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3. Biesenthaler Werkstatt im Freien mit deutschen und polnischen Bildhauern ist zu Ende / Die Arbeit geht weiter

Sechs auf einer Bank

Sabine Rakitin / 01.10.2012, 10:33 Uhr
Biesenthal (MOZ) Die 3. Werkstatt im Freien, die am Schlossberg in Biesenthal deutsche und polnische Bildhauer für 14 Tage vereinte, ist beendet. Jedenfalls offiziell. Die Arbeit der Künstler aber geht weiter, denn ihre Werke müssen noch vollendet werden.

"Künstlerisch lag Biesenthal lange im Dornröschenschlaf", sagt Karl-Heinz Neu, SPD-Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung und offizieller Vertreter Biesenthals, am Sonnabend bei der Eröffnung des Skulpturenpfades, der während des deutsch-polnischen Bildhauersymposiums in den vergangenen zwei Wochen auf einer Wiese am Schlossberg entstand. Seit ihrer 750-Jahrfeier scheint die Stadt aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht zu sein - Dank des Enthusiasmus von Anne Schulz, der in Biesenthal ansässigen Bildhauerin. Die quirlige, zierliche Frau ließ nicht locker. Ihre Idee, deutsche und polnische Künstler zusammenzubringen, vertrat sie mit Vehemenz. "Wir sind so nah beieinander und doch manchmal so weit von einander entfernt", sagt sie. Das Symposium, die gemeinsame Arbeit, biete Gelegenheit, gegenseitige Vorurteile zu überwinden, findet sie. Und bezogen auf die nunmehr 3. Werkstatt im Freien, ruft sie aus: "Es war noch nie so schön wie dieses Jahr!"

In der Tat verstehen sich die sechs Bildhauer - zwei Polen, vier Deutsche - prächtig. Die Atmosphäre, in der sie ihre Arbeiten den Biesenthalern erstmals präsentieren, ist locker. Sie überträgt sich auf die Besucher. Die nehmen das Motto, unter dem das Symposium stand - Dialog - wörtlich, haben weder Berührungsängste noch Scheu, ihre Fragen zu stellen. Denn die meisten Kunstwerke sind noch nicht fertig.

Zwei Pferdeköpfe in vertrauter Zuwendung will beispielsweise Emerita Pansowova aus einem Rüdersdorfer Kalkstein formen. Sie ist die Einzige, die ohne Maschinen arbeitet. "14 Tage sind wenig Zeit, wenn man sich noch nicht entschieden hat", sagt die Prendenerin. Nun freut sie sich, "dass ich mir das vorgenommen habe, aber ich muss mich gedulden, bis es fertig ist".

"Dialog zwischen zwei Gehirnhälften" nennt der Berliner Siegfried Pietrusky seinen Erdguss aus weißem Beton. "Ist das ein volles oder ein leeres Gehirn", wird er von einem Besucher gefragt. "Ein leeres, das voller wird", gibt der Bildhauer launig zurück.

Mit der Arbeit, die Michal Bajsarowicz aus dem polnischen Gorzów, präsentiert, können alle etwas anfangen, seine Berufskollegen ebenso wie die Besucher. Eichenholz - "lebendig, warm, flexibel" - hat er mit Metall - hart, kalt und starr" - verbunden und zu einer Bank geformt. Eine Bank "als Einladung zum Gespräch, zum Dialog", sagt der Pole, der eigentlich nicht Bildhauer ist, sondern Maler.

Seine "Kollegen auf Zeit", lassen sich diese Einladung nicht entgehen, und so nehmen sie alle gemeinsam auf der Bank Platz. Sie wollen auf jeden Fall in Kontakt bleiben, auch wenn das Symposium jetzt zu Ende ist. Die erste Einladung nach Polen ist bereits ausgesprochen. Und auch Karl-Heinz Neu versichert, dass Biesenthal nicht mehr in den Dornröschenschlaf zurückfallen wird. "Wir stehen wirklich dahinter", sagt er. Und: "Für jede neue Idee sind wir dankbar. Bleibt der Stadt treu!"

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