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Michel Nowak 04.03.2013 07:50 Uhr
Red. Erkner, erkner-red@moz.de

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Jetzt hat Erkner seinen "Biberpelz"

Erkner (MOZ) Der kleine Saal des Gerhart-Hauptmann-Museums ist überfüllt, als der Premieren-Vorhang am Sonnabend zur Seite gezogen wird. Mehr als 60 Besucher wollen die Aufführung eines der bekanntesten Werke des Nobelpreisträgers sehen. "Der Biberpelz" wird dort gezeigt, wo Hauptmann ihn um 1880 spielen ließ: in Erkner.

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Symbolisches Duell: Waschfrau Mutter Wolffen (Katrin Fiegler) hat dem vermögenden Krüger (Adrian Heider-Werndl) nicht nur Brennholz, sondern auch einen Biberpelz gestohlen.

© Michael Nowak

Etwa eineinhalb Stunden geht es auf der kleinen, mit grauen Stoffen abgehängten Bühne um vertuschten Diebstahl, persönliche Eitelkeiten und Ignoranz. Mutter Wolffen - hervorragend besetzt mit der Schöneicherin Katrin Fiegler - schlägt sich als resolute Waschfrau mit ihrer Familie durchs Arbeiterleben.

Nach außen auf ihren rechtschaffenen Ruf bedacht, verdient sie sich zunächst mit einem gewilderten Rehbock, später mit geklautem Brennholz und schließlich mit dem Biberpelz doch einige Taler dazu. Die eigentlichen Diebstähle werden im Stück nicht gezeigt. Klar ist aber, dass sie tatsächlich geschehen sind. Mutter Wolffens Motto: "Wer nich wagt, der gewinnt och nich." Wie und warum sie es schafft, jeglichen Verdacht der Taten von sich abzuwenden, davon handelt das Stück.

Denn der vermögende Bestohlene, Krüger (Adrian Heider-Werndl), will die Diebstähle durchaus aufgeklärt wissen. Beim Amtsvorsteher von Wehrhan (Frank Fiegler) stößt er jedoch weitgehend auf taube Ohren. Der möchte lieber "dunkle Existenzen wie Reichs- und Königsfeinden" auf die Spur kommen. Abgesehen hat er es vor allem auf Dr. Fleischer (gespielt von einer Frau: Daniela Börner). Möglicherweise, so von Wehrhahn, sei dieser Dr. Fleischer gar ein "Demokrat".

Gesprochen wird im besten Altberlinerisch. Die Inszenierung in Erkner hält sich eng an den Text Hauptmanns. Die Aufführung vermittelt mit teilweise in dicke Mäntel gehüllten Darstellern, mit weiß geschminkten Gesichtern und pfeifenden Windgeräuschen eine bewusst kalte Atmosphäre.

Ganz im Gegensatz dazu die tatsächlichen Verhältnisse im kleine Zuschauerraum. Dort wird es zunehmend wärmer und stickiger. Gleichwohl honoriert das Publikum - mittendrin auch Bürgermeister Jochen Kirsch - die Aufführung nach der fulminanten Schlussszene im Amtszimmer des Vorstehers von Wehrhahn mit freundlichem Applaus und viel Lob.

"Das Stück hat mir in dieser Aufmachung gut gefallen", sagt Brunhilde Schaumann. Nur die Sicht auf die Bühne sei von ihrem Platz in der letzten Reihe eher schlecht gewesen. "Aus den beengten Verhältnissen haben die Schauspieler das Beste gemacht", so die Erkneranerin Brunhilde Richter. Und auch für den blinden Hans-Hellmut Schulte hat sich der Besuch gelohnt. Konzentriert hatte er zuvor der Aufführung gelauscht. "Die Darsteller haben das Stück über ihre Stimmen für mich hervorragend erlebbar gemacht", sagt er.

Beim komplett aus Amateuren bestehenden Ensemble ist die Erleichterung nach der Aufführung spürbar. "Ich bin jetzt vor allem glücklich", sagt Regisseur Ralf Schlösser im Foyer des Gerhart-Hauptmann-Museums, "es ist, als ob wir nach einem Marathon durchs Ziel gelaufen sind." Zwei Jahre hatten die zwölf Darsteller mit dem professionellen Regisseur und Betreiber der Schauspielschule Drehbühne auf die Premiere hingearbeitet.

Zufrieden mit dem Premieren-Abend sind die Beteiligten nun allemal. "Es gibt immer Dinge, die perfekt gelaufen sind und Dinge, die besser sein könnten", sagt die Technikverantwortliche Antje Stein, "aber es war eine tolle Aufführung." Auch Stefan Rohlfs, Leiter des Gerhart-Hauptmann-Museums, lobt am Premierenabend die Zusammenarbeit. Am 5. und 8. März jeweils ab 19 Uhr finden nun weitere Aufführungen im Hauptmann-Museum statt. "Danach sind Vorstellungen in der Region geplant", sagt Ralf Schlösser.

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