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Deutsch-polnisches Netzwerk eröffnet "Nowa Amerika Uniwersytät"

Michael Kurzwelly zeigt die Fahne von "Nowa Amerika Uniwersytät"
Michael Kurzwelly zeigt die Fahne von "Nowa Amerika Uniwersytät" © Foto: dapd
08.11.2012, 13:17 Uhr - Aktualisiert 08.11.2012, 13:52
Slubice/Frankfurt (dapd) Die Ortsnamen sind eigenwillige Wortkompositionen: Szwedt, Küstrzyn, Gubien, Szczettin oder Görzelic steht in knallroter Farbe auf Hockern in der Mediathek des Vereins Slubfurt, die in der Bibliothek des Slubicer Collegium Polonicum ihre Heimstatt fand. Die hölzernen Schemel mit den deutsch-polnischen Kunstnamen flankieren beiderseits einen geschwungenen blauen Tisch. "Wir symbolisieren damit die Grenzflüsse Oder und Neiße", erläutert der Künstler Michael Kurzwelly, der den Frankfurt-Slubicer Verein 1999 gegründet hatte.

"Slubfurt hat sich inzwischen auf die ganze Grenzregion ausgedehnt", sagt der 49-Jährige. So fanden sich vor zwei Jahren Enthusiasten aus beiden Ländern zur Gründung eines Netzwerks mit dem Namen "Nowa Amerika" zusammen. Als eines der ersten größeren Projekte wird am Freitag (9. November, 18.00 Uhr) im Collegium Polonicum die "Nowa Amerika Uniwersytät" eröffnet. "Ich hoffe, dass 'Nowa Amerika' mit der Uni nach außen hin sichtbarer wird", sagt Kurzwelly, der Koordinator dieses Projekts ist. Das Jahr 2013 über sind mehrere Veranstaltungen, Ausstellungen und Vorträge eingeplant: Da geht es um kulturelle Gemeinsamkeiten von Deutschen und Polen ebenso wie um unkonventionelle Methoden zum Sprachenlernen oder um Argumente gegen polenfeindliche Vorurteile. Auch eine Kunstsammlung wird am Freitag mit einer Installation namens "Financial Times" des in Berlin lebenden polnischen Künstlers Roland Schefferski eröffnet.

Bis Ende 2013 wollen insgesamt fünf Künstler Arbeiten der Stiftung des Collegium Polonicum schenken, die Partner der "Nowa Amerika Uniwersytät" sei. Zwtl.: "Nowa Amerika" reicht von Swinemünde bis Zittau Mit der Wortschöpfung "Nowa Amerika" knüpfen Kurzwelly und seine Mitstreiter an eine historische Bezeichnung an: Als Preußen-König Friedrich II. im 18. Jahrhundert das hinter Küstrin gelegene Warthebruch trockenlegen ließ, erhielten die neuen Kolonistendörfer an ferne Regionen erinnernde Namen wie Neu York, Maryland oder Jamaika, das Gebiet wurde auch Neu Amerika genannt. Heute sind diese Namen praktisch vergessen, zumal die Region seit 1945 zu Polen gehört. Doch das Netzwerk will den damaligen Pioniergeist aufgreifen. Selbst eine "Nowa Amerika"-Fahne gibt es schon. "Wir wollen bis Ende 2013 einen Reiseführer durch die Grenzregion herausbringen", sagt Kurzwelly. Es solle einen "Nowa Amerika"-Radweg geben, der beiderseits von Oder und Neiße verläuft. Auch eine Kajak-Route sei geplant. Bereits heute gibt es ein Faltblatt von "Nowa Amerika", das von Swinemünde im Norden bis Zittau im Süden reicht. "Wir kehren Peripherie und Zentrum um, Oder und Neiße liegen in der Mitte", sagt Kurzwelly.

Berlin und Poznan (Posen) sind am Rand. Der Künstler Andrzej Lazowski aus Szczecin (Stettin) hatte seinerzeit angeregt, Slubfurt zu erweitern: In Stettin wisse man nicht, was etwa in Görlitz passiere, hatte Lazowski begründet. Heute sind in dem Netzwerk unter anderem Künstler, Wissenschaftler, Lehrer und Journalisten dabei, Menschen aus der Grenzregion, aber auch von weiter her. Dazu gehören Magda Zietkiewicz und Przemyslaw Konopka, die in Chojna den Verein Terra Incognita gründeten: "Viele kennen gar nicht das Gebiet, in dem wir leben, wir wollten mehr wissen", sagen sie zur Motivation, in dem Netzwerk mitzumachen.

Die Idee dahinter sei die Stärkung der Bürgergesellschaft, sagt Kurzwelly: "Es gibt viele von oben organisierte Ideen oder Feste in der Grenzregion. Wir dagegen nehmen die Dinge selbst in die Hand." Am Sitz der neuen "Uni" in Slubice wird das "Nowa Amerika"-Projekt geschätzt: Der Leiter des Collegium Polonicum, Krzysztof Wojciechowski, stellt Räume zur Verfügung und will auch zur Uni-Eröffnung sprechen. Und Vize-Bürgermeister Piotr Luczynski sagt: "Die Grenzregion wird durch das Projekt enger verbunden." Bund und Euroregion sehen das offenbar ähnlich: So fördert die Kulturstiftung des Bundes das Netzwerk "Nowa Amerika" nach Kurzwellys Angaben bis Ende 2013 mit 60.000 Euro. Das Uni-Projekt habe ebenfalls ein Volumen von 60.000 Euro, die Gelder kommen hier vor allem aus EU-Mitteln. "Wir müssen uns schon jetzt Gedanken machen, wie wir das weiterfinanzieren", sagt er. Das werde ein Thema eines Kongresses der Nowo-Amerikaner am Wochenende in Slubice sein.

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