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Henning Kraudzun 24.01.2013 19:41 Uhr

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Flugshow mit "Schneepi"

Zehdenick (MOZ) Die Falknerei, das Halten von Greifvögeln, fasziniert viele. Marko Loerke aus Zehdenick (Oberhavel) hat dieses Hobby zum Beruf gemacht. Mit seinen Vorführungen tourt er durch das Land.

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Imposanter Flügelschlag: Die Schnee-Eule, die Marko Loerke auf der Hand trägt, hat eine Spannweite von 1,20 Metern. Foto: MOZ/Henning Kraudzun

© MOZ/Henning Kraudzun

Der Junge aus dem Kinderbuch war Schuld. In der Geschichte mit dem Titel "Und fing sich einen Falken" wird beschrieben, wie sich der kleine Billy aus seelischer Not in die Natur flüchtet und einen Turmfalken aufzieht. Er richtet das Tier ab, es bestimmt sein Leben. Marko Loerke wollte Billy nacheifern. Er probierte es zuerst mit dem eigenen Wellensittich. Doch der gehorchte nur bedingt.

Heute sitzen acht Greifvögel in den Volieren des Zehdenickers und mustern den Besuch skeptisch. Da wäre zum Beispiel "Ahab", ein Wüstenbussard, nach einer Jagd bereits am Zeh lädiert. Der Geierfalke "Sancho", in Südamerika heimisch, aber in der Lüneburger Heide gezüchtet. Dann ein Uhu, zwei Steinadler, ein Mäusebussard, ein Turmfalke und "Schneepi", die Schnee-Eule, die herzzerreißend krächzen kann.

Als Jugendlicher lernte Loerke den Umgang mit Greifvögeln. Nach einer Prüfung durfte er sich - noch zu DDR-Zeiten - einen jungen Habicht aus dem Nest holen. Ganz legal, mit Genehmigung der damaligen Naturschutzbehörde. Das Küken zog er im Garten groß, taufte es "Jilly", baute ihm ein Nest, trainierte es. Der Habicht begleitete ihn später auf der Jagd. "Er war völlig auf mich fixiert."

Nach der Wende machte der gelernte Offset-Drucker sein Hobby zum Beruf. Bei einem professionellen Falkner in Rheinland-Pfalz erfuhr Loerke, wie man mit Greifvögeln eine gute Show veranstaltet, Zuschauer begeistert. Anschließend zog er nach Mecklenburg-Vorpommern, um mit seinen Krummschnäbeln die Touristen anzulocken. Es lief gut, bis zum Ausbruch der Vogelgrippe, als ein Amtsarzt seine Bedenken anmeldete. Nachdem der 48-Jährige in einem Wild- und Erlebnispark am Bodensee arbeitete, kehrte er vor wenigen Monaten in die brandenburgische Heimat zurück. Hier bietet er Praktika und Wanderungen an. Seine Vorführungen zeigt er auf Hochzeiten, Firmenfeiern oder in Schulen. Angst hat er vor den teils mächtigen Räubern keine. "Das würden die spüren", erklärt Loerke. Kritik von Tierschützern, Falkner würden die Vögel mit fragwürdigen Methoden unterwerfen, weist er zurück.

Das Risiko, von einem der Greifvögel attackiert zu werden, ist zwar gering. "Perforiert sind meine Hände dennoch", sagt der gebürtige Anhaltiner und zeigt Narben auf der Haut. Nicht immer trägt er den Leder-Handschuh. Wenn Krallen ihn verletzen, dürfe er sich nichts anmerken lassen, sagt Loerke. Eine falsche Reaktion könnte das Tier verschrecken.

Auch bei Ausflügen mit Wandergruppen muss der Falkner darauf achten, dass nichts aus dem Gleichgewicht gerät. Mitunter vier Stunden trägt er einen seiner gefiederten Angestellten auf dem Arm. Dann können die Teilnehmer live verfolgen, zu welchen Flugkünsten die Greifvögel in der Lage sind. Loerke legt auch Attrappen aus, um die Jagd zu demonstrieren. Dazu muss er täglich trainieren - derzeit mit Genehmigung auf einer Gewerbebrache.

Einen Jagdschein besitzt Loerke ebenso, allerdings trägt er dabei keine Waffe. Kaninchen, Hasen, Fasane, Enten und Füchse zählen zur Beute. Auch auf Flughäfen werden mitunter Falkner engagiert, um kleine Vögel zu vertreiben, die bei Starts und Landungen ein Sicherheitsrisiko darstellen. "Meine Branche boomt", sagt Loerke.

Rund 50 Falkner gibt es in Brandenburg, sagt Dietmar Knick, Landesvorsitzender des Verbandes Deutscher Falkner. Im Normalfall können er und seine Kollegen die Vögel auf Revieren von Jagdpächtern fliegen lassen. Probleme mit Naturschützern gibt es selten. "Es geht nicht nur darum, andere Tiere zu erlegen", betont Knick.

Loerke lässt "Schneepi" an seinem Handschuh knabbern. Die weiße Eule schlüpfte vor zehn Jahren im Rostocker Zoo. Wie fast alle Falkner-Vögel stammt sie aus einer Züchtung. Dennoch werden sie nie ein Haustier sein. "Wir haben ein Verhältnis auf Augenhöhe", sagt Loerke.

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