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Maria Neuendorff 20.09.2012 19:27 Uhr

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Schaudern in der BlackBox

Berlin (MOZ) Am Checkpoint Charlie ist seit Donnerstag eine neue Ausstellung zum Kalten Krieg zu sehen. Die BlackBox an der Friedrichstraße ist laut Senat ein erster Schritt für ein geplantes Ausstellungs-Zentrum am historischen Ort.

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  Kalter Krieg in Glasvitrinen: Die neue Ausstellung am U-Bahnhof Kochstraße gewährt einen Einblick in die historischen Geschehnisse nach dem Zweiten Weltkrieg. © dpa

"Die Welt hielt damals den Atem an", erinnerte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Donnerstag in seiner Eröffnungsrede an die Panzerkonfrontation am Checkpoint Charlie Ende 1961. "Hier ist der weltweit einzige Ort, wo sich Russen und Amerikaner jemals so dicht gegenüberstanden." Doch nicht nur daran erinnert die Ausstellung in der neuen Infobox am U-Bahnhof Kochstraße. An den schwarzen Wänden des 220 Quadratmeter großen Pavillons erzählen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Blockbildung und Währungsreform, von KSZE-Prozess und Marschallplan.

Wer eine der silbernen Hörmuscheln in die Hand nimmt, kann Ernst Reuter lauschen. Die Zwei-Minuten-Filme reichen von der Iran-Krise bis zum Warschauer Pakt. Es sind Zeugnisse aus einer Zeit, in der zwei verfeindete Atommächte in der Lage waren, die Welt in die Luft zu jagen. Die Angst steht auch der koreanischen Mutter und ihrem Kind, das sie 1951 vor einem Panzer herträgt, ins Gesicht geschrieben.

Fast hoffnungslos wirkt die kasachische Steppe. Wer eine Klapptafel öffnet, kann lesen, das die Sowjets von 1949 bis 1989 dort 456 nukleare Sprengköpfe gezündet haben. "Man erfährt immer wieder Neues", sagt eine der ersten Besucherinnen. Die Ausstellung sei an dieser Stelle lange nötig gewesen, besonders für Schulklassen, meint sie.

Die Box soll aber nur ein Platzhalter sein für das eigentliche Museum. Das kann laut Senat erst eingerichtet werden, wenn der irische Investor die beiden Brachflächen an der Ecke Zimmerstraße bebaut. Inzwischen soll er zumindest die Steuerschulden des Vorbesitzers abbezahlt haben. "Da wir nicht selbst Bauherr sind, haben wir auf den Zeitplan keinen Einfluss", sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz.

Mit dem Zentrum "Kalter Krieg" will der Senat wieder Seriosität an den Checkpoint Charlie bringen. Obwohl die Wurst- und Döner-Buden schon wieder geschlossen wurden, lassen die Schauspieler in US-Uniformen und die Gasmaskenverkäufer den Erinnerungsort seit Jahren zu einem Jahrmarkt verkommen. Auch das private Mauermuseum von Alexandra Hildebrand wird als zu kommerzlastig und populärwissenschaftlich kritisiert.

Doch obwohl die Wachtürme und Baracken schon lange geschreddert sind, treibt es täglich zahlreiche Busladungen voll Touristen an den ehemaligen militärischen Kontrollpunkt. Die Besucher erwartet nun neben der neuen Infobox auch ein 60 Meter langes und 15 Meter großes Mauerpanorama, das der Berliner Künstler Yadegar Asisi heute eröffnen will.

Das Bedürfnis nach fundierter historischer Information ist laut Wowereit groß. Die Ausstellung in der BlackBox sei eine Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus aller Welt. "Wenn ein Forschungsergebnis immer wieder besticht, dann ist es die Erkenntnis, dass Konflikte in einer noch so entfernten Region fatale globale Auswirkungen hatten", berichtet Christian Ostermann, Historiker aus Washington.

Und so lässt es den Besucher in der engen, warmen Box regelrecht erschaudern, wenn er den Hilferuf des von sowjetischen Panzern umzingelten ungarischen Senders Petöfi nachliest. "Völker der Welt! Hört uns! Helft uns! Wenn wir untergegangen sind, werdet Ihr das nächste Opfer sein", rief der Radiomann während des Ungarn-Aufstandes 1956 ins Mikrofon.

Die "BlackBox Kalter Krieg" an der Friedrichstraße 47 ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro.

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