen Auflage ein Nischenprodukt ist. Dennoch soll es keinem speziellen Kreis vorbehalten sein. "Ich will auch die erreichen, die das Heft noch nicht kennen", sagt er.

Leben kann und will der Berliner davon nicht. Ihm geht es in erster Linie darum, die Druckkosten für die nächste Ausgabe rein zu bekommen - um möglichst unabhängig zu sein. "Das Heft muss sich immer neu erfinden, eine Notwendigkeit haben."

Zwei bis vier Monate Arbeit stecken in jedem "Prolog" - so sehr ihn das bereichert, ist es doch auch Zeit, die Schwarzbach für sein eigenes künstlerisches Tun fehlt. Sich in diesem Bereich einzuordnen, fällt ihm nach wie vor schwer. Sein Handwerk gelernt hat er nach Tischlerlehre und Grafiker-Ausbildung an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. "Man kann nicht sagen, dass ich mich für die Kunst entschieden habe", sagt er. Irgendwann stehe man einfach vor der Frage, wofür man seine Energie aufwenden will: für "einen gewissen Lebensstandard oder einen poetischen Gedanken"? Was er sagen könne, sei: "Ich zeichne. Und ich versuche, mittels Zeichnungen und Texten Dinge zu formulieren, zu fassen."

Seit 2005 nutzt Schwarzbach dafür auch den Computer. Mit dem sehr simplen Programm "Windows Paint" fügt er Striche zu Formen, Zeichen, setzt Texte dazu, die mal Inhalt transportieren, mal einen Grauwert herstellen. "Für mich ähnelt es der Radiertechnik: Man setzt einen Strich und kann nicht mehr zurück", beschreibt Schwarzbach, was ihn an der Arbeitsweise fasziniert.

Einen Eindruck davon kann man auch in den "Prologen" bekommen; gerade sitzen er und Dorit Trebeljahr an der neunten Ausgabe zum Thema "Hier und Da". Im Herbst wird das Heft erscheinen; die dazugehörige Ausstellung soll gleichsam eine Feier seines fünfjährige Bestehens sein.

Gern würde Schwarzbach mit der Zeitschrift auch mehr nach Brandenburg hineinwirken, Kontakte knüpfen für Lesungen oder Ausstellungen. Für ihn bilden Berlin und die Region eine Einheit, auch ohne Fusionsvertrag. Als Sohn der Bildhauerin Sabina Grzimek ist er selbst zum Teil in Erkner(Oder-Spree) aufgewachsen. Für die Mutter, die Ende Juli auf der Burg Friedland(Oder-Spree) ausstellen wird, hat Schwarzbach gerade einen Katalog gestaltet.

"Am Ende etwas zu haben, was ich vorher nicht wusste", ist für ihn die Triebfeder seiner Arbeit. Und das gilt für Kunst und Zeitschrift gleichermaßen. "Das Grausligste für einen Künstler", sagt Anton Schwarzbach, "ist doch, wenn du das perfekte Bild malst. Dann kommst du nicht mehr weiter."

Einreichungen für die neunte "Prolog"-Ausgabe, Motto "Hier und da", bis zum Ende des Sommers, www.prolog-zeichnung-und-text.de

Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung, bis 12.August, Di-So 11-19 Uhr, Schloss Neuhardenberg

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