Donnerstag, 27. November 2014
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Marc Schütz 06.06.2013 20:40 Uhr - Aktualisiert 07.06.2013 11:20 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Streit um Hundeflüsterin

Schmachtenhagen (MZV) Maja Nowak betreibt in Schmachtenhagen eine Hundeschule. Am Sonntag war sie im ersten Teil der ZDF-Dokumentation "Die Hundeflüsterin" zu sehen. Im Internet fordern bereits mehr als 13 400 Menschen die Absetzung des Formates, weil sie die eingesetzten Therapieformen für nicht angemessen halten.

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"Ohne Leckerli und gewaltfrei": Maja Nowak sieht sich als "Pionierin" auf dem Gebiet des Hundetrainings. Aber nicht alle Zuschauer ihrer Fernsehsendung halten ihre Vorgehensweise Tieren gegenüber für angemessen.  

"Ohne Leckerli und gewaltfrei": Maja Nowak sieht sich als "Pionierin" auf dem Gebiet des Hundetrainings. Aber nicht alle Zuschauer ihrer Fernsehsendung halten ihre Vorgehensweise Tieren gegenüber für angemessen.

© MZV/Micha Bojanowski

Die Chefin ist beim Dreh. Auf dem Trainingsgelände der Hundeschule von Maja Nowak in Schmachtenhagen harken zwei Mitarbeiter Gras zusammen. Ein kleiner Hund wedelt mit dem Schwanz. Sonst ist nichts zu sehen. Die Sonne scheint friedlich. Nach freundlicher Begrüßung kommt eine Mitarbeiterin an den Zaun. Sie lächelt und sagt: "Wir stehen alle hinter Maja". Die kleine Frau meint die Chefin des Trainingsplatzes, Maja Nowak, die seit Sonntag im ZDF in der fünfteiligen Dokumentation "Die Hundeflüsterin" auftritt. Was es dort zu sehen gibt, ist altbekannt in der deutschen Fernsehlandschaft: Maja Nowak soll hilflosen und genervten Herrchen und Frauchen helfen, mit ihren Vierbeinern klarzukommen.

Bereits seit Anfang Mai ist eine Folge im Internet zu sehen. Nun häufen sich Vorwürfe gegen das Format. Im Netz ist eine Petition gestartet worden, die die Absetzung der "Hundeflüsterin" fordert. Im Minutentakt laufen neue Unterschriften ein. Bisher fast 13 500, Tendenz rapide steigend.

Entzündet hat sich der Streit an einem Beispiel aus Neuruppin. Dort ist eine junge Frau mit ihrer Mischlingshündin Marcy überfordert und ruft Maja Nowak. Die Tiertrainerin setzt dem Hund vor laufender Kamera deutliche Grenzen. "Ganz klar mit Gewalt", wie die Bärenklauer Tierpsychologin Ellen Schütze sagt. "Der Hund ist festgehalten worden und hatte keinerlei Fluchtmöglichkeiten." Auch der Initiator der Petition, ein Web-Entwickler aus Stuttgart, beschreibt das Vorgehen von Maja Nowak ähnlich: Sie "bedroht körpersprachlich und handgreiflich den Hund", steht im Petitionstext. Unterstützung erhält er vom Berufsverband der Hundeerzieher (BHV): "Die Körpersprache der betroffenen Hunde wird konsequent missachtet oder falsch interpretiert", sagt dessen Vorsitzender Rainer Schröder.

Maja Nowak kann die Proteste nicht nachvollziehen. "Was dort erzählt wird, stimmt schlichtweg nicht", sagt sie. Und argumentiert, dass die Petition eine regelrechte Kampagne gegen sie ist, gesteuert vom BHV. Der Petitionsgründer sei "professionell eingesetzt" worden, sagt sie. Web-Entwickler Mirko Höch lacht, als er das hört: "Davon habe ich bereits gelesen, aber ich stehe in keinerlei Kontakt zum BHV", beteuert er. Stattdessen stört ihn die unausgewogene Berichterstattung des Senders. "Im Privatfernsehen bin ich das gewohnt, aber das ZDF hat einen staatlichen Bildungsauftrag."

Andere sehen das offenbar genauso und klicken weiterhin auf die Petition. Allerdings ist es auch ein Leichtes, dort online zu "unterschreiben". Innerhalb von Sekunden sind die nötigen Klicks gemacht. Auch anonym. Laut Höch landet bei jeder digitalen Unterschrift eine Mail beim ZDF. Die Hamburger Pressestelle des Senders lässt wissen: "Wir können die geäußerten Vorwürfe nicht nachvollziehen und haben keinen Anlass, an der Arbeitsweise von Frau Nowak zu zweifeln". Dementsprechend wird weitergedreht. "Und die Leute werden sehen, dass die Behandlung nicht gewalttätig ist und funktioniert", sagt Maja Nowak.

Am Sonntag soll die zweite Folge ausgestrahlt werden, in der auch Marcy aus Neuruppin zu sehen sein wird. Als Privathund, der sie gar nicht ist. "Die Frau im Film ist nicht die Besitzerin", sagt Cathy Herrmann vom Verein Hundehilfe Russland, der das Tier seit über einem Jahr betreut. Von dem Dreh erfuhr die Hundehilfe erst, nachdem das Kamerateam wieder abgezogen war "Das müssen wir nun erst intern klären." Solange wird im Internet weiterdiskutiert.

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