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Starker Andrang zum 17. Berufemarkt / Eberswalder Ausbildungsmesse zählt 1500 Besucher

Zukunftsaussichten im Schnelldurchlauf

Ellen Werner / 28.01.2013, 07:26 Uhr
Eberswalde (MOZ) Längst haben die geburtenschwachen Jahrgänge den Ausbildungsmarkt erreicht. Bewerberzahlen gehen zurück. Das Interesse am Eberswalder Berufemarkt aber ist ungebrochen. Zu der Messe mit 78 Ausstellern im Oberstufenzentrum II kamen am Sonnabend rund 1500 Besucher.

Eine wirklich gute Tradition sei der Eberswalder Berufemarkt. Allein die Tatsache, dass es sich um die 17. Auflage handelt, mache dies deutlich, attestierte Brandenburgs Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers (Die Linke) der Messe zu ihrer Eröffnung. "Wir haben 20 Trendberufe in Brandenburg, bilden aber in rund 350 Berufen aus. Die gesamte Breite in der Region bekanntzumachen, halte ich für zwingend notwendig", erklärte der Minister, der sich im Anschluss auf allen Etagen umsah.

Demographischer Wandel, Fachkräftesicherung und hohe Abbrecherquoten in der Ausbildung, benannte Christoffers aktuelle Problemfelder. Wichtig sei unter anderem, wie Bildungsausgaben effektiv eingesetzt werden können, "die Frage, welche Stellschrauben es gibt, um die Ergebnisse zu erreichen, die wir haben wollen". Den Berufemarkt sieht offenbar nicht nur der Minister als Stellschraube an. Zahlreiche Unternehmen aus der Region nutzten am Sonnabend die Gelegenheit, daran zu drehen: Bei insgesamt 78 Ausstellern konnten Jugendliche, ihre Eltern und oft auch Großeltern die Ausbildungschancen in der Region im Schnelldurchlauf erkunden. 86 Berufe und in vielen Fällen konkrete Ausbildungsangebote in Landwirtschaft, Metall- und Gesundheitsbranche, bei der Polizei, Krankenkassen und im Handwerk stellten Betriebe sowie Berufsschulen aus Barnim und Uckermark vor.

"Wir haben im vorigen Jahr damit angefangen", sagt Tischlermeister Torsten Aßmann von der Golzower Tischlerei Wrensch. "Es ist verdammt schwer, vernünftige Leute zu kriegen", erklärt der Ausbilder. Die Messeteilnahme machte sich für den Handwerksbetrieb bezahlt. "Vorher hatten wir gar keinen, danach zehn Bewerber", sagt Aßmann. Zwei Azubis sucht die Tischlerei zur Zeit. Noch nichts für David Kohlbrodt, 17, der an dem Stand Notenschnitt und andere Voraussetzungen abfragt. "Ich habe noch ein Schuljahr vor mir", sagt der Neuntklässler, der Tischler werden will.

Noch nichts Passendes gefunden haben dagegen Tobias, Steve und Tim aus Schwedt. Die 15- und 16-Jährigen sind mit ihren kompletten Oberschulklassen da. Eigentlich wollen sie "fürs spätere Berufsleben mal gucken", wie Steve erklärt. Obwohl er in die Agrarwirtschaft will und sich die anderen beiden sich für KfZ-Mechatronik interessieren, sind sie zunächst bei Pro Seniore hängengeblieben.

Dort sind sie mit der angehenden Pflegefachkraft Franziska Pfeiffer ins Gespräch gekommen. Die 19-jährige Biesenthalerin hat schon sehr früh entdeckt, dass ihr die Arbeit Spaß macht. "Einem Praktikum in der siebenten Klasse folgten noch drei Praktika", sagt sie. So ist sie auch ins Biesenthaler Pro Seniore-Team hineingewachsen.

Das Unternehmen, das im Barnim zwei Pflegeheime betreibt, hatte noch vor zwei Jahren Probleme, Nachwuchs zu finden. "Im vorigen Oktober haben wir mit sechs Auszubildenden angefangen", kann Pflegedienstleiterin Marlen Mischling inzwischen berichten. Präsent zu bleiben sei dennoch wichtig. "Pflege ist immer negativ behaftet in der Öffentlichkeit", sagt sie.

Aufwind gab es auch beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA), das unter anderem ein wassergefülltes Schleusenmodell aufgebaut hat. "Dass wir wirklich Hightechanlagen betreiben, weiß ja kaum jemand", sagt Axel Meng, Ausbildungsleiter im Elektronikbereich. Schon jetzt orientiert das WSA auf die Ausbildungsgänge 2014. Für dieses Jahr wurden bereits zwölf Azubis vom Elektroniker bis zum Verwaltungsfachangestellten unter Vertrag genommen.

"Wir würden gern acht haben", sagt Corinna Bothe, Personalmitarbeiterin von Finow Automotive. Das Unternehmen hat sich zum ersten Mal in die Stände vom Netzwerk Metall eingereiht. "Leider", sagt Bothe. "Im letzten Jahr konnten wir nur zwei Azubis einstellen." Vom Berufemarkt ist sie angenehm überrascht. "Ich bin erstaunt, wie viele interessante Kontakte sich ergeben haben. Wir hatten sogar schon eine Bewerbung."

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