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Zusammenarbeit zwischen Erkner, Woltersdorf und Schöneiche stößt immer wieder auf Schwierigkeiten

Beim Geld hört der gute Wille auf

Zusammengerückt: die Woltersdorfer Schleuse und die Schöneicher Schlosskirche auf dem Bahnhofsvorplatz in Erkner. Real ist das nicht - so wenig wie eine enge Abstimmung der Kommunen.
Zusammengerückt: die Woltersdorfer Schleuse und die Schöneicher Schlosskirche auf dem Bahnhofsvorplatz in Erkner. Real ist das nicht - so wenig wie eine enge Abstimmung der Kommunen. © Foto: MOZ/Eggers
Joachim Eggers / 15.04.2013, 20:51 Uhr
Erkner (MOZ) Die Stadt Erkner soll, so sagt es die Landesplanung, auch für Schöneiche und Woltersdorf als Mittelzentrum fungieren - aber so recht will die Zusammenarbeit nicht klappen. Beim Geld hört der gute Wille auf.

Manchmal klappt es auch zwischen Erkner und Schöneiche: Unlängst half das Ordnungsamt der so waldreichen Gemeinde den Erkneraner Kollegen bei der Vorbereitung auf den Eichenprozessions-Spinner. Die Feuerwehren, einschließlich der Woltersdorfer, helfen einander seit Jahr und Tag, wenn es nötig ist. "Dass Erkner und Schöneiche mehr zusammenarbeiten, wäre natürlich sinnvoll", sagt Schöneiches Bürgermeister Heinrich Jüttner (parteilos). Einschlägige Gespräche würden aber schon länger nicht mehr geführt.

In Erkner erinnert sich Bürgermeister Jochen Kirsch (SPD) an mehr als einen Anlauf, die Nachbarkommunen an einen Tisch zu holen, der gescheitert sei. Das hielt Kirsch Lothar Kober von der Linkspartei entgegen, als der im Bauausschuss beantragte, die Stadt solle ein Entwicklungskonzept für den Mittelbereich - also mit Woltersdorf und Schöneiche - anschieben. Das sei Erkner vom Gesetz aufgegeben. Wenn nichts daraus werde, habe man seiner Pflicht Genüge getan, argumentierte Kober. Zur Finanzierung könnte ein Teil des zusätzlichen Geldes eingesetzt werden, das Erkner dafür bekommt, dass es Mittelzentrum ist. Es handelt sich um jährlich 800 000 Euro.

Doch dieses Geld ist, so sagt es eine Handreichung der Landesregierung, die in Erkner gern vorgezeigt wird, kein Regionalbudget für den Mittelbereich. Andere Gemeinden haben demnach keinen Anspruch, etwas von dem Geld abzubekommen, "sondern profitieren von den Dienstleistungsangeboten, welche das Mittelzentrum für den Mittelbereich erbringt."

Womit sich die Frage stellt, was Erkner für die Orte in der Umgebung leistet. Eine Reihe von Antworten ist so offensichtlich, dass sie gar nicht mehr gegeben werden: Erkner ist der regionale Verkehrsknotenpunkt mit dem Bahnhof, den unzählige Pendler nutzen, und gerade die vielen Parkplätze nutzen weniger die Erkneraner als ihre Nachbarn, die nicht zu Fuß oder per Fahrrad kommen können. Erkner ist außerdem Standort von vier weiterführenden Schulen - Gymnasium, Oberschule und zwei Förderschulen, hat das einzige Hauptmann-Museum Deutschlands, ein Kino und mit dem IRS eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung von internationalem Niveau.

Dass auch Schöneicher mit dem Regionalexpress pendeln und das Bechstein-Gymnasium besuchen, weiß auch Jüttner genau. Er fragt immer nur, welche dieser Leistungen etwas mit der Kommune Erkner zu tun hätten, und verweist gern darauf, dass die Pendlerparkplätze mit viel Landesförderung entstanden sind. Der Unterhalt ist freilich Sache der Stadt. Für Jüttner indes ist die Rede vom Mittelbereich "heiße Luft". Erkner könne, aus objektiven Gründen, diese Funktion für Schöneiche gar nicht erfüllen, anders als zum Beispiel Beeskow für die umliegenden Ortschaften. Nach seiner Vorstellung müsste das Geld, das Erkner jetzt allein bekommt, auf mehrere Gemeinden verteilt werden - so auch auf das an Einwohnern längst stärkere Schöneiche.

Erkner wird jetzt keinen förmlichen Versuch starten, eine Entwicklungskonzeption auf den Weg zu bringen - Kobers Antrag wurde abgelehnt. "Erkner nimmt seine Verantwortung wahr", so der SPD-Stadtverordnete Peter Catholy. Bessere Zusammenarbeit bleibt aber ein Thema - wie Kirsch erwähnte, habe sein Woltersdorfer Amtskollege Rainer Vogel ihn kürzlich in dieser Sache angerufen, man habe ein Gespräch mit den Umlandgemeinden vereinbart.

Mittelzentrum - das ist auch eines der Kapitel des künftigen Integrierten Stadtentwicklungskonzepts, an dem Erkner gerade arbeitet. In den Unterlagen ist allgemein von einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Nachbarn die Rede - und speziell von einer Vertiefung der Kooperation mit Grünheide.

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