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11.11.2012 07:26 Uhr

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Großes Interessse an künstlicher DNA

Frankfurt (Oder) (DPA) Unsichtbar machen gegen Organisierte Kriminalität? Die Skepsis gegen künstliche DNA war anfangs groß. Allmählich scheint sich die neue Sicherheitstechnik aber zu bewähren.

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Frankfurt (Oder)/Bremen (dpa/bb) - Langfinger könnten es bald schwer haben. Der zunehmende Einsatz von künstlicher DNA (kDNA) dürfte sie abschrecken. Die unscheinbare Flüssigkeit kann neuerdings auf Autos und Wertgegenstände gesprüht werden. In Pilotprojekten in den Ländern Bremen und Brandenburg wird kDNA seit einiger Zeit getestet. Nun sieht es so aus, als könnte diese Sicherheitstechnik flächendeckend in Deutschland zum Einsatz kommen.

Von den Behörden anderer Bundesländer gebe es immer mehr Anfragen, sagt Eckhard Strobel von der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder). Aber auch Großunternehmen wie Vattenfall und Deutsche Bahn investierten schon sechsstellige Beträge in künstliche DNA.

Strobel leitet das kDNA-Pilotprojekt in der Grenzregion zu Polen, wo es besonders viele Einbrüche und Fahrzeugdiebstähle gibt. Das Brandenburger Innenministerium musste zu Jahresbeginn drei Hundertschaften der Polizei zur Kriminalitätsbekämpfung schicken. Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen 2007 blüht der Transit von Diebesgut. Die Kriminellen zerlegen beispielsweise Autos in Einzelteile und verkaufen sie auf dem Zubehörmarkt. So ist eine Rückverfolgung für Ermittler sehr schwierig.

Wenn gestohlene Wertgegenstände dagegen mit künstlicher DNA besprüht sind, können sie wiedererkannt werden, etwa bei einer Polizeikontrolle. Denn mit der Flüssigkeit wird ein Code aufgetragen, der unter UV-Licht zum Vorschein kommt - und den rechtmäßigen Besitzer verrät. Aber Langfinger werden schon vorher gewarnt: Mit Aufklebern, die auf kDNA-Gegenstände hinweisen.

In Frankfurt scheint die Abschreckung zu funktionieren. 800 "Home-Kits" mit künstlicher DNA wurden bislang an Haushalte ausgegeben. "Bislang ist alles, was markiert wurde, nicht angefasst worden", sagt Polizist Strobel. Auch eine aktuelle Studie des Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung (IPOS) und der Hochschule für Öffentliche Verwaltung Bremen (HfÖ) zeigt, dass Kriminelle um kDNA-besprühte Gegenstände eher einen Bogen machen. Unter Straftätern in den Haftanstalten Bremen und Uelzen gaben 40 Prozent der Befragten an, dass sie von kDNA-Warnschildern abgeschreckt würden.

Mit einer Zwischenbilanz tun sich die Sicherheitsbehörden trotzdem schwer. Ein Problem ist, dass meist nach der Kriminalitätsstatistik gefragt wird - und da gibt es keine große Veränderung. Im Land Brandenburg seien bisher nur zwei Fälle bekannt, bei denen gestohlene Gegenstände durch die Markierung von kDNA dem Besitzer zugeordnet werden konnten, erklärte Innenminister Dietmar Woidke (SPD) jüngst in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. Aber der Einsatz von kDNA sei eine "recht junge Methode" der Kriminalprävention. "Eine abschließende Einschätzung auch der präventiven Wirksamkeit dieser Maßnahmen wäre deshalb verfrüht."

In Bremen wird künstliche DNA heute in 6000 Haushalten eingesetzt. Dort musste Projektleiter Uwe Schröter einräumen, dass die Zahl der Einbrüche nicht entscheidend zurückgegangen sei. Medien berichteten vom Ende eines "Wundermittels" und "verflogenem Zauber". Der Sprecher der Bremer Innenbehörde, Rainer Gausepohl, weist die Kritik zurück. Von Wundermittel sei nie die Rede gewesen. Viele Erwartungen, die mit kDNA verbunden waren, hätten sich zwar nicht erfüllt. Am Einsatz werde aber weiter festgehalten, sagt Gausepohl.

Auch in der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder) warnen die Beamten vor verfrühten Bilanzen und überzogenen Erwartungen. Künstliche DNA sei eine von vielen Maßnahmen in der Kriminalitätsbekämpfung. "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es eine erfolgreiche Maßnahme ist", sagt Polizeihauptkommissar Strobel. Sein Privatauto habe er auch schon besprüht.

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