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27.11.2012 21:20 Uhr

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Der mysteriöseste Mordfall des Jahres

Berlin (dpa) In Neukölln wurde im April auf fünf Migrantensöhne geschossen. Burak B. stirbt, zwei Freunde werden schwer verletzt. Für viele Berliner ist es der mysteriöseste Mordfall des Jahres. Denn auch knapp acht Monate später fehlt von dem Täter jede Spur.

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Eine Tafel mit Unterschriften in Gedenken an Burak

© dpa

Die Zeit heile alle Wunden, sagt man. Aber die Wunden von Familie B. heilen vielleicht niemals. "Es tut so weh", sagt Mutter Melek schluchzend. Die 43-Jährige kämpft mit den Tränen, aber sie will doch auch reden: über Burak, ihren ältesten Sohn. "Er war ein so guter, fröhlicher Junge". Bis zum 5. April, da wurde er ihnen entrissen.

Es passierte gegen ein Uhr nachts in der Rudower Straße in Neukölln. Burak war im Fitnessstudio, danach stand er mit seinen Freunden noch eine Weile auf der Straße. Die Jungs albern, rauchen, trinken etwas. Plötzlich erscheint ein Unbekannter und schießt ohne Vorwarnung auf die Gruppe. Der 22-Jährige Burak stirbt im Kugelhagel, zwei Freunde werden lebensgefährlich verletzt. Der Täter flüchtet, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben.

Danach vermuten viele einen rechtsradikalen Hintergrund. Todesschüsse auf Migranten, vom Täter keine Spur - das erinnert an die Mordserie der Neonazi-Zelle NSU. Das Trio aus Zwickau soll aus Fremdenhass neun Männer türkischer und griechischer Herkunft getötet haben. Diesmal dachte die Berliner Polizei sofort an ein fremdenfeindliches Motiv. Ja, sagt Bernhard Jaß, die Vorgänge um den NSU hätten die Beamten "sensibilisiert".

Jaß ist Leiter der 6. Mordkommission beim Landeskriminalamt. Seit über einem halben Jahr versuchen er und seine Kollegen, den Mörder von Burak B. zu fassen - ohne Erfolg. Anfangs arbeiteten zehn Beamte an dem Fall, plus diverse Kriminaltechniker. Über 100 Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein. Eine heiße Spur gibt es bis heute nicht. "Wir haben keine Vorstellung über das Tatmotiv", sagt Jaß.

Meist seien Tötungsdelikte Beziehungstaten. Dass eine Mordkommission so lange völlig im Dunkeln tappt - "das ist absolut selten", sagt Jaß. Und auch unbefriedigend und psychisch belastend für ihn und die Kollegen. "Die Trauer, das Leid der Familie ist riesengroß." Aber es gebe auch Ansporn, den Täter endlich zu fassen. Nun soll bald die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungeklärt" mithelfen, den Fall zu klären. 15 000 Euro Belohnung sind ausgesetzt.

Für die Eltern des getöteten Burak B. ist die Ungewissheit eine Qual. "Ich erwarte mehr von der Polizei", klagt Vater Ahmet. "Sieben Monate sind genug Zeit, um den Fall zu lösen." Das eigene Kind zu verlieren, ist für Eltern das Schlimmste auf der Welt. Aber nicht zu wissen warum, macht krank. "Vielleicht lebt der Mörder hier in der Gegend! Läuft an unserem Haus vorbei!"

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