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Schwere Unfälle häufen sich auf den Straßen

Henning Kraudzun / 15.02.2013, 18:56 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Polizei registriert in Ostbrandenburg weiterhin eine hohe Zahl von schweren Verkehrsunfällen. Hier sei im vergangenen Jahr keine Entspannung eingetreten, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Bilanz der Direktion Ost in Frankfurt (Oder). Im Gegensatz zum Landestrend, wo im Vorjahr ein Rückgang der Verletzten und Toten bei Unfällen verzeichnet wurde, ist deren Zahl im Osten des Landes leicht gestiegen. So starben dort 2012 insgesamt 53 Menschen im Straßenverkehr, allein 23 bei Allee-Unfällen und 14 durch erhöhte Geschwindigkeit. Insgesamt gab es 23809 Unfälle, was einem Anstieg um knapp zwei Prozent im Vergleich zu 2011 entspricht, mit 2898 Verletzten.

Polizeisprecher Peter Salender erklärte, dass meist eine Verkettung von Faktoren zu schweren Unfällen führe. "Die Einschätzung von realen Gefahren ist bei vielen Autofahrern leider nicht vorhanden", sagte er. Zudem ließ seiner Einschätzung zufolge die Konzentration hinter dem Steuer nach: Das Schreiben von SMS, Ablenkung durch Essen oder das Autoradio könne dramatische Folgen haben. Der Chef der Polizeidirektion Ost, Olaf Fischer, sprach sich daher für einen weiterhin hohen Kontrolldruck aus. In Polizeikreisen wurde allerdings beklagt, dass dafür angesichts mehrerer Sonderaufgaben - etwa beim Kampf gegen die Grenzkriminalität - das Personal fehle.

Unfallforscher Siegfried Brockmann forderte angesichts der deutlich gestiegenen Zahl der Baumunfälle ein Umdenken der Straßenbaulastträger. "Wer neue Bäume pflanzt, handelt aus touristischen Idealen, nicht aber im Sinne der Verkehrssicherheit", sagte der Leiter des Unfallforschungszentrums der Versicherer. Dadurch entstünden in einigen Jahrzehnten "weitere Todesfallen". Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte kürzlich besseren baulichen Schutz für Alleen etwa durch Leitplanken versprochen.

Ob jedoch das von der Landesregierung durchgesetzte Tempolimit auf Alleen für mehr Sicherheit sorgt, wird nicht nur von der Opposition sondern auch von Experten bezweifelt. "Der Alleenerlass wird nur halbherzig von den Landkreisen umgesetzt", sagte Brockmann.

Sorgen bereitet dem Fachmann auch eine zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr. "Die Sitten verrohen", meinte Brockmann und verweist auf ein Problem, das auf dem jüngsten Verkehrsgerichtstag in Goslar (Niedersachsen) debattiert wurde. Aggressive Fahrer sind nach den Erkenntnissen des Unfallforschers oftmals mehrfach negativ aufgefallen. "Die kann man nur aus dem Verkehr ziehen, wenn das Flensburger Punktesystem greift", betonte er.

Unerfreuliche Trends sind in Ostbrandenburg ebenfalls bei den Alkoholunfällen (plus neun Prozent) zu verzeichnen. "Die Kampagnen gegen Alkoholmissbrauch am Steuer haben bei der Jugend in den vergangenen Jahren Wirkung gezeigt", erklärte Salender. Es gebe weniger Fälle, bei denen junge Menschen angetrunken die Rückfahrt von der Diskothek antreten.

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Brandenburger 18.02.2013 - 12:24:28

Allles plattmachen?

Bäume könnten stören? Weg damit. Tourismus, Arbeitsplätze? Egal. Heimatgefühl? Brauchen wir nicht. Hauptsache Autofahren. Geht's noch? Sonst alles in Ordnung? An Unfallschwerpunkten müssen Leitplanken gezogen werden. Und sonst wird man ja ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit verlangen können. Wir möchten nicht in der Wüste leben, danke schön.

Hr. Wollenberg 18.02.2013 - 08:28:40

Was wir schon immer wussten.

