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Claudia Atts 28.06.2013 20:39 Uhr

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Reparieren statt wegwerfen

Berlin (MOZ) Kaum jemand bringt Kleingeräte heute noch zur Reparatur. Die Neuanschaffung ist meist billiger als der Arbeitslohn der Techniker. Damit Toaster, Radios und Rasierapparate trotzdem nicht auf dem Elektroschrott landen, öffnet an jedem ersten Montag im Monat in Kreuzberg ein Repair-Café.

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© MOZ

Der Andrang ist so groß, dass die Besucher Nummern ziehen müssen. Sie bringen Föhne, Radios, Verstärker, Bügeleisen und Kaffeemaschinen in das Atelier im Kreuzberger Hinterhaus. Manche haben sich vorher angemeldet, damit die Techniker das richtige Werkzeug und Material für das Problem dabei haben. Einer der Retter vor dem Weg zur Schrottpresse heißt Ludger Kemper. Der gelernte Elektriker ist zurzeit arbeitslos und engagiert sich ehrenamtlich. "Ich will der Wegwerfmentalität etwas entgegensetzen."

Um die Umwelt zu schonen, fährt Kemper auch regelmäßig eine Stunde mit dem Fahrrad zum Repair-Café. Seine "Kundin" Reingard Hoffmann kommt sogar extra aus Dahlwitz-Hoppegarten nach Kreuzberg und hofft, ihre drei Kleingeräte repariert zu bekommen. Sie hat die Adresse im Internet gefunden. "Kaufen, benutzen, wegwerfen. Da will ich nicht mitmachen. Mir ist es wichtig, die Ressourcen zu schützen", erklärt die 63-Jährige. Leider kann Ludger Kemper nichts mehr für ihre Espressomaschine tun, aber für das Bügeleisen besteht noch Hoffnung. Ist eine Reparatur erfolgreich, freuen sich die Hobbyhandwerker über eine Spende.

Die Idee des Repair-Cafés stammt ursprünglich aus Holland. Die Künstlerin Elisa Garrote Gasch, die Möbel aus Altholz und Skulpturen aus Verpackungen schafft, war die erste, die das Konzept in Berlin aufgriff. In ihrem Atelier veranstaltet sie auch Kreativworkshops für Kitas und Schulklassen. Ihre Mitarbeiter halten Vorträge über Müllvermeidung und Nachhaltigkeit in Schulen. In einem riesigen Materiallager am ehemaligen Tempelhofer Flughafen werden die verschiedensten Materialien angenommen, sortiert und gelagert. In ihrem Kreuzberger Atelier schafft die Künstlerin einmal monatlich Platz für die Selbsthilfe-Werkstatt.

Mike Temple, ebenfalls ein freiwilliger Helfer, ist erfolgreicher Technikentwickler für eine Telekommunikationsfirma. Seinen Feierabend verbringt er gerne im Repair-Café. Momentan schraubt er an einem Elektrogrill mit einem defekten Drehregler. "Eigentlich ein einfacher Fehler. Aber zum Öffnen des Gehäuses braucht man Spezialschraubendreher, sogenannte Torx", erklärt der Fachmann. Die habe ein Laie nicht zu Hause. Das sei bedauerlich, denn oft helfe schon das Reinigen der Anschlüsse. Ersatzteile für Haushaltsgeräte gebe es auch nicht im Handel. Die vielen Klippen, mit der die Industrie Reparaturen zu verhindern versucht, machen Temple sauer. "Manchmal werden Fehler und Sollbruchstellen von vornherein bei der Herstellung angelegt oder minderwertige Teile verbaut, damit die Geräte kaum über ihre Garantiezeit hinaus halten", ärgert sich der Techniker.

Im Repair-Café sind deshalb Kreativität und Improvisation gefragt. Umbauten an den Geräten werden aber nicht durchgeführt. Im Laufe der Stunden kann etlichen Besuchern geholfen werden. Radios dudeln wieder, und auch der Elektrogrill kann seinen Dienst wieder aufnehmen.

Das nächste Repair-Café findet am kommenden Montag von 16 bis 20 Uhr im Atelier von Elisa Garrote Gasch in der Alexandrinenstraße 4 in Kreuzberg statt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Mehr Infos im Internet unter: www.kunst-stoffeberlin.de

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