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Erster Blick auf die Heidezukunft

Die Zahl der Touren hat sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Auch in den kommenden Jahren werden die Ausflüge für die Öffentlichkeit die einzige Gelegenheit bleiben, das ehemalige Bombodrom aus der Nähe zu erleben.
Die Zahl der Touren hat sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Auch in den kommenden Jahren werden die Ausflüge für die Öffentlichkeit die einzige Gelegenheit bleiben, das ehemalige Bombodrom aus der Nähe zu erleben. © Foto: MZV/Trenkler
Siegmar Trenkler / 16.10.2012, 19:40 Uhr
Ostprignitz-Ruppin (MZV) Seit Juli 2009 läuft bereits die Debatte um eine zivile Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide. Gestern gab es beim Abschluss des Konversionssommers im Neuruppiner Rathaus einen ersten Ausblick auf das Nutzungskonzept.

An dem Konzept wurde seit Juni 2011 gewerkelt. Ein richtiges Ergebnis gab es gestern aber trotzdem noch nicht. Dementsprechend war der Vortrag von Hans Schaefer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Konversion im Ruppiner Land, auch mit der Unterzeile: "Ein Konzept das lebt, braucht etwas länger" versehen. "Wir haben den Abstimmungsbedarf einfach unterschätzt", gab Schaefer zu. Immerhin waren an der Erarbeitung die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Kyritz-Ruppiner Heide, der Landkreis Ostprignitz-Ruppin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und die Heinz Sielmann Stiftung beteiligt. Ende nächster Woche soll das Konzept aber endlich beim Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg eingereicht werden. Einer der Punkte, die Schaefer gestern im Neuruppiner Ratssaal vorstellte, war der Ausbau der L 15 zwischen Schweinrich und Neu Lutterow. Wenn möglich, soll die Straße einseitig einen Radweg erhalten. Umsetzen lassen werden sich diese Pläne allerdings nicht vor 2015, weil das Land kein Geld hat.

Um die geplanten Infrastrukturvorhaben der einzelnen beteiligten Kommunen - wie der Ausbau von Wegen, das Anlegen von Parkplätzen sowie ein Besucherleitsystem - umzusetzen, werden knapp drei Millionen Euro benötigt. Auf Wittstock käme dabei mit rund 1,7 Millionen Euro die größte finanzielle Belastung zu, auf das Amt Temnitz Kosten von 220000 Euro.

Je nach Akteuren werden verschiedene Schwerpunkte auf dem ehemaligen Bombodromgelände gesetzt. Dem Landkreis sind vor allem der Brandschutz und die Sicherheit von Besuchern wichtig - für die Bima steht die naturnahe, forstliche Bewirtschaftung der Flächen im Vordergrund. Die Sielmann Stiftung arbeitet unter anderem daran, in ihrem Gebiet Aussichtstürme entlang der bislang nur per Kremsertour erlebbaren Wege zu errichten, um die einzigartige Heidelandschaft mit all ihrer Artenvielfalt den Menschen zugänglich zu machen. "Wir sind guten Mutes, diese Aufgabe als Stiftung erfüllen zu können", sagte Projektleiter Lothar Lankow von der Sielmann Stiftung.

Die Gratwanderung besteht darin, die Heide einerseits für Menschen zu öffnen - Besucher aber auch aus den belasteten und gefährlichen Gebieten fernzuhalten. Bei einer Kontrolle im September sei einmal stichprobenartig überprüft worden, wer sich unerlaubt auf dem ehemaligen Bombodrom aufhält, so Ostprignitz-Ruppins Vize-Landrat Werner Nüse. Denn besonders für Pilz- und Militariasammler, aber auch für Quadfahrer und Mountainbiker sei das Gebiet interessant. Bei der Kontrolle im September wurde daher einfach geschaut, welche Pkw an den Rändern des Sperrbereiches abgestellt waren und die Besitzer - falls niemand angetroffen wurde - wurden mit Flugblättern informiert. Nach der jetzigen Verordnung des Kreises kann das illegale Betreten mit Bußgeld bis zu 5000 Euro geahndet werden.

Doch auch Überlegungen zu Gebieten, die zur Erzeugung regenerativer Energie genutzt werden könnten, sind Teil des Konzepts. "Es gibt drei Flächen in Höhe Rossow, auf denen eine EEG-Nutzung möglich wäre", sagte Schaefer. Zwar habe sich das Interesse an derartigen Arealen wegen der Kürzung der Solarförderung abgekühlt. "Wir sind aber vorbereitet, falls sich das ändert." Ein weiterer Punkt, der gestern angesprochen wurde, waren die Aufarbeitung und die Dokumentation der Geschichte des Bombodroms und der Bürgerbewegung für eine Freie Heide. Einer der Vertreter, Prof. Klaus Günther, stellvertretender Leiter der Unternehmervereinigung Pro Heide, verspricht sich von der Öffnung der Heide, Touristen durchschnittlich einen Tag länger in der Region halten zu können und somit einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil erzielen zu können.

Die gestrige teilweise Vorstellung des Konzepts rief nicht nur positive Reaktionen hervor. Ulrike Laubenthal von der Sichelschmiede - Werkstatt für Friedensarbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide bemängelte etwa, dass zu Beginn der Konzepterarbeitung noch von einer breiten Beteiligung der Bevölkerung die Rede gewesen sei. "Jetzt kriegen wir es erst zu lesen, wenn es fertig ist", sagte Laubenthal.

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