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Ortsvorsteher kämpft um Zughalt

Zug soll wieder halten: Dolgelins Ortsvorsteher Michael Pfeiffer will den verwaisten Bahnhof am Dorf reaktivieren, damit Lindendorfer Schüler besser zum Gymnasium nach Wriezen kommen.
Zug soll wieder halten: Dolgelins Ortsvorsteher Michael Pfeiffer will den verwaisten Bahnhof am Dorf reaktivieren, damit Lindendorfer Schüler besser zum Gymnasium nach Wriezen kommen. © Foto: Johann Müller
Ines Rath / 28.07.2015, 23:39 Uhr
Dolgelin (MOZ) Neun Schüler aus der Gemeinde Lindendorf und umliegenden Dörfern werden ab dem neuen Schuljahr das Johanniter-Gymnasium in Wriezen besuchen. Der kürzeste Schulweg wäre die Bahnfahrt von Dolgelin aus - wenn der Zug dort wieder hielte. Ortsvorsteher Michael Pfeiffer setzt alle Hebel in Bewegung.

Die bisherige Planung sieht vor, die Schüler aus den Lindendorfer Ortsteilen Libbenichen, Dolgelin, Sachsendorf und aus dem benachbarten Lietzen ab dem Beginn des neuen Schuljahres morgens mit einem Shuttlebus einzusammeln und zum Seelower Bahnhof zu bringen, wo sie in den NEB-Zug nach Wriezen steigen. Doch an der Bahnstrecke liegt auch Dolgelin, dessen Bahnhof seit 2008, nachdem die Schrankenanlage saniert worden war, geschlossen ist.

Züge haben dort schon seit Anfang der 90-er Jahre nicht mehr gehalten. Eine so genannte Potenzial-Analyse im Auftrag der Bahn hatte damals ergeben: Die Zahl der Fahrgäste lohne den Halt in Dolgelin, wie an den meisten anderen kleinen Bahnhöfen an der Regionalbahnstrecke Frankfurt-Eberswalde nicht mehr.

Doch die Zeiten ändern sich. Neun Schüler, die den Zug täglich zweimal nutzen, sind für Michael Pfeiffer ein guter Grund, den Dolgeliner Bahnhof zu reaktivieren. Doch nicht der einzige. Auch die Dolgeliner Grundschüler und Kita-Kinder würden die Regionalbahn gern für Klassenfahrten und Ausflüge nutzen, weiß der Ortsvorsteher.

Pfeiffer fragt sich zudem, warum der Zug während der Adonisröschenblüte für Wanderer in Schönfließ hält und das in Dolgelin nicht möglich sein soll? Wo doch im Lindendorfer Ortsteil die gelben Schönen nicht drei Kilometer entfernt wachsen, wie im Falle von Schönfließ, sondern "gleich über die Straße", wie Pfeiffer mit Blick auf die Dolgeliner Berge sagt, die gleich hinterm Bahnhof beginnen.

Das Problem ist: Einen Bahnhof gibt es, im betrieblichen Sinne dort nicht mehr! "Aktuell ist Dolgelin kein Bahnhof, also keine Betriebsstelle im Sinne der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung mehr", heißt es dazu aus der Pressestelle der Bahn AG.

Aus Sicht der DB Netz AG wäre ein Halt in Dolgelin dennoch "kein Problem, sofern der neuerliche Halt den Fahrplan nicht gefährdet", erklärt die Bahn-Sprecherin weiter. Dazu müsste allerdings "ein Bahnsteig samt Zugang für die Reisenden errichtet bzw. erneuert und fahrplantechnisch ein Haltepunkt eingerichtet werden", sagt sie.

Bis zum Beginn des neuen Schuljahres dürfte das kaum zu machen sein. Doch Michael Pfeiffer will nicht locker lassen. Er hat sich mit der Bitte um Unterstützung an Landrat Gernot Schmidt, an den CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz sowie an die Landtagsabgeordneten Simona Koß (SPD) und Kristy Augustin (CDU) gewandt.

Denn Tatsache ist: Das Land bestellt den Zugverkehr, einschließlich aller Halte - wenn der Bedarf dafür nachgewiesen ist.Den Nachweis zu erbringen, könnte schwer werden. Denn der Landkreis richtet seinen öffentlichen Personennahverkehr "nach den öffentlichen Schulen aus", wie Danny Wollank aus dem Wirtschaftsamt der Seelower Kreisverwaltung erinnert. Das Wriezener Johanniter-Gymnasium aber ist eine Privatschule.

Auch wenn Lindendorfer wie Werner Schulze-Kahleyss argumentieren, dass Bedarfshalte am Morgen und Nachmittag in Dolgelin ja reichen würden, hält der Vertreter des Kreis-Wirtschaftsamtes dagegen: Mit jedem Halt werde die Gesamtreisezeit größer, sinke die "Streckenqualität". Eine alternative durchgängige Busverbindung gibt es nach Wriezen ebenfalls nicht. Davor überschneiden sich die Gebiete der Barnimer und der Märkisch-Oderländer Busverkehrsgesellschaften. Man sei dem Johanniter-Gymnasium schon entgegen gekommen, indem Busfahrzeiten gen Wriezen nach dem Fahrplanwechsel "optimiert" wurden, sagt Danny Wollank. Bleibt den betroffenen Schülern und ihren Eltern also doch nur der teure Shuttlebus nach Seelow?

Kommentare

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R Schinkel 29.07.2015 - 08:04:46

Suizidgefährdet ?

Auch wenn der Ortsbahnhof geschlossen ist, sind die Gleise immer noch befahren. Der Ortsvorsteher mit der dunklen DDR Vergangenheit sollte das wissen, wenn er sich posierend auf das Gleis zum fotografieren stellt.

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