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Bernau will Verkehrsleitplanung bis 2025 fortschreiben / Einwohnerversammlung stellt Projekt von Stadt und Land vor

Wenn die Bürger mitreden können...

Gefährliches Bernau: Für Fußgänger und Radfahrer werde in der Stadt zu wenig getan, meint diese junge Frau. Insbesondere die Überquerung der Kreuzung Ulitzka-/Ecke Börnicker Straße sei lebensgefährlich
Gefährliches Bernau: Für Fußgänger und Radfahrer werde in der Stadt zu wenig getan, meint diese junge Frau. Insbesondere die Überquerung der Kreuzung Ulitzka-/Ecke Börnicker Straße sei lebensgefährlich © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 14.11.2012, 20:19 Uhr
Bernau (MOZ) Der Verkehr soll fließen, aber lautlos, und die Luft muss rein bleiben. Auf diesen Nenner kann man die Aufgabenstellung bringen, die zwei Planungsbüros in Berlin und Freiburg für Bernau erhalten haben. Auf einer Einwohnerversammlung stellten sie das Projekt "Verkehrsleitplanung 2025" vor.

Wer am Dienstagabend erwartet hat, dass die Planer Empfehlungen geben, wie beispielsweise neuralgische Verkehrspunkte in der Stadt entschärft, Fahrzeugströme umgeleitet oder Anwohner vor Lärm und Staub geschützt werden können, wird enttäuscht. Soweit sind sie längst nicht. Zwar haben sie bereits einige Untersuchungen angestellt, beispielsweise an den Hauptverkehrsstraßen Fahrzeuge gezählt oder die Lärmbelästigung im Umfeld von Autobahn, Bahnschienen und Straßen hochgerechnet, doch konkrete Empfehlungen und Maßnahmen können sie noch nicht nennen.

So rettet sich Eckhart Heinrichs von der LK Argus Berlin erst einmal in allgemeine Feststellungen, wie etwa in eine Untersuchung, durch welche Art von Lärm sich die Bundesbürger am meisten gestört fühlen. 57 Prozent geben Straßenverkehrslärm an, 38 Prozent Lärm von Nachbarn. "Je lauter es am Wohnort ist, desto größer ist das Risiko, krank zu werden", nennt der Verkehrsplaner aus Berlin eine weitere wissenschaftliche Erkenntnis. Und weil er mit einem Arzt gesprochen hat, weiß er: "Der Körper reagiert auf Lärm mit erhöhtem Blutdruck".

In Bernau ist die Autobahn der "größte Lärmerzeuger". Sie strahlt weit in die Fläche 50 Dezibel aus. "Das ist schon eine ganz ordentliche Belastung", sagt Heinrichs. Auch der Krach von der Lohmühlen-, der Jahn- und der August-Bebel-Straße ist nicht ohne. 1100 potenziell gesundheitsgefährdete Bernauer gibt es. Sie sind in der Nacht einem Lärm von mehr als 55 Dezibel ausgesetzt. Weitere 3800 Bernauer fallen unter die Kategorie "erheblich belastet". Welchem Lärm diejenigen ausgesetzt sind, die in der Nähe von Bahnschienen wohnen, können die Planer nicht sagen. Das Bundeseisenbahnamt sei verpflichtet, eine so genannte Lärmkarte zu erstellen, die sei aber nicht vor 2014 fertig, sagen sie.

Was den Straßenverkehr in Bernau anbelangt, so gab es seit der letzten Verkehrsplanung 1994 nur eine geringfügige Zunahme. 20750 Fahrzeuge in 24 Stunden wurden in der Jahnstraße gezählt, immerhin noch 10000 bis 20000 Fahrzeuge passieren die Straßen in der Innenstadt. Es gibt noch eine Reihe von Gehwegen mit Handlungsbedarf, etwa in der Oranienburger Straße zwischen Schönower Chaussee und Fichtestraße, in der Wandlitz- oder der Puschkinstraße. "Ein großes Problem" in Bernau seien jedoch die Querungshilfen für Fußgänger, hat die Bestandsaufnahme ergeben.

Alles, was die Planer am Dienstag sagen, ist für die Bernauer nicht neu. Sie sind gerufen worden, um die frühzeitige Beteiligung der Bürger an den Planungen sicherzustellen, sagt Bürgermeister Hubert Handke, der Versammlungsleiter. "Wir nehmen ihre Anregungen auf."

