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Psychische Leiden nehmen zu

Heike Stachowiak / 03.11.2009, 19:34 Uhr
Bad Freienwalde/Seelow () Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Problemen. Im Landkreis Märkisch-Oderland ist die Zahl der psychischen Erkrankungen im Jahr 2008 um 23,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport 2009 hervor. Der wurde gestern in der Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde vorgestellt.

Insgesamt ist der Krankenstand im Landkreis Märkisch-Oderland zwar mit 4,1 Prozent der erwerbstätig Versicherten konstant geblieben, liege aber immer noch über dem Landesdurchschnitt von 3,3 Prozent, berichtete Sonja Betker, Leiterin des Versorgungsmanagements im DAK-Regionalzentrum Potsdam. Das hat zum sechsten Mal in Folge den Gesundheitsreport erarbeitet. Die häufigsten Krankmeldungen im Land gibt es demnach in Frankfurt (Oder). Dort liegt der Krankenstand bei 4,8 Prozent. Die wenigsten Erkrankungen mit 3,6 Prozent werden in der Uckermark gemeldet.

Laut Sonja Betker leiden die Beschäftigten in Märkisch-Oderland am häufigsten unter Erkrankungen am Muskel-Skelett-System, u. a. Rückenbeschwerden. Hier liegt die Zahl der Erkrankungen bei 23,1 Prozent, gefolgt von Beeinträchtigungen der Atemwege mit 18,9 Prozent. Wegen Verletzungen, zum Beispiel durch Skiunfälle oder Unfälle im Haushalt, mussten 2008 insgesamt 13,2 Prozent der Beschäftigten der Arbeit fern bleiben. Die Zahl der psychischen Erkrankungen belief sich auf 8,8 Prozent.

Gerade letztere Leiden sind oft von langer Dauer. 2008 haben in Märkisch-Oderland die psychischen Erkrankungen um 23,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Die Ursachen sind vielschichtig. "Immer weniger Menschen müssen immer mehr leisten", so Sonja Betker. Die Belastungen am Arbeitsplatz nehmen zu, Leistungsdruck, Jobverlust, Konkurrenzdenken. Das wiederum führe ihrer Meinung nach zu einer höheren Akzeptanz von "Doping am Arbeitsplatz". Ein Thema, das bisher noch nicht so publik gemacht worden sei wie etwa im Sport, das aber von großer Brisanz ist. Das zeigen die aktuellen Zahlen.Zwei Prozent der Arbeitnehmer in Brandenburg, schätzungsweise 21 000, greifen regelmäßig am Arbeitsplatz zur Pille, um leistungsfähiger zu sein.

Laut einer bundesweiten Befragung sei zudem 44 Prozent der Befragten (3017 Personen zwischen 20 und 50 Jahren) bekannt, dass Medikamente zur Therapie von Alzheimer oder Depressionen auch bei Gesunden wirken können. Gut 20 Prozent würden ferner meinen, dass für Gesunde die Risiken im Vergleich zum Nutzen vertretbar sind. Und immerhin mehr als 21 Prozent hätten die Erfahrung gemacht, dass ihnen ohne medizinisch triftige Gründe Arzneimittel zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit oder Stimmung empfohlen wurden. 19 Prozent würden mindestens eine Person kennen, die als Gesunde ohne Therapienotwendigkeit derartige Medikamente einnimmt bzw. eingenommen hat.

Dabei "dopen" sich Männer und Frauen unterschiedlich. Während 50,1 Prozent der Frauen bei depressiven Verstimmungen Tabletten schlucken, sind es nur 14 Prozent der Männer. Das Blatt wendet sich z. B. bei Konzentrationsstörungen. Hier greifen 20,6 Prozent der Männer, aber nur sieben Prozent der Frauen zur Pille. Eingenommen werden solche Medikamente wie Ritalin (bei ADHS), Nootrop (bei Demenz) oder Fluctin (bei Depressionen).

Laut Expertenmeinung sei im Zuge der freien Verfügbarkeit und von neuen Präparaten mit weniger Nebenwirkungen nicht auszuschließen, dass "Doping am Arbeitsplatz" eher zunehmen werde, so Sonja Betker. Doch der Wunsch, immer perfekt zu sein, lasse sich nicht durch Medikamente erfüllen. Auf lange Sicht bestehe Suchtgefahr, warnt die Expertin und verweist auf das Gesundheitsmanagement der DAK. Danach bezuschusst die DAK ihren Versicherten zum Beispiel jährlich zwei Angebote der Prävention (maximal 150 Euro). In der betrieblichen Prävention bietet die DAK Unternehmen ihr Bonusprogramm an (3000 Euro Anreiz).

Auskunft gibt u. a. das DAK-Beratungstelefon unter der Rufnummer 01801 325326.

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