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Da schlägt das Herz des Finders höher

Zu den undstücken am Kloster Lindow gehörte dieser Miniatur-Ofen.
Zu den undstücken am Kloster Lindow gehörte dieser Miniatur-Ofen. © Foto: MZV/ADB Dressler
Christian Schönberg / 22.01.2013, 17:54 Uhr
Lindow/Glienicke (MZV) Der Ofen, der auf einen Handteller passt, lässt Torsten Dressler immer noch rätseln. Aus dem Schutt des Kellers auf dem Lindower Klostergelände ist der gut erhaltene Winzling von dem Archäologen geborgen worden. "Sowas", sagt Dressler, "habe ich auch noch nicht gehabt."

Für die Suche nach dem Sinn des Dings - wenn er sich denn finden lässt - bleibt dem Leiter des Archäologiebüros ADB noch etwas Zeit. Erst am 14. und 15. März gibt es den Auftritt bei der Jahresberichtskonferenz des zuständigen Landesamts. Dass die Ausgrabungen am Lindower Kloster Teil dessen sind, zeigt, dass sie zu den bedeutendsten des vorigen Jahres in der Mark gehören.

Tatsächlich haben sich seit den 1930er Jahren - bis auf ein paar sporadische Funde - keine hauptamtlichen Ausgrabungsforscher mehr nach Lindow bemüht. Dabei scheint die wahrscheinlich 1240 erbaute Klosteranlage am Wutzsee ein spannendes Experimentierfeld per se zu sein. Dressler rückte mit seinen Mitarbeitern nun an, weil das Klosterstift die Gemäuer der Anlage stabilisieren ließ. Dazu gehörte auch das Freilegen des Kellers. "Er war völlig verfüllt", so Dressler. Teilweise habe es sich um Material gehandelt, das quasi hineingeschaufelt worden ist. Zum Teil war schlichtweg Einsturzmaterial aus dem verwitternden Innenwänden.

Den Archäologen gelang es, viele Dinge zu entdecken, was unter der alten Gewölbedecke und dem dichten Erdreich lange Zeit verschüttet war. "Der Keller war unterschiedlich gemauert gewesen", sagt Dressler. Das Mischmauerwerk bestand zum einen aus Feld-, zum anderen aus Backsteinen, was auf den Ursprungsbau und eine spätere Ausbesserung hinweist.

Zudem kam der Treppenabgang ans Tageslicht. "Die Stufen waren noch erhalten", so Dressler. Ihm zufolge war es "ein Glückstreffer", dass der Zugang zur großen Kellerkammer in seiner ursprünglichen Position festgehalten werden konnte. Bei einem Keller, den man jahrhundertelang quasi nur wie eine Abraumhalde benutzt hat, sei das nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Anhand der Entdeckungen konnten dann die Bauarbeiten wesentlich näher am Originalzustand erfolgen. Lediglich die Gewölbedecke ist aufgrund ihres schlechten Zustands komplett ersetzt worden (RA berichtete).

Im Keller entdeckte man neben dem größeren Raum zudem noch eine kleinere Kammer. Sie ist laut Dressler noch nicht freigelegt. "Das ist erst für dieses Jahr geplant", sagt er.

Zu den Feinarbeiten gehörte schließlich, das aus verschiedenen Bruchstücken und vor allem Sand bestehende Füllmaterial des Kellers zu sieben. Den Goldschatz, den Stiftkapitel-Vorsitzender Horst Borgmann zu Beginn der Bauarbeiten mehr im Scherz zu finden hoffte, hob man nicht. Gefunden wurden aber unter anderem zwei Gedenkmedaillen.

Die ältere der beiden erinnert an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Offenbar war es ein Teilnehmer des Feldzuges, dem sie gehörte. Das deuten zumindest die eingravierten Worte "Dem siegreichen Heere" an.

Bei der jüngeren handelte es sich um eine Erinnerung an den 100. Geburtstag des Kaisers Wilhelms I. Auf dem Medaillon von 1897 wird ihm sogar als Wilhelm dem Großen gehuldigt - eine Bezeichnung, der anders als bei Preußenkönig Friedrich II. oder Zarin Katharina II. keine Geschichtshoheit beschieden war.

Zu dem Wert der Münzen wollte sich Dressler nicht konkret äußern. Im Internet kann man sie für eher geringes Geld ersteigern. Aber die Frage nach dem Geldwert sei für Archäologen immer Tabu: Kein Archäologe wolle "schlafende Hunde", also Raubgräber, "wecken". Zudem betreibe niemand den Beruf wegen des Geldwertes von Gefundenem. Alle herzeigbaren Ausgrabungsstücke - ob Medaillons, Keramik-Fragmente oder der rätselhafte Miniatur-Ofen - sind grundsätzlich Eigentum des Landes Brandenburg und werden in Wünsdorf archiviert. Dort ist der Sitz des Landesamts für Bodendenkmalpflege. "Allerdings können archivierte Fundstücke als Dauerleihgabe auch wieder in Lindow gezeigt werden", so Dressler. Voraussetzung ist aber, dass dort die Sicherheitsvoraussetzungen - also Vorkehrungen gegen Diebstahl zum Beispiel - nachgewiesen werden.

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