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Klaus Lüttgen reist zu Fuß in die polnische Heimatstadt seiner verstorbenen Mutter

Spurensuche auf 2000 Kilometern

Auf dem Weg nach Polen: Klaus Lüttgen kurz vor der Grenze. Überqueren wird er sie aber erst von Gartz aus.
Auf dem Weg nach Polen: Klaus Lüttgen kurz vor der Grenze. Überqueren wird er sie aber erst von Gartz aus. © Foto: MOZ/Lars Weber
Lars Weber / 17.05.2013, 07:55 Uhr - Aktualisiert 17.05.2013, 15:41
Schwedt (MOZ) Am 1. April verabschiedet sich der Kölner Klaus Lüttgen von seinen Freunden und seiner Lebensgefährtin Heidi am Dom. Rund 2000 Kilometer liegen vor ihm, die er zu Fuß zurücklegen möchte. Sein Ziel: das polnische Pila, wo er hofft, mehr über seine Mutter zu erfahren, die dort einst geboren und zu Kriegszeiten vertrieben wurde. Trotz des 1. April: Klaus Lüttgen meint es ernst.

860 Kilometer und eineinhalb Monate später ist er in Schwedt angekommen - und motivierter denn je. "Die Oderregion ist sagenhaft", sagt er. Seine Kölner Herkunft kann er in keinem Satz verleugnen. "Ich merke schon die Verbindungen zwischen Deutschland und Polen." Denn auch darum ginge es bei seinem Abenteuer, beide Länder besser kennenzulernen, Freundschaften zu schließen mit Menschen und Kulturen.

Auf diese Weise, mit 20 Kilo auf seinem Rücken, möchte er auf den Spuren seiner Herkunft wandeln. Der 51-Jährige war gerade vier Jahre alt, als seine Mutter Grete verstarb. Viele Erinnerungen hat er nicht mehr an sie. Deshalb drängt es den Kölner nun, mehr herauszufinden. Wo und wie hat sie früher gelebt? Gibt es noch Menschen in Pila, die ihm etwas über seine Mutter erzählen können?

Schon einmal packte Lüttgen das Reisefieber. Nachdem 2008 sein Vater starb und er zwei Jahre später arbeitslos wurde, fasst er den Entschluss, fast all sein Hab und Gut zu verkaufen, um eine Fahrradtour in Kanada zu machen - im Gepäck: Unzählige Karnevalsorden aus dem Nachlass seines Vaters, die er Menschen überreicht, die ihm helfen, die ihm ein Bett oder eine Mahlzeit anbieten. "Mit der Reise in ein Land, von dem ich schon als kleiner Junge träumte, wollte ich meine Beziehung zu meinem Vater aufarbeiten", sagt Lüttgen. Mit einer Handkamera filmt er alles, daraus wurde ein Film, der gekürzt auch bereits im Fernsehen lief.

Auch dieses Mal hat die Kamera noch Platz in seinem Rucksack gefunden. "Ich filme Gespräche mit Menschen, mich selbst oder auch einfach die wunderschöne Natur." Erneut möchte er nach der Reise alles Material zusammenschneiden, um eine Dokumentation über die deutsch-polnische Freundschaft zu machen.

Der Weg bis dahin ist aber noch lang. In Polen will er zunächst zur Küste über Danzig nach Goldap, um etwa Ende Juli Pila zu erreichen. Auf seiner Reise wird er immer wieder auch auf Vereine deutscher Minderheiten treffen, schlafen wird er in Pensionen oder auch im Zelt. Was ihn erwartet, weiß er nicht. Doch gerade darauf freut sich der Kölsche Jung.

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