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Aktionstag am Oberstufenzentrum zeigt Berufsschülern Arbeitsmarkt-Chancen in der Ferne auf

Zur Ausbildung nach Europa

Europa im Seminarraum: Niels Dubrow vom Verein "Bürger Europas" stellt am Oberstufenzentrum Eberswalde sogenannte EU-Mobilitätsprogramme vor
Europa im Seminarraum: Niels Dubrow vom Verein "Bürger Europas" stellt am Oberstufenzentrum Eberswalde sogenannte EU-Mobilitätsprogramme vor © Foto: Andreas Karpe-Gora
Ellen Werner / 06.11.2012, 04:14 Uhr
Eberswalde (MOZ) Nichts wie weg - für Hochschüler ist ein Auslandsaufenthalt beinahe selbstverständlich. In der Ausbildung sieht das anders aus. Das Projekt "Mobil in Europa" zeigt aber auch Berufsschülern Chancen auf dem EU-Arbeitsmarkt auf.

Griechenland, Finanzkrise, deutsche Bürgschaften - Europa als politisches Konstrukt ist in den Medien ständig präsent. "Trotzdem haben viele das Gefühl, dass Europa weit weg ist", sagt Martina Michalski vom Verein "Bürger Europas". Mit dem Programm "Mobil in Europa - Ich bin dabei!", versucht der Verein Schülern sowohl die EU als auch den internationalen Arbeitsmarkt näherzubringen.

Eine seiner bundesweit 30 Veranstaltungen in diesem Jahr zu dem Thema verlegte der Verein gestern ins Oberstufenzentrum II in Eberswalde. Zirka 100 Schülers sollten dort auch Europa-Informationen aus erster Hand bekommen - die Landtagsabgeordnete Barbara Richstein (CDU)ist Vorsitzende des Europaausschusses im Brandenburger Landtag und war als Diskussionsgast eingeladen. Unter anderem führte Richstein vor, wie sehr sich die Schüler auf lokaler Ebene einbringen, um Probleme Europas zu lösen. Im Gegenzug signalisierten die Jugendlichen Interesse an Auslandsprogrammen. Mechatronik-Schüler Mark Perry etwa schlug vor, Aufenthalte im Ausland zum Bestandteil der Ausbildung zu machen.

"Das ist schwierig, weil das der Ausbildungsbetrieb finanzieren müsste", ist dem 26-Jährigen nach der Diskussion klar. "Aber kann man nicht trotzdem einen Austausch organisieren?

Reichlich Auslandserfahrung bringt Perry selbst mit. Er wuchs in Simbabwe auf, kam mit 18 nach Deutschland und hat zwei internationale Studiengänge begonnen, bevor er sich zu einer Lehre beim Windradhersteller Repower entschloss. "Bei uns haben alle die Möglichkeit, in der Ausbildung für zwei Wochen nach Irland zu gehen." Einen längerfristigen Austausch würde Mark Perry dennoch aus fachlichen Gründen befürworten. "Ich wette, jeder hier ist in einer Branche, in der das funktionieren würde."

Austauschprogramme gibt es indes bereits. Nur wissen Auszubildende davon noch immer verhältnismäßig wenig. "Bis vor fünf Jahren wurden solche Programme noch nicht so genutzt wie das hätte sein können", sagt Martina Michalski von den "Bürger Europas".

Doch die Zahl der Azubis, die einen Teil ihrer Ausbildung in die Ferne verlegen, werde inzwischen größer. "Gerade große Unternehmen legen viel Wert darauf, dass ein Mitarbeiter auch bereit ist, mal einige Zeit im Ausland zu verbringen." Von Wert ist das darüber hinaus nicht nur für den aktuellen Arbeitgeber. "Es geht auch darum, dass man mit den Auslandserfahrungen hier bessere Chancen auf einen Job hat", sagt die Projektkoordinatorin.

Erkannt haben die Schüler vom Oberstufenzentrum diesen Wert. "Nach der Ausbildung will ich weg", sagt Tobias Bendler. Österreich und die Schweiz kommen für den Koch im dritten Lehrjahr infrage. Später, nach einem Englischkurs, soll es auch weiter weg gehen. Vielleicht sogar für zehn oder 20 Jahre, sagt Tobias Bendler. "Das Ziel ist aber, dann zurückzukommen und mein eigenes Lokal aufzubauen."

Auch die 19-jährige Kristin Krumnow glaubt, dass Arbeit im Ausland für ihre Berufszukunft von Vorteil wäre. Gelernt hat sie gestaltungstechnische Assistentin, macht nun das Fachabi. Deshalb findet sie Mark Perrys Vorschlag nicht verkehrt. "Man wäre einfach reingeworfen und wäre danach froh, ein Stück Ausbildung im Ausland geschafft zu haben: Man muss sich bloß trauen."

Robert Selmke dagegen hat schon mit 22 Jahren fünf Jahre Europaerfahrung nachzuweisen. Als 17-Jähriger ging er zunächst nach Österreich. "Ich wollte mir wohl selbst etwas beweisen", sagt der gelernte Restaurantfachmann. "Je früher ich den Schritt gehe, desto besser", sei sein Credo dabei gewesen. Das Ziel seiner Arbeitsaufenthalte in Italien und der Schweiz: "Sich entfalten, Geld verdienen und sein eigenes Leben aufbauen." Für Robert war das die Erkenntnis, noch etwas Neues anzugehen. Er macht sein Fachabitur in Ernährungswissenschaften. "Ich werde in Zukunft nicht mehr kellnern."

Leonardo da Vinci heißt das Hauptprogramm, mit dem Auszubildende ins Ausland (EU) kommen. Informationen: Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn und www.na-bibb.de.

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