Etwa 70 Frauen und Männer sind in die Stadthalle gekommen, rund ein Drittel darunter Stadtverordnete oder Mitarbeiter der Verwaltung. Diejenigen, die sich zu Wort melden, sprechen Themen an, die vielen schon lange auf den Nägeln brennen: die seit rund 15 Jahren geforderte Entlastungsstraße für Bernau, der Lkw-Verkehr auf dem Schönfelder Weg oder das Blumenhag-Viertel, in dessen Anliegerstraßen der Durchgangsverkehr Tag und Nacht rollt. Vor allem junge Mütter und Väter monieren die unsicheren Radwege, beispielsweise von Bernau-Süd in Richtung Innenstadt oder entlang der Breitscheidstraße. Applaus gibt es auch für einen älteren Bernauer, der kritisiert, dass es an die überörtlichen Radwege wie zum Liepnitzsee keine Anbindung durch die Stadt gibt.

Stadtverordneter Norbert Hollmann (Linke) will von den Planern wissen, wie sich die Verkehrsströme in den letzten Jahren entwickelt haben. Ihre Antwort ist überraschend: Der überörtliche Verkehr hat gegenüber 2002 deutlich abgenommen und macht nur noch einen Anteil am Gesamtverkehr von 13 Prozent aus. Der Binnenverkehr in der Stadt - Start und Ziel liegen in Bernau - machen 40 Prozent aus. Und der so genannte Quell-Ziel-Verkehr, bei dem Start- oder Zielpunkt in Bernau liegen - im Wesentlichen also die Pendler - stellen 47 Prozent der Fahrzeuge auf der Straße. "Der Pendlerverkehr hat erheblich zugenommen", stellt Eckhart Heinrichs fest. Bestätigung für Jürgen Althaus (SPD) und andere Stadtverordnete, die die Sinnhaftigkeit der Gebühren für die neuen Parkhäuser infrage stellen.

Taxi-Unternehmer Rudolf Windfuhr mahnt in Richtung Rathaus, bei der Verkehrsplanung die Gewerbetreibenden einzubeziehen, "sonst haben wir wieder so ein Fiasko wie am Bahnhof". Bürgermeister Handke verweist auf die nächste Stufe der Einwohnerbeteiligung: Im Januar soll der Planungsentwurf öffentlich ausgelegt werden. Und Bauamtsleiterin Sylvia Hirschfeld versichert, sie sie jederzeit für die Bürger da.

Unterlagen zur Verkehrsplanung unter www.bernau-bei-berlin.de

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Auch Betroffener 16.11.2012 - 18:19:58

Irrweg

Nicht nur in Bernau wird solch ein Irrweg beschritten.Schauen sollte man auch nach Panketal.Hier regiert ein Polizeibeamter als Bürgermeister und Lobbyist für die Autofahrer zusammen mit der überwiegenden Anzahl sogenannter Gemeindevertreter mit der Parole : "Der Verkehr muß rollen".Beschwerden gegen zu schnelles Fahren,Lärm und Abgase und die sich daraus entstehenden Krankheiten werden mit hochprofessionaler sozialdemokratischer Art(wenn überhaupt) beantwortet bzw.abgelehnt. Sollte dieser Umgang mit den Bürgern nach der "Wende"nicht Schluß sein?

Dr.-Ing. Frank Valentin, BVB/Freie Wähler 15.11.2012 - 15:37:39

Irrweg

47 Prozent - fast die Hälfte - des Verkehrs resultieren also aus dem Irrweg der Entwicklung Bernaus zur reinen Schlafstadt. Ohne dass man sich von Seiten der Stadtverwaltung um weitere Arbeitsplätze für die Einwohner bemüht. Abgase, Lärm, Stau, Stress, in Verkehrsmitteln vertrödelte Lebenszeit wegen eines lernunwilligen und - unfähigen Bürgermeisters, der die Zukunft dieser Stadt nicht im Blick hat. Kommentar eigentlich überflüssig.

Günter 15.11.2012 - 08:19:43

Mühlentor

Würde gern von den Fachplanern erfahren, welche Auswirkung der Mühlentor-Neubau in diesen Zusammenhang hat ?

Günter 15.11.2012 - 08:19:34

Mühlentor

Würde gern von den Fachplanern erfahren, welche Auswirkung der Mühlentor-Neubau in diesen Zusammenhang hat ?

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