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Daniela Windolff 25.02.2013 10:02 Uhr
Red. Uckermark, schwedt-red@moz.de

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Frei-Räume für Kreative

Angermünde (MOZ) Wie man mit Scherenschnitten, Lachyoga oder Jonglieren verschlafene Dörfer zu neuem Leben erwecken kann, wie sich soziales Unternehmertum im ländlichen Raum entfaltet und was Dorfkümmerer leisten, das konnten Neugierige am Sonnabend im Offenen Technologielabor Angermünde erleben.

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Angermünde lehnt sich weit über den Tellerrand hinaus, wenn es darum geht, Ideen zu suchen, die der Region eine Perspektive und etwas Unverwechselbares geben könnten. Zumindest versuchen das die Mitstreiter des Offenen Technologielabors OTELO im Pilotprojekt 100 x Neues Leben. Man schaut nach Polen, Österreich, Irland und in andere Länder, um abzugucken und abzukupfern, was zur Uckermark und ihren Bewohnern passen könnte.

Das Offene Technologielabor ist eine Idee aus Österreich und Angermünde der erste Standort in Deutschland. "Es bietet Freiräume für Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen, die sich entfalten, neue Ideen ausprobieren oder von anderen lernen wollen. OTELO bietet dafür kostenlos Räume, Unterstützung, Anregungen und Möglichkeiten für Begegnungen und Austausch. Es soll sich von unten entwickeln und vor allem Spaß machen, statt von Oben etwas Fertiges vorzusetzen", erklärt Susanne Fink, die gemeinsam mit Sven Gumbrecht das Offene Technologielabor in Angermünde vor einem Jahr gründete. Noch reicht die Zahl der Interessenten nicht, um das OTELO im Projekthaus von 100 x Neues Leben in der Schwedter Straße 22 täglich für Jedermann zu öffnen. Es gibt Angebote zu verschiedenen Themen, zum Beispiel altes und neues Wissen oder nachhaltige Landwirtschaft. Der hier entwickelte 3-D-Drucker steht Interessenten zur Verfügung, um daran zu lernen und zu arbeiten. Ziel ist es, Interesse für Technik und Techniken und Lust aufs Experimentieren zu wecken, vom Konstruieren über Drucken bis hin zu Stricken oder Massage, was auch Techniken seien.

Mit der Freien Schule Angermünde wird jetzt eine Kooperation vereinbart, um gerade Kinder außerhalb der Schulräume spielerisch an Technik und neue kreative Techniken heranzuführen. "Schön wäre es, wenn die Angermünder das OTELO als ihren Raum begreifen, in dem sie etwas machen können, was sie schon immer tun oder lernen wollten, ganz ungezwungen, frei und ohne Risiko", ergänzt Sven Gumbrecht.

In Österreich gibt es solche offenen Häuser, die verschiedenste Räume und Angebote, vom Atelier, über Werkstätten, Küche bis zum Spielzimmer für Kinder, bereithalten, die jeder frei nutzen kann. Dort beteiligen sich auch Unternehmen der Wirtschaft als Partner und Sponsoren, richten Experimentierlabor oder Werkstatt ein - eine Idee, die auch die Angermünder spannend finden.

Um das Projekt mit seinen Möglichkeiten der Öffentlichkeit vorzustellen, lud das Offene Technologielabor Angermünde am Sonnabend zu Kreativworkshops und Ideenaustausch ein. Neue Anregungen für Bürger- oder Gemeinschaftsprojekte kamen dieses Mal aus Polen.

Zu Gast waren Dorfentwickler vom Koszaliner Sozial- und Kulturverein, die in Angermünde ihre Idee der Themendörfer vorstellten. In der ländlichen Region von Koszalin in der Wojewodschaft Westpommern gibt es viele kleine, abgelegene Dörfer ohne touristische Attraktionen. Die Idee der Dorfentwickler um Waclaw Idziak ist, Dörfer wie eigenständige Wirtschaftsunternehmen zu sehen und ihre Alleinstellungsmerkmale herauszufinden und spielerisch zu entwickeln. So spezialisiert sich ein Dorf mit großem Weiden- und Haselnussbestand auf Produkte aus diesen Ruten, hat regelmäßig Künstler zu Gast, die lebende Weidenskulpturen gestalten.

Ein abgelegenes Dorf am Wald lockt als "Hobbit-Dorf" mit Waldspielen und altem Handwerk mittlerweile jährlich 15 000 Touristen an. Und im nächsten Dorf hat eine Bauernfamilie eine Labyrinthlandschaft angelegt und im ehemaligen Schweinestall Werkstätten und ein Torflaboratorium eingerichtet. Zusätzlich zu ihrer bäuerlichen Landwirtschaft bieten sie nun Lehrgänge und Kurse an. Der "lernende Bauernhof" lockt jedes Jahr über 4000 Besucher an und hat Arbeitsplätze gesichert und neu geschaffen, berichtet Woclaw Idziak. Einen kleinen Teil dieser kreativen Ideen konnten Angermünder am Sonnabend in Mitmachworkshops selbst ausprobieren und mit den polnischen Gästen zum Beispiel Stoffblumen, Scherenschnitte oder Blüten aus Weidenzweigen gestalten.

Ziel ist es, in der Gemeinschaft etwas zu tun, das Spaß macht, verbindet und bestenfalls Lust macht, im Dorf zu wohnen und neue Arbeit zu "er"-finden.

Das haben sich im weitesten Sinne auch die uckermärkischen Dorfkümmerer vorgenommen, die seit Sommer 2012 sozusagen im professionellen Ehrenamt in ihren Dörfern gemeinsam mit den Einwohnern lebenswerte Perspektiven schaffen wollen. Auch dieses bundesweit einmalige Projekt in Nordostbrandenburg wurde am Sonnabend im OTELO vorgestellt. Lesen Sie dazu morgen mehr.

Offenes Technologielabor Angermünde, otlab@gmx.de, www.otelo.or.atwerknetz/standorte

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