Danke Herr Brockmann! Ihre Aussage trifft den Kern der Sache zu tiefst: "Wer neue Bäume pflanzt, handelt aus touristischen Idealen, nicht aber im Sinne der Verkehrssicherheit", sagte der Leiter des Unfallforschungszentrums der Versicherer. Dadurch entstünden in einigen Jahrzehnten "weitere Todesfallen". Jeder der hier starken Fürsprecher der Alleebäume sollte einfach einmal in den Spiegel schauen und sich fragen, ob es ihm nicht auch einmal passieren könnte, dass man in einen Unfall verwickelt wird. Und dann sollte derjenige sicher weiter die Frage stellen, ob man lieber auf ein Feld ausrollt und lediglich Sachschaden produziert oder on man lieber den abrupten Stopp an einem Alleebaum bevorzugt. Wie schon mehrfach gesagt, Alleebäume springen nicht auf Straßen und sich auch niemals Schuld an Unfall, sie verschlimmern jedoch die Unfallfolgen erheblich. Und wenn Herr Vogelsänger kein Geld für seine Zusagen zum Bau von Schutzplanken auftreiben kann, weil ihm die politischen Mehrheiten fehlen, dann hilft hier nur die Motorsäge. Danke! Mit freundlichen Grüßen R. Wollenberg

Tja ... 17.02.2013 - 13:28:19

Kahlschlag?

Wir sollten die Alleen als Markenzeichen der Mark Brandenburg auf jeden Fall erhalten. Mir ist viel seltener ein Baum vors Auto gesprungen, als hirnlose andere Verkehrsteilnehmer, die mit waghalsigen Überholmanövern um jeden Meter kämpfen. Diese sind mit Sicherheit ein erheblich größeres Risiko, als die Bäume. Jeder kennt sie, diese Kleintransporter- oder Motorradfahrer, die an einem vorbeischroten daß es nur so rauscht. Den Sinn des "Vogelsänger-Erlasses" bezweifele auch ich, wer unfähig ist eine bislang mit Tempo 80 ausgewiesene Allee mit Tempo 80 unfallfrei zu durchfahren, der sollte seinen Führerschein abgeben. 10 km/h weniger entscheiden jedenfalls ganz sicher nicht darüber, ob man einen Unfall verursacht, das war mal wieder blinder Aktionismus, der nur massenhaft Steuergelder verschlingt. Den waghalsigen Überholern kommt man jedenfalls weder mit Erlassen bei, noch mit dem Blitzer hinterm Busch.

Stefan Brandes 17.02.2013 - 12:56:23

Tempolimits statt Kahlschlag

Wir haben gerade in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nicht viele Einnahmequellen außer dem Tourismus. Die schönen Alleen, die es in dieser Menge nur noch in den beiden Ländern gibt, tragen erheblich dazu bei, dass Touristen kommen. Wenn man nicht nachpflanzt, werden die Alleen in absehbarer Zeit Geschichte sein. Dabei ist das nur ein Argument von vielen. Es gibt viel mehr Unfälle mit anderen Autos – wollen Sie die auch verbieten? Die Unfallquelle ist nicht der Baum, sondern der unachtsame Autofahrer. Da muss man ansetzen statt das Land in Wüste zu verwandeln – und sich dann über die Staubstürme zu wundern. Dass Tempolimits mit Kontrollen helfen, gefährliche Autofahrer zu disziplinieren, stellt übrigens auch der hier anders zitierte Herr Brockmann fest: "Dabei ist Schutz zumindest in Alleen kein Hexenwerk. Bevorzugte und erfolgreiche Maßnahmen: Schutzplanken und Geschwindigkeitsbegrenzungen mit Kontrolle.". (Quelle: http://verkehrssicherheitsblog.de/treten-baeume-auf-die-strasse/) Ich verstehe nicht, wie die MOZ da zu einer anderen Meinung kommt.

Hans-Joachim Schlaak 16.02.2013 - 23:17:06

Unfallforscher Brockmann fordert Leitplanken an Alleen

Beim Spiegel-Interview (Heft 35/2011) äußerte sich Unfallforscher Brockmann folgendermaßen: "Alleen sind schön, aber gefährlich. Baumunfälle sind in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die Spitzenreiter unter den tödlichen Crashs. Das ließe sich verhindern: einfach Leitplanken ziehen! Das passiert zu selten. Stattdessen werden eher neue Bäume gepflanzt." Er fordert also Leitplanken und nicht baumlose Brandenburger Landesstraßen!

telefix1 16.02.2013 - 17:08:44

Und was sagt uns das?

Die Bäume sind schuld. Böse Bäume...

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