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Streit um Hundeflüsterin

"Ohne Leckerli und gewaltfrei": Maja Nowak sieht sich als "Pionierin" auf dem Gebiet des Hundetrainings. Aber nicht alle Zuschauer ihrer Fernsehsendung halten ihre Vorgehensweise Tieren gegenüber für angemessen.
"Ohne Leckerli und gewaltfrei": Maja Nowak sieht sich als "Pionierin" auf dem Gebiet des Hundetrainings. Aber nicht alle Zuschauer ihrer Fernsehsendung halten ihre Vorgehensweise Tieren gegenüber für angemessen. © Foto: MZV/Micha Bojanowski
Marc Schütz / 06.06.2013, 20:40 Uhr - Aktualisiert 07.06.2013, 11:20
Schmachtenhagen (MZV) Maja Nowak betreibt in Schmachtenhagen eine Hundeschule. Am Sonntag war sie im ersten Teil der ZDF-Dokumentation "Die Hundeflüsterin" zu sehen. Im Internet fordern bereits mehr als 13 400 Menschen die Absetzung des Formates, weil sie die eingesetzten Therapieformen für nicht angemessen halten.

Die Chefin ist beim Dreh. Auf dem Trainingsgelände der Hundeschule von Maja Nowak in Schmachtenhagen harken zwei Mitarbeiter Gras zusammen. Ein kleiner Hund wedelt mit dem Schwanz. Sonst ist nichts zu sehen. Die Sonne scheint friedlich. Nach freundlicher Begrüßung kommt eine Mitarbeiterin an den Zaun. Sie lächelt und sagt: "Wir stehen alle hinter Maja". Die kleine Frau meint die Chefin des Trainingsplatzes, Maja Nowak, die seit Sonntag im ZDF in der fünfteiligen Dokumentation "Die Hundeflüsterin" auftritt. Was es dort zu sehen gibt, ist altbekannt in der deutschen Fernsehlandschaft: Maja Nowak soll hilflosen und genervten Herrchen und Frauchen helfen, mit ihren Vierbeinern klarzukommen.

Bereits seit Anfang Mai ist eine Folge im Internet zu sehen. Nun häufen sich Vorwürfe gegen das Format. Im Netz ist eine Petition gestartet worden, die die Absetzung der "Hundeflüsterin" fordert. Im Minutentakt laufen neue Unterschriften ein. Bisher fast 13 500, Tendenz rapide steigend.

Entzündet hat sich der Streit an einem Beispiel aus Neuruppin. Dort ist eine junge Frau mit ihrer Mischlingshündin Marcy überfordert und ruft Maja Nowak. Die Tiertrainerin setzt dem Hund vor laufender Kamera deutliche Grenzen. "Ganz klar mit Gewalt", wie die Bärenklauer Tierpsychologin Ellen Schütze sagt. "Der Hund ist festgehalten worden und hatte keinerlei Fluchtmöglichkeiten." Auch der Initiator der Petition, ein Web-Entwickler aus Stuttgart, beschreibt das Vorgehen von Maja Nowak ähnlich: Sie "bedroht körpersprachlich und handgreiflich den Hund", steht im Petitionstext. Unterstützung erhält er vom Berufsverband der Hundeerzieher (BHV): "Die Körpersprache der betroffenen Hunde wird konsequent missachtet oder falsch interpretiert", sagt dessen Vorsitzender Rainer Schröder.

Maja Nowak kann die Proteste nicht nachvollziehen. "Was dort erzählt wird, stimmt schlichtweg nicht", sagt sie. Und argumentiert, dass die Petition eine regelrechte Kampagne gegen sie ist, gesteuert vom BHV. Der Petitionsgründer sei "professionell eingesetzt" worden, sagt sie. Web-Entwickler Mirko Höch lacht, als er das hört: "Davon habe ich bereits gelesen, aber ich stehe in keinerlei Kontakt zum BHV", beteuert er. Stattdessen stört ihn die unausgewogene Berichterstattung des Senders. "Im Privatfernsehen bin ich das gewohnt, aber das ZDF hat einen staatlichen Bildungsauftrag."

Andere sehen das offenbar genauso und klicken weiterhin auf die Petition. Allerdings ist es auch ein Leichtes, dort online zu "unterschreiben". Innerhalb von Sekunden sind die nötigen Klicks gemacht. Auch anonym. Laut Höch landet bei jeder digitalen Unterschrift eine Mail beim ZDF. Die Hamburger Pressestelle des Senders lässt wissen: "Wir können die geäußerten Vorwürfe nicht nachvollziehen und haben keinen Anlass, an der Arbeitsweise von Frau Nowak zu zweifeln". Dementsprechend wird weitergedreht. "Und die Leute werden sehen, dass die Behandlung nicht gewalttätig ist und funktioniert", sagt Maja Nowak.

Am Sonntag soll die zweite Folge ausgestrahlt werden, in der auch Marcy aus Neuruppin zu sehen sein wird. Als Privathund, der sie gar nicht ist. "Die Frau im Film ist nicht die Besitzerin", sagt Cathy Herrmann vom Verein Hundehilfe Russland, der das Tier seit über einem Jahr betreut. Von dem Dreh erfuhr die Hundehilfe erst, nachdem das Kamerateam wieder abgezogen war "Das müssen wir nun erst intern klären." Solange wird im Internet weiterdiskutiert.

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boomer 16.03.2014 - 21:28:25

Maja Nowack

Ich weiß nicht was Menschen sehen,ich für meinen Teil habe noch nie gesehen das Maja N. einen Hund mißhandelt hat das ist absoluter Quatsch.

Marion Nawroth 06.07.2013 - 17:49:04

Die Arbeit von Maja Nowak ist überzeugend und lehrreich!

Ich habe kein Haustier, gerade weil ich wenig Zeit und nicht diese Ahnung habe, damit es meinen Tieren wirklich gut geht. In meiner Nachbarschaft leben "vernachlässigte" Hunde; Hunde, die oft, manchmal ganztägig bellen, völlig gestresst, ohne dass deren Besitzer sich kümmern. Ich bin Therapeutin und weiß, dass Tiere oft die Muster und Krankheiten ihrer menschlichen Besitzer übernehmen. Man muss deshalb Konditionierungen auf beiden Seiten auflösen und natürliches Verhalten neu lernen. Ich kann viele der Begründungen und Trainees auch fachlich nachvollziehen, einiges hat mich auch in der Einfachheit verblüfft. Das an der "kurzen Leine halten" erinnerte mich stark an die so außerordentlich erfolgreiche Festhaltetherapie ach Dr. Jirina Prekop. Man kann so viel aus der Sendung lernen. Ich hoffe, dass sich die ZDF-Verantwortlichen nicht einfach so wegen blinder Diffamierung und sachlicher Unkenntnis vermeintlicher Tierliebhaber von der Hundeflüsterin trennt. Maja, weiter so. Und außerdem: Wer heilt, hat Recht! Und das konnte ich S E H E N.

Kathrin Urbanski 27.06.2013 - 19:22:21

völig daneben

ich lese den Artikel zum Thema Petition gegen die Sendung von Maja Nowack und frage mich, ob der Schreiber weit weg entfernt von der Realität lebt. Ich habe selbst einen Hund und habe mehrere Sendungen von Maja Nowack gesehen. Ich sehe weder Gewalt gegenüber Tieren noch interessiert es mich, ob eine Hundetrainerin nicht eigene Konzepte verkauft. Entscheidet ist, ob es funktioniert. Der Schreiber hatte entweder noch nie einen Hund oder noch nie einen Hund der in Situationen nicht angemessen reagiert. Schade das solch unerfahrene Menschen das Recht haben Fachkräfte zu kritisieren und Petitionen zu starten.

Maike Brzakala 07.06.2013 - 16:11:44

Marcy geht es gut

Ich habe ein ganzes Wochenende lang mit Maja Nowak gearbeitet und keine Sekunde davon war gewalttätig. Was genau dort passierte, kann man hier nachlesen: http://www.nichts-darf-man.de/index.php/ein-wochenende-mit-maike-maja-nowak/. Unsere vier Hunde profitieren sehr von dieser Art mit Hunden umzugehen und auch die Hündin Marcy ist wohlauf und entspannt. Ihr Pflegefrauchen hat einen Antrag auf Übernahme gestellt und heute eine Grußbotschaft zu den Vorwürfen veröffentlicht. Leider wird sie gerade sehr instrumentalisiert, was allen schadet. Man soll doch nicht alles glauben, was im Internet so alles von sich gegeben wird: https://www.youtube.com/watch?v=NYwy2JXJank

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