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Pfingstmusiktage erreichen Rentenalter

Bach vom Feinsten: Das große Auftaktkonzert des neuen Rheinsberger Kantors Kai Dittmann in der St. Laurentiuskirche war ein musikalischer Genuss.
Bach vom Feinsten: Das große Auftaktkonzert des neuen Rheinsberger Kantors Kai Dittmann in der St. Laurentiuskirche war ein musikalischer Genuss. © Foto: MZV/Russew
Georg-Stefan Russew / 20.05.2013, 18:07 Uhr
Rheinsberg (MZV) 1947 fanden die Musiktage zu Pfingsten das erste Mal in Rheinsberg statt. Heute - 65 Jahre danach - erfreuen sie sich bei Musikern und Publikum immer noch größter Beliebtheit. Davon konnten sich Besucher am Wochenende überzeugen.

Qualitativ gibt es sehr viel auf die Ohren. Auch Neuentdeckungen sind immer wieder garantiert, denn dem Festival ist eine Werkstatt für junge Talente angekoppelt. "200 junge Leute aus ganz Deutschland sind mit von der Partie", sagte die Leiterin der Bundesmusikakademie, Dr. Ulrike Liedtke. "Unser Haus platzt an diesen Tagen aus allen Nähten. Überall wird geübt, geprobt, an neuen Stücken gebastelt."

Bereits vor acht Tagen sind die ersten Künstler-Ensembles zu Workshops angereist. Die Ersten hätten ihre Konzerte in Rheinsberg absolviert und den Staffelstab dann gleich weiter an neu angereiste Künstler weitergereicht. "Das war ein Umschichten am laufenden Bande", ergänzte Liedtke. Es bestand die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. "Das ist ein ganz zentraler Punkt bei uns, neue Freundschaften zu knüpfen. Diese Verbindungen reichen oft ein ganzes Leben. Dafür gibt es bei uns unzählige Beispiele", erklärte die gebürtige Weimarerin.

Die Pfingstwerkstatt und die Musiktage haben sich zu einem wichtigen Treffpunkt mit absoluter Schlaglichtwirkung gemausert. Aha-Erlebnisse sind garantiert. Um mal eins herauszugreifen - das Konzert des erst 18 Jahre alten Lukas Natschinski: Der Nachname ließ schon mal aufhören. Er ist der jüngste Sohn des großen Komponisten Gerd Natschinski. Doch was dann folgte, kann man eigentlich nur mit Naturereignis umreißen. Da wären erst einmal die äußeren Bedingungen: Eigentlich sollte das Jazz-Konzert im Hof der Musikakademie laufen. Doch dicke Regenwolken am Sonnabend sorgten dafür, dass Lukas mit seinem 46 Jahre alten Percussionisten Thomas Birkholz kurzfristig in die Kantine umziehen musste. "Wir hatten keinen anderen Raum mehr frei", erklärte Liedtke. Dann legte Lukas los: Auf einem E-Piano wirbelte er herum, spielte Werke seines Vaters, eigene Stücke und unzählige Adaptionen bekannter klassischer Werke von Franz Liszt. Unglaublich, mit welcher Energie er seine Interpretationen präsentierte. Alles spielte er auswendig ohne Noten. Er wirbelte wie ein Orkan über das Piano, entlockte seiner E-Gitarre leise und zarte Töne. Und das alles ohne Musikstudium. "Er war schon mit acht Jahren so", sagte Birkholz nach dem umjubelten Konzert. Lukas schient das Talent für die Musik mit den Genen mitbekommen zu haben. "Das weiß ich gar nicht so genau. Mich fasziniert Musik einfach, damit kann ich meine Gefühle ausdrücken", sagte er später. Auch Ulrike Liedtke sprach von einer Extrabegabung des 18-Jährigen. "Phänomenal sag ich da nur, so unheimlich virtuos", lobte die Akademiechefin.

Übrigens: Lukas Natschinski spielt am 14. Juni wieder in Rheinsberg. Im Rahmen von "Jazz im Hof" wird er dann ein längeres Programm spielen als noch in der Kantine. "Das war so etwas wie der Appetizer", erklärte Lukas. Viele der mehr als 70 Zuhörer wollen da unbedingt dabei sein. Natschinski junior ist ein echtes Naturereignis, bitte hingehen.

Premiere feierte auch der neue Rheinsberger Kirchenkantor Kai Dittmann. In St. Laurentius gab er seit seiner Amtsübernahme Anfang des Jahres sein größtes Kirchenkonzert. Sogar Superintendent Matthias Puppe ließ sich es nicht nehmen, persönlich mit dabei zu sein. "Er hat von Hartmut Grosch große Fußstapfen übernommen", sagte Puppe. Am Ende gab es stehende Ovationen für Dittmann.

Insgesamt kamen mehr als 2 000 Gäste über die Feiertage zu den Konzerten. Es war eine tolle 65. Auflage der Musiktage zu Pfingsten - taufrisch, mitreißend und gut.

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