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"Picasso ist toll, aber das bin ich"

Marco Winkler / 23.06.2013, 19:38 Uhr
Zernikow (win) Die Zungen sollen still stehen: Die Betrachter der neuen Ausstellung "Quiet Tongues" von Martin Rupprecht und Michael Rott in der "Alten Brennerei" in Zernikow sind aufgefordert, ihre anderen Sinnesorgane einzusetzen, vor allem die Augen.

Es ist die fünfte Ausstellung, die die Initiative Zernikow auf dem Gutsgelände in die Wege geleitet hat. Die beiden Buchholzer Künstler Martin Rupprecht und Michael Rott präsentieren sich in dem alten Gemäuer der ehemaligen Schnapsbrennerei besonders vielfältig. Vor 15 Jahren zogen die Kunstschaffenden in die Kirche von Buchholz. Damals ernteten die Lebenspartner viele neugierige Blicke. Auf der Vernissage am Sonnabend erging es ihnen nicht anders. Speziell eine Wand mit mannigfaltigen Nasen zog die Aufmerksamkeit auf sich.

Die Geruchsorgane sind aus Ton, alle unterschiedlich gestaltet. Aus den Nasenlöchern wuchert Stroh, wächst eine Birne, hängt ein Schloss. "Es ist ein kurioses Sammelsurium", gab Michael Rott zu. Er wollte sich sinnlich mit dem Körperteil mitten im Gesicht auseinandersetzen. "Die Nase ist handlich, sie ist komplex und es ist witzig, dass wir durch diese zwei Löcher in der Nase am Leben erhalten werden." Als Maler habe er den Ton schon vor einer ganzen Weile entdeckt. Über klassische Schalen kam er auf die Idee, etwas körperliches zu gestalten. Die Wandelbarkeit der Nase hatte ihn dann so fasziniert, dass er ihr eine ganze Wand in Zernikow widmete. "Jede Nase ist anders. Die Dinge, die aus der Nase wachsen, brechen ihre natürliche Form." Es ist ein Spiel der Sinne, welches spontan bei der Arbeit mit Ton entstand.

Intuitiv ist auch die Arbeit von Martin Rupprecht. Besonders ins Auge sticht eine Bildreihe, die einen Teil seines Lebens widerspiegelt. Auf einer strahlend roten Lebenslinie befinden sich aufgelesenes aus den vergangenen Jahren. "Es ist der spielerische Umgang mit gefundenen Dingen", so Rupprecht. "Ich habe da keinen Plan, ich reagiere spontan auf die Dinge, die ich gefunden habe." Mit seinem Werk möchte Rupprecht den Betrachter anregen, selbst künstlerisch aktiv zu werden. Er selbst spürt beim Anschauen seines fertigen Werks auch Zufriedenheit mit seinem Lebensweg. "Ich will kein Konstrukteur sein, ich möchte vernetzen." Und so rief er die Besucher der Vernissage auf, doch selbst Dinge zu sammeln. "Es ist eine Riesenfreude. Man bekommt mit der Zeit auch so ein Gefühl des Stolzes und denkt: Picasso ist zwar toll, aber das bin ich." In Schuhkartons soll das Aufgehobene und Entdeckte gepackt werden bis der Tag kommt, an dem der Sammler schaffensfreudig ist. Auf ein haptisch angenehmes Papier - die Sinnlichkeit soll betont werden - wird dann eine kräftige Lebenslinie gemalt. Auf dem symbolischen Farbstreifen sollen die aufgespürten Dinge drapiert werden. "Das vermittelt Lebensfreude, und es zeigt die Vielfalt der Tage, die wir erleben."

Die Ausstellung ist bis zum 16. August in der alten Brennerei zu erleben. Geöffnet ist sonnabends und sonntags von 13 bis 18 Uhr.

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