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Jürgen Liebezeit 18.12.2012 18:28 Uhr - Aktualisiert 19.12.2012 05:07 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Ist Tomate Gemüse oder Obst?

Hohen Neuendorf (MZV) Das Internet ist eine Spielwiese. Das hat sich der Hohen Neuendorfer Lehramtsstudent Paul Aurin zunutze gemacht und sich ein ungewöhnliches Spiel ausgedacht. Vergangenen Freitag war Premiere für die erste "Wikilink-Challenge" im Computer-Kabinett des Marie-Curie-Gymnasiums.

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Konzentriertes Klicken: Josephin Meller (rechts) kam am besten mit den Wortketten zurecht. Sie gewann den Wettbewerb. Alle Ergebnisse gibt es hier: http://wikilink-challenge.blogspot.de.

© MZV

Dort trafen sich 14 Schüler und Studenten, um möglichst schnell auf der Internetseite des Lexikons "Wikipedia" von einem vorgegebenen Artikel zum nächsten zu kommen, wobei nur die Hyperlinks (das sind die blau markierten Wörter, die zur nächsten Definition im Online-Lexikon führen) in den Artikeln benutzt werden dürfen. Beispiel: Gestartet wird mit dem Begriff "Angela Merkel", Ziel ist der Begriff "iPad". Wer die Tastatur benutzt, wird disqualifiziert. Sie darf lediglich gebraucht werden, um das von Aurin entwickelte Computer-Programm zu starten.

Am Freitag wurden insgesamt zehn Runden mit Wortketten gespielt. Dabei gab es auch zwei Bonus-Runden. Einmal ging es darum, mit möglichst wenigen Links zu einem Zielbegriff zu kommen, das andere Mal mussten die Teilnehmer es genau mit sieben Klicks schaffen. Jeder Spieler hat zudem einen Joker. Den kann er einsetzen, um eine Runde noch einmal starten zu können. Das Programm registriert die Zeit, die gebraucht wird, um zum Zielwort zu kommen. "Wir suchen kluge Köpfe, die Texte schnell erfassen, ihr Fach- und Allgemeinwissen effizient einsetzen und vorausschauend in vernetzten Strukturen denken können", erläutert der Hohen Neuendorfer Spiele-Erfinder.

Das konnte Josephin Meller am Freitag am besten. Sie brauchte insgesamt weniger als 15 Minuten für alle zehn Runden. "Es hat richtig Spaß gemacht", sagte die 20-jährige Lehramtsstudentin aus Hohen Neuendorf, die häufiger an Spielen, die Paul Aurin organisiert, teilnimmt. Ihren Tagessieg führt sie auf eine gewisse Erfahrung mit dem Internet-Lexikon Wikipedia zurück. Zudem habe sie Paul bei der Entwicklung des Spiels etwas geholfen und sich Wortketten für Spieltests ausgedacht.

Auch die anderen Teilnehmer waren überrascht vom Spaßfaktor des Spiels. Schon während der Spielrunden offenbarten einige zur Freude der anderen große Wissenlücken. So fragte ein Schüler in die Runde, ob die Tomate ein Gemüse sei oder doch eher zum Obst gehöre. Ein anderer bekannte freimütig, dass er das Wort Autismus nicht kenne.

Gut 40 Stunden hat Paul Aurin gebraucht, bis er die Regeln und die Software für das Spiel konzipiert hatte. Für den 23-jährigen Hohen Neuendorfer ist das ein Hobby, das immer mehr junge Leute begeistert. Aurin bietet regelmäßig in seiner Heimatstadt Spiele an, die viel mit modernen Medien wie Internet oder Smartphones zu tun haben.

Ausprobiert:

Generation iPad surft auch nur mit Wasser

 

Ich habe mich ganz schön alt gefühlt, als ich zwischen all den jungen Leuten saß, um mit ihnen um die Wette durchs Internet zu klicken. Aber die Generation iPad surft auch nur mit Wasser. Das stellte ich mit großer Erleichterung nach der ersten Runde fest. Platz 8 von 14. Wir mussten von den Bremer Stadtmusikanten zu Tomatensaft kommen. Knappe fünf Minuten habe ich gebraucht. Runde 2 (von Inception zu Honigbiene) erledigte ich in 56 Sekunden: Top-Wert: ;-). Von Lasagne zu Pablo Picasso kam ich immerhin in 2:32 Minuten. Schnellster in der Gruppe wurde ich damit nicht: Die Top-Zeit lag bei 31 Sekunden. So ging es weiter. Nach der Hälfte der Spiele rangierte ich unter den Top 10 und war zufrieden. Doch dann kam mein persönlicher Absturz. Ich fand keinen Weg von der Lufthansa zum Polarlicht, selbst mein Joker und ein Umweg über den Papst haben mir nicht geholfen. Und zum Abschluss wollte der Kapuzineraffe nicht unbedingt zu McDonald's. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, zweifelte an meinem Allgemeinwissen und wurde mit zunehmender Dauer unkonzentriert. Meine Gegner kamen dagegen immer besser in Fahrt. Bei dem Spiel zählt offenbar auch die Erfahrung im Internet, die mir die jungen Leute voraushaben. Am Ende reichte es für Platz 10 mit einer Gesamtzeit von 39:03 Minuten. Egal. Spaß hat's gemacht.Jürgen Liebezeit